Städte sind lebendige, von Politik, Gesellschaft und Historie geprägte Strukturen, voller Kontraste und architektonischer Projektionen. Ihre Entwicklung hinterfragt der russisch-deutsche Architekt Sergei Tchoban immer wieder aufs Neue – indem er sie unablässig zeichnet. Seine Bilder nehmen mit auf eine visionäre und phantastische Reise in die Welt der Architektur.

Die Sprache der Architekten ist – noch vor dem Gebauten – die Zeichnung. Genauer gesagt: die Architekturzeichnung. In ihr kann sich der (Bau-)Künstler eine Welt erschaffen, die nach dem eigenen Regelwerk funktioniert. So hat der 1962 in Sankt Petersburg geborene Sergei Tchoban bereits als Kind eine wahre Leidenschaft fürs Zeichnen entwickelt, die ihn später unweigerlich zum Beruf des Architekten führte. „Mit einem Handkoffer voller Zeichnungen“, wie er selbst sagt, sei er 1990 nach Deutschland gekommen, noch relativ frisch studiert und mit etwas Berufserfahrung in Russland. Nur wenige Jahre nach Eintritt in das Architekturbüro NPS wurde er dort Partner. Heute unterhält TCHOBAN VOSS Architekten Satelliten in Hamburg, Berlin und Dresden. In Moskau führt Tchoban das Architekturbüro SPEECH mit rund 200 Mitarbeitern.

Seine Leidenschaft für die Zeichnung hat Sergei Tchoban bei aller Bautätigkeit nie aufgegeben. Im Gegenteil: Immer wieder entstehen neue Architekturgedanken und -visionen auf Papier. Aus der Zeichen-Leidenschaft ist auch eine Sammel-Leidenschaft erwachsen, die dazu führte, dass Tchoban im Jahr 2013 das Museum für Architekturzeichnung in Berlin installierte, wo seither viele außerordentlich sehenswerte Werke berühmter Architekten zu sehen sind.

Ob Phantasmen aus Glas und Stein, die über einer Renaissancestadt bedrohlich schweben, oder untergegangene Welten, deren Ruinen von längst verblassten Erinnerungen erzählen: Sergei Tchoban stellt in der Ausstellung „Visionen / Projektionen“ verschiedene Wege und Möglichkeiten vor, die Stadt und ihre Architektur zu sehen. Seine Zeichnungen sind oft voller Kontraste und zuweilen voller Melancholie, was an ein unerreichbares Arkadien denken lässt. Jede Zeichnung sucht auf ihre Art nach einer Zukunft und einer Harmonie zwischen der bestehenden Welt und den bevorstehenden Veränderungen. Ein Mittel sind sie alle womöglich nicht, aber vielleicht ein Kompass, der uns visuell hilft, sich in der urbanen Vielschichtigkeit zurechtzufinden und sie schließlich, so wie sie ist, lieben zu lernen.

Die Ausstellung „Visionen / Projektionen“ in der Raumgalerie zeigt einen Querschnitt aus Sergei Tchobans Zeichnungen und ermöglicht so einen ganz persönlichen Blick auf seine Visionen, Fantasien und Projektionen der Stadt mit ihren vielen verschiedenen, oft kontrastreichen Architekturen, ihren gewachsene Strukturen und der Verflechtung moderner, technologischer und ökologischer Formen.
Zur Ausstellungseröffnung wird Sergei Tchobans und Wladimir Sedows neues Buch „30:70 – Architektur als Balanceakt“ (DOM Publishers) vorgestellt und besprochen. Sergei Tchoban wird dabei anwesend sein.

Dauer der Ausstellung: 27. November 2018 bis 09. Februar 2019
Ort: Die Raumgalerie, Ludwigstraße 73, 70176 Stuttgart

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