Unumgänglich werden umfassende Restaurierungen sein. Die Maßnahmen werden sich über einen Zeitraum von vier Jahren erstrecken und zum Teil öffentlich und für die Besucher nachvollziehbar im Musée Unterlinden stattfinden.

Am 24. November 2017 beschloss der neue, erweiterte Wissenschaftliche Beirat für die Restaurierung des Isenheimer Altars unter dem Vorsitz von Blandine Chavanne, Cheffe du service des musées de France par intérim, und Thierry Cahn, Präsident der Société Schongauer, eine Restaurierungskampagne des Altarensembles (Tafelbilder und Rahmen, Skulpturen, neuzeitlicher Altarkasten) auf der Grundlage der Analysen des Centre de Recherche et de Restauration des Musées de France (C2RMF) und der Empfehlungen aus den Untersuchungen von 2013/2014 unter Bewahrung der Integrität des Werkes und mit dem Ziel seiner Konservierung.

Nach der im Frühjahr 2017 erfolgten Ausschreibung und der Prüfung der Angebote für Skulpturen und Altarschrein (Los 1) sowie Tafelbilder und Rahmen (Los 2) erteilte der Beirat den Zuschlag an folgende Bewerber:

Los 1 an das Restaurierungsteam unter der Leitung von Juliette Lévi
Los 2 an das Restaurierungsteam unter der Leitung von Anthony Pontabry

Die Restaurierung des Retabels steht während der gesamten Kampagne unter der Aufsicht des Comité scientifique. Der Beirat tritt abhängig vom Fortschritt der Arbeiten sowie in jeder Phase zusammen, die einen Erfahrungsaustausch und eine Evaluierung der durchgeführten Tests erfordert.

Die erste Restaurierungsphase startet 2018 und betrifft die Skulpturen, die dekorativen Elemente (Baldachin und Rankenornament), die konstruktiven Teile und den neuzeitlichen Altarkasten. Die Arbeiten werden im Rahmen des Möglichen erfolgen und zum Teil öffentlich und für die Besucher nachvollziehbar im Musée Unterlinden sowie in den Werkstätten des C2RMF in Paris ausgeführt. Insgesamt sind drei Phasen über einen Zeitraum von 16 Monaten verteilt, sodass immer ein Teil der Skulpturen sichtbar bleibt. Die verschiedenen Phasen betreffen die Fixierung, Säuberung und Behebung von Fehlstellen der Polychromierung.

Der 1930 als Ersatz für die zerstörte Originalkonstruktion angefertigte Altarkasten wird ebenfalls stabilisiert und gereinigt.

Die Restaurierung der Tafelbilder wird ebenfalls im Musée Unterlinden im Ausstellungsraum des Retabels erfolgen und der Großteil der monumentalen Tafeln in der metallenen Tragkonstruktion restauriert (Bildträger, Malschicht und Rahmen), die sich um 80 cm absenken lässt. Lediglich die am Mittelschrein befestigten Tafeln mit dem Hl. Antonius und dem Hl. Sebastien sowie die Predella werden für die Arbeiten abgenommen. Die Restaurierung ihrer Rahmen erfolgt in Vesoul.

Bei der Restaurierung werden die hölzernen Bildträger sowie die Rahmen stabilisiert, die Malschicht fixiert und Firnisschichten abgetragen, um so die Originalfarben wieder sichtbar zu machen und von rezenten Übermalungen zu befreien.

Das sicherlich spektakuläre Resultat wird die Leuchtkraft der dichten und feinen, derzeit noch vergilbten Farben wieder zum Vorschein bringen. Die Gesamtdauer der Restaurierung des Retabels ist auf 4 Jahre veranschlagt.

 

 

Über den Isenheimer Altar

Das Herzstück des Musée Unterlinden, der Isenheimer Altar, gehört zu den bedeutendsten Werken abendländischer Kunst. Das monumentale Polyptychon wurde zwischen 1512 und 1516 von Grünewald gemalt, die Schnitzereien stammen von Nikolaus von Hagenau. Der Isenheimer Altar schmückte einst den Hochaltar der Antoniterpräzeptorei in Isenheim, einem kleinen Ort südlich von Colmar. Während der Französischen Revolution wurde er zum Schutz nach Colmar gebracht, wo er seit 1853 im Musée Unterlinden zu sehen ist.

Foto (c) Kulturexpress, Meldung: Musée Unterlinden, Colmar

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