Der Film erzählt mehr, als dass er filmische Ereignisse zum Besten bringt. Dadurch entsteht eine gedehnte Handlung, die für sich gesehen ihre Berechtigung hat und zum Nachdenken anregt. Es geht immerhin um ein schwerwiegendes Thema, eine Herztransplantation. Wie der Mensch ethisch damit umgeht, um das Ereignis, die Operation am offenen Herzen, nicht nur als medizinische Tatsache versteht. Der Roman von Maylis de Kernangal schien im Januar 2014. Das Buch ist packend, heißt es in den Anmerkungen der Regisseurin zum Film:

Die Geschichte, die der Roman erzählt, ist erschüttertend. Ein Herz, das von einem Menschen zum anderen übergeht, eröffnet – ganz abgesehen von der dramatischen Kraft, die einem solchen Umstand innewohnt – wissenschaftliche, poetische und metaphysische Perspektiven.

Es sind gerade diese widersprüchlichen Elemente, die so faszinieren. Auf der einen Seite gibt es moderne, ständig sich weiter entwickelnde Biomedizin und wie sie den menschlichen Körper nutzt, auf der anderen ewige Menschheitsfragen: Wann endet das Leben? Was ist der Tod? Das Sein, die Symbolik unserer Körperteile…

Die Tragödie des Teenagers führt vor Augen, wie groß das Bedürfnis sein muss, Wut und Schmerz, die der Tod auslöst, in etwas anderes zu verwandeln und somit gegen die unabänderliche Natur unseres Menschseins anzukämpfen. Suzanne, die Hauptfigur des zweitens Films, erlitt große Verluste, erst starb ihre Mutter, dann ihre Schwester. Daraufhin suchte sie auf obsessive Weise in ihrem tiefsten Inneren nach Widerstandskraft. Über das Leiden hinaus, über die Aufs und Abs des Lebens, fand Suzanne schließlich ihren Weg, der Instinkt zum Weiterleben überstrahlte letztlich alles. Mit der Verfilmung dieses Romans hat die Regisseurin versucht, einem strahlenden Optimismus treu zu bleiben, damit der Film sich wie eine Ode an das Leben und die Lebenden anfühlt.

Zur Filmwebsite:  www.wildbunch-germany.de/movie/die-lebenden-reparieren

Um das zu erreichen, waren Gilles Taurand wie Regisseurin Katell Quillévéré der Ansicht, dass die Figur der Frau, die das Spenderherz erhält, ausgebaut werden muss. Menschen, die auf ein Spenderorgan warten, sind einer Achterbahn an Gefühlen und Zweifeln ausgesetzt. Menschen, die eine Organtransplantation bereits hinter sich haben, berichten davon, dass – obwohl die Operationen in technischer Hinsicht perfekt ausgereift sind – sich trotzdem immer noch extreme Komplikationen ergeben, und zwar in emotionaler und psychologischer Hinsicht. Das Herz eines Unbekannten zu erhalten, der gerade eines natürlichen Todes gestorben ist, zwingt den Patienten zur Überprüfung seines eigenen Lebenswunschs. Claire hat große Angst vor dieser Transplantation, obwohl sie weiß, dass sie ihr das Leben retten wird. Ihren Kindern und ihrem Arzt gegenüber offenbart sie ihre Ängste.

Maylis de Kerangal hat ihren Roman als „gestisches Chanson“ (chanson de geste) bezeichnet. Organe zu spenden ist nicht nur eine rein organische Angelegenheit, sie enthält auch ein sakrales Element.

Der Film hat insgesamt sowohl bedrückendes als auch ermutigendes. Die Thematik der Herztransplantation als filmisches Ereignis auszuwählen, ist für genommen sehr mutig. Dies auch noch unterhaltsam und zum Teil kontrovers dem Zuschauer näher zu bringen, ist ebenfalls mutig. Wobei die Ernsthaftigkeit an der Thematik durch das Unterhaltungskino immer Verluste erleidet. Wer französischen Film schätzt kommt nicht zu kurz.

Besetzung

Thomas Rémige Tahar Rahim
Marianne Emmanuelle Seigner
Claire Anne Dorval
Pierre Révol Bouli Lanners
Vincent Kool Shen
Jeanne Monia Chokri
Anne Guérande Alice Taglioni
Virgilio Breva Karim Leklou
Alice Harfang Alice de Lencquesaint
Maxime Finnegan Oldfield Sam Théo Cholbi
Simon Gabin Verdet Juliette Galatéa Bellugi Lucie Moret Dominique Blanc

Stab

Regie Katell Quillévéré
Drehbuch Katell Quillévéré
Gilles Taurand Nach dem Roman von Maylis de Kerangal
Kamera Tom Harari
Schnitt Thomas Marchand
Szenenbild Dan Bevan
Kostüm Isabelle Pannetier
Ton Florent Klockenbring, Benjamin Rosier, Emmanuel Croset
Musik Alexandre Desplat
Produktion David Thion, Justin Taurand, Philippe Martin
Co-Produzenten Jean-Yves Roubin, Cassandre Warnauts

Print Friendly, PDF & Email

Ähnliche Beiträge: