Der Band bietet zum einen bauliche Lösungen, zum anderen werden Aussagen zu den baurechtlichen Rahmenbedingungen getroffen. Kostengünstiger Wohnungsbau in Berlin soll möglich sein und nicht in weiter Ferne schweben. Die Publikation entstand aus einer Zusammenarbeit zwischen dom Publishers und der Wohnraumversorgung Berlin.

Grundbausteine einer Baulehre werden postuliert. Parameter sind wie das Grundlagenprogramm zum strukturierten Städtebau. Es geht um Vereinfachung und die Reduzierung auf wenige Inhaltsbausteine, um preiswerten Wohnungsbau schnell und effektiv umzusetzen. Zum Teil lautet der Vorschlag der Herausgeber sich verstärkt für ein serielles Entwerfen einzusetzen, um Arbeitsabläufe zu erleichtern. Zugleich wird die Flexibilisierung der Grundrisse durch Variabilität in der Raumaufteilung gefordert. Kostengünstig Bauen soll preiswerte Mieten generieren. Der Leitfaden will allen am Wohnungsneubau Beteiligten dienlich sein. Das ist ein toller Anspruch. Solange es nicht nur um Prinzipien geht, die verwirklicht werden. Schon Le Corbusier wollte mit seinen Plänen den Städtebau auf ein völlig neues Fundament stellen. Doch der Ruf nach preiswertem Wohnen kommt nicht nur aus Berlin, auch aus München, Stuttgart, Frankfurt am Main, Köln, Düsseldorf und Hamburg sind ähnliche Töne zu hören. Das “Frankfurter Modell” bietet einen Wohnungsbau mit Preisen unter zehn Euro je Quadratmeter. Das liegt unter dem aktuellen Mietspiegel der Großstädte. Also auch auf lokaler Ebene sind hier Verbesserungen und effiziente Lösungen möglich. Schon aufgrund unterschiedlicher Auslegungen der Landesbauordnungen wäre eine lokale Herangehensweise naheliegend. Zudem sind gerade diese zehn Parameter nicht als Rezept zur Lösung des Problems gedacht. Wie immer beim Bauen, sind es Nachfolgeerscheinungen, die ein Projekt auf die Bewährungsprobe stellen. Die zehn Parameter lassen erkennen, dass in Deutschland eine divergente Entwicklung vonstatten geht, denn in strukturschwachen Gebieten passiert genau das Gegenteil von dem, was sich in den Ballungsräumen auf dem Wohnungsmarkt abspielt. Ziel sollte es deshalb sein, daraus eine Konsequenz zu ziehen. Denn hier zu Wohnen kann nicht schlechter sein als dort eine Unterkunft zu haben. Auf dem Land ist es genauso schön wie in der Stadt. Natürlich gilt es bei den Überlegungen die zahlreichen Bestandsbauten mit einzubeziehen, die nicht zuletzt in Berlin das Stadtbild prägen. Die nicht einfach beiseite geschoben werden sollten, sondern um die herum zu bauen ist und das möglichst integrativ. Was die zehn Parameter der Berliner Wohnraumversorgung gleich wieder auf den Kopf stellt. Denn der für den Neubau benötigte Platzbedarf ist zumeist rasterartig strukturiert, was auf breiter Fläche funktioniert, aber nicht so vorteilhaft in verwinkelten Gassen und von Querstraßen durchsetzten Stadtplänen verwendbar ist.

Ein Buchrezension von Kulturexpress

Fazit:

Ziel der Broschüre ist, Konzepte für ein qualitätvolles und gleichzeitig kostengünstiges Bauen zu ermöglichen und somit den aktuellen Anforderungen im Wohnungsbau gerecht zu werden: Wohnungen für vergleichsweise preiswerte Mieten zu schaffen.

Fast 3,7 Millionen Menschen leben heute in Berlin – und das Bevölkerungswachstum nimmt stetig weiter zu. Dieser Trend stellt die Stadt vor vielfältige Herausforderungen: In der nächsten Zeit sind in der Hauptstadt jährlich etwa 20.000 neue Wohnungen zusätzlich zur Verfügung zu stellen. Dabei gilt es die soziale Mischung in den Stadtteilen zu wahren und zu fördern, damit der soziale Zusammenhalt gestärkt und die gesellschaftliche Integrationskraft durch das Wachstum nicht gefährdet wird. Zentrales Thema sind daher Konzepte für qualitätsvolles, aber möglichst kostengünstiges Bauen. Diese Aufgabe muss von allen Partnern im Wohnungsmarkt getragen werden: den privaten Wohnungsinvestoren, den Wohnungsgenossenschaften und den landeseigenen Wohnungsgesellschaften.

Dieser Leitfaden will allen am Wohnungsneubau Beteiligten als Anregung, Diskussionsbeitrag und auch als Hilfestellung dienen. Er beleuchtet, welche Faktoren sich preisreduzierend auf Baukosten auswirken können. Dazu gehören unterschiedliche baukonstruktive Aspekte wie Standardisierung, Ausstattung, Grundriss oder Material, aber auch die baurechtlichen Rahmenbedingungen wie Bauleitplanung, Normen oder das Vergaberecht. Die Studie bündelt so ein in seiner Komplexität bislang selten umgesetztes Wissen über die Voraussetzungen des kostengünstigen Wohnungsbaus. Denn der Wohnungsbau wird von zahlreichen Regelungen flankiert, die jedes Bauvorhaben schon vor dem ersten Spatenstich strukturieren. Sie soll sensibilisieren, welche dieser Prämissen kostengünstiges Bauen beeinflussen, um einen zeitgemäßen und abwechslungsreichen Wohnungsbau zu ermöglichen. Quelle des Fazits: gisela graf communications

Die gesamte Broschüre ist über diesen Link downloadbar… (Stand: August 2018)

Wohnraumversorgung Berlin – Anstalt öffentlichen Rechts (Hrsg.)
Zehn Parameter für einen kostengünstigen Wohnungsbau
Ein Leitfaden
170 × 215 mm, 52 Seiten
30 Abbildungen, Softcover
ISBN 978-3-86922-024-6
Juni 2018. DOM publishers, Berlin

 

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