Mir gefällt das Buch, denn es regt mich zum Lesen an. Das liegt vor allem an der Thematik, indem es um ein Haus geht, in welchem Thomas Mann mit seiner Familie die Exiljahre verbracht hat und das in Kalifornien steht. Dort schrieb der Autor seinen Doktor Faustus, von wo aus seine Radio Übertragungen gegen Nazi-Deutschland organisiert wurden.

Darüber berichtet Frido Mann, der Enkel des großen Schriftstellers, der jetzt in dessen Fußstapfen treten will. Sehr schön sind die Beschreibungen, die Autor Frido Mann wie aus einem Erlebnisbericht erzählt, der sich nach Jahren wieder an das Haus seiner Kindjahre erinnert, um darin Orientierung zu finden und sich dann ein wenig zu verlieren. Zu viele Erinnerungen haften daran.

Aber es ist schon lange nicht mehr sein eigenes Haus, obwohl er dort einige Jahre verbracht hat. Eine verfallene Bruchbude scheint fast nur übrig geblieben zu sein. Wäre die Bundesrepublik Deutschland nicht als Käufer eingetreten, wäre es womöglich abgerissen worden oder zumindest weiter dem Verfall anheim gefallen. Im Jahr 2016 wurde das Haus im Stadtteil von Los Angeles in Pacific Palisades aufgekauft, in mühevoller Arbeit restauriert, um es damit wieder in seinen Originalzustand zurückzuversetzen und als Ort der Geschichte nutzbar zu machen. Leider sind im Buch aus dem S.Fischer Verlag keinerlei Pläne abgebildet. Nicht ein Grundriss findet sich. Obwohl gerade das hilfreich gewesen wäre, was die Orientierung angeht, die der Autor des Buches durch seine Wandlungen von sich gibt, die beinahe schwebend durch Räume und Flure führen. Nicht ohne Hintergedanken, dass dies vielleicht nützlich ist bei der Bewertung und Instandsetzung in den ursprünglichen Zustand. Immerhin wurden einige s/w Fotos eingefügt. Aber auch die farbigen Fotos sind nur s/w.

Frido Mann nutzt die Gelegenheit für seine Zwecke, um über Amerika aufzuklären und wie es im Moment um die US-Nation steht. Er selbst besitzt die amerikanische Staatsbürgerschaft, wäre aber gewillt bei Verschlechterung der politischen Verhältnisse in den USA, diese wieder abzugeben. Diesen Gedanken drückte er zumindest während des Radiogesprächs aus. Es geht in seinen Äußerungen um ein mehr an Demokratie und um das zugehörige Demokratieverständnis. Dafür scheint er ein Verfechter zu sein. Das Weiße Haus ist sein obligatorischer Ort für dieses Demokratieverständnis. Fifteenfifty San Remo, ein Hort der Demokratie. Während früher dies ein Ort der Zuflucht war, um Nazi-Deutschland etwas entgegenzusetzen, findet eine Umkehrung statt der heiklen Zustände. Die Amerikaner können jetzt Zuflucht im Thomas Mann Haus finden, um sich auf ihre früheren Tugenden zurückzubesinnen, von denen wir so viel profitiert haben. Das Thomas Mann Haus soll deshalb eine Begegnungsstätte werden, ein Ort des Austauschs, der zwischen altem Europa und Amerika vermittelt. Das scheint nötiger denn je.

Das Manuskript zum Buch wurde im März 2018 verfasst, ist also noch ganz frisch und schon gedruckt. Deshalb bleibt keine Zeit zu verlieren, um den Anschluss zu behalten und gleich zu lesen, bevor “Das Weiße Haus des Exils” seine Tauglichkeit verliert in Hinblick auf die kritischen Anmerkungen des Autors und diese nicht einfach als Nörgelei an einer Sache abgetan werden.

Im Spector Verlag ist mit “Seven Palms” ebenfalls eine Publikation zum restaurierten Thomas Mann Haus in Kalifornien erschienen. Auch hier wird auf Grundrisse oder Zeichnungen verzichtet, so dass eine Vorstellung vom Aufbau des Hauses anhand von Plänen nicht möglich ist. Dafür sind neben den Beschreibungen mehrere Farbfotos abgebildet, welche die Räumlichkeiten durchaus übersichtlich aufzeigen.

Eine Buchrezension von Kulturexpress

Eine Vorschau zu: Das Weiße Haus des Exils
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Das Weiße Haus des Exils
von Frido Mann
S. Fischer Verlag
2. Auflage, August 2018
gebunden, 208 Seiten
zahlr. s/w Fotografien
Größe: 13 x 1,9 x 20,9 cm
ISBN: 978-3103974041

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