Das Preisniveau für Büroimmobilien steigt und steigt; internationale Investoren strömen nach Deutschland. Gleichzeitig ist auch die Nutzernachfrage nach Büroflächen enorm – die Mieten steigen, der Leerstand fällt und Projektentwicklungen sind meist lange vor Fertigstellung bereits vollvermietet. Welche Entwicklung überwiegt? Droht eine Überhitzung oder leidet die deutsche Wirtschaft bald unter einem Büroflächenmangel?

Gesprächspartner waren: Fabian Klein, Head of Investment Germany Carsten Ape, Head of Office Leasing Germany Peer N. Neiser, Head of Investment Frankfurt, Alexander Riegel, Co-Head of Office Leasing Frankfurt sowie Dr. Jan Linsin, Head of Research Germany

Wie steht Frankfurt gut ein Jahr nach dem Brexit-Referendum im Standortwettbewerb um neue Nutzer aus der Finanzbranche dar? Und können sich Trends wie Serviced Office und Co-Working in Deutschland tatsächlich durchsetzen?

Moderates Wachstum und eine Arbeitslosigkeit unter 5 Prozent lautete die Prognose und ein Bruttoinlandsprodukt für 2018/19 von 1,5 Prozent. Lauter zuversichtliche Zahlen, die am 6. September in den Räumen im 12. Stock des WestendDuo bei CBRE vermittelt wurden. Es gibt keine Inflation im Euroraum, das heißt, die Inflationsrate hält sich stabil bei 1-2 Prozent. Dafür sorgen die Preishüter bei der ECB. Somit werden bei der nächsten ECB Ratssitzung auch keine gravierenden Veränderungen erwartet. Nach Immobilienkrediten gibt es allerdings große Nachfrage.

Ohne die monetäre Staatsfinanzierung würden andere Länder nicht so gut dastehen, wurde gesagt. Doch wachstumsfördende Strukturen fehlen. In Ländern wie Frankreich und Italien fehlen die Reformen. Beispielsweise der Staatsfonds Norwegen investiert in Indexfonds.

Stellt sich die Frage, welchen Einfluss hat der Brexit? Die Nachfrage ist vorhanden, doch wie viele werden abwandern und in den Euroraum übersiedeln? Folge sind steigende Mieten, die zu erwarten sind, nicht nur in Frankfurt und Berlin sondern auch in Hamburg und München. Bisher seien diese Entwicklungen noch nicht brexitgetrieben – Berlin hat seine Qualitäten! Der Standort ist fast geeigneter als Nebenstandort neben London. Es findet ein Aufholprozess statt in Berlin. 320.000 qm Büroneubaufläche in Frankfurt am Main sind angeblich vorhanden. Davon sind jetzt schon, vor Fertigstellung rund 50 Prozent vermietet. 45 Prozent liegen in der Innenstadt, denn Frankfurt hat eine optimale Innenstadtlage. Berlin hat mehr Stadtteillagen, im Zentrum ist das Angebot dagegen limitiert. Frankfurt verfügt über eine hervorragende Infrastruktur in der Innenstadt. Berlin hat tendenziell steigende Bau- und Grundstückspreise zu vermelden. Hinzu kommt der Baukostenfaktor. Schließlich spielen Bestandsliegenschaften eine Rolle, jene sind die Stellschrauben für Berlin. In Nebenlagen an der Spree finden sich mittlerweile auch schon Spitzenpreise. Solche Standorte verteilen sich über die ganze Stadt. Trotzdem sind das insgesamt immer noch zu wenig Angebote. 10,6 Prozent Leerstand sind in Frankfurt immer noch zu beklagen.

Erste Mietverträge seien zwar schon brexitgetrieben abgeschlossen und rund 5 – 10.000 Arbeitsplätze entstanden – Frankfurt ist ein Gewinner der europäischen Auseinandersetzung, was jedoch nur mittelfristig bestimmt sei. Die Fachleute sehen hier ein 3 – 5 Jahre dauerndes Wachstum mehr nicht. Ein zweigleisiges hierher Bewegen fände statt. Denn Frankfurt sei eigentlich kein Ziel. Ein großes amerikanisches Unternehmen hat aber trotzdem in Frankfurt investiert. Als Grund wird der Brexit gesehen. New York spielt weiterhin eine wichtige Rolle. Dublin spielt auch eine wichtige Rolle wenn auch nicht im Banking. Alles in allem ist Frankfurt ein vernünftiger Standort. Eine Entscheidung für Frankfurt bedeute nicht zugleich mit London abzuschließen.

Neue Konzepte für Arbeitswelten

Die Konjunktur ist positiv gestimmt. Es geht darum, wie Arbeitskräfte gewonnen und gehalten werden. Dafür sorgt die Infrastruktur an den Standorten. Zugleich geht es darum Raumkosten zu sparen. Flexibilität bei den Mitarbeitern, diese werden mit Softskills gehalten. Well-Being, und Well-Office waren nur wenige Stichworte dazu. Im Büro dürfen heutzutage Dusche und Küche nicht fehlen, das gehört zu einem modernen und zeitgemäßen Bürokonzept. Wie lassen sich Arbeitsplätze kommunikativ gestalten, das fragen sich die Fachleute. Hier besteht schon ein Unterschied zu Vorstellungen, wie sie vor zwei oder drei Jahren vorrangig waren. In Berlin werden z.B. 1000 Fahrradparkplätze gebaut. Parkplätze werden am Arbeitsplatz gebraucht, um hin- und wieder wegzufahren. Solche Anforderungen gehen bis in die Stadtplanung. Raumtiefen von sechs bis acht Metern sind einfach zu wenig. Zwanzig Meter Raumtiefe wären optimal, nur keinen Büroschlauch erzeugen, wovon es so viele gibt. Es kommt darauf an, dass Branchen miteinander und Menschen miteinander kommunizieren. Beispiele in Frankfurt, die solche Arbeitskonzepte ansatzweise haben werden, sind der Tower ONE und der im Bau befindliche Omniturm. Co-working Welten entstehen besonders in Berlin und Frankfurt. Anbieter nach neuen Arbeitskonzepten haben innerhalb der Immobilienbranche mittlerweile schon sieben Prozent am Gesamtumsatz erreicht.

Ein Bericht von Kulturexpress

www.cbre.com

Foto (c) Kulturexpress
Auf dem Foto oben v.l.n.r.: Fabian Klein, Carsten Ape und Peer N. Neiser am 6. September im Frankfurter Westend Duo

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