Joan und Joe Castleman sind seit fast 40 Jahren verheiratet. Joe ist Schriftsteller der Gegenwart und kommt aus den Staaten. Er genießt in vollen Zügen die Aufmerksamkeit, die ihm zu Teil wird, diverse Affären sind inklusive. Seine Frau Joan scheint bei alledem unverzichtbar zu sein, die mit viel Charme, einem scharfen Sinn für Humor und intelligenter Diplomatie die perfekte Unterstützung im Hintergrund spielt. Als Joe für sein literarisches Oeuvre mit dem Nobelpreis ausgezeichnet werden soll, reisen sie gemeinsam nach Stockholm. Begleitet werden sie dabei von ihrem Sohn David, der selbst angehender Schriftsteller ist und die Auseinandersetzung mit dem Vater sucht. Zwischen Empfängen, Ehrfurchtsgebaren und Damenprogramm werden Risse in der Ehe von Joan und Joe sichtbar. Schwelende Unzufriedenheit bricht aus und beginnt Joans stoische Fassade zu durchbrechen. Zu allem Überfluss werden die Castlemans auch noch von dem Journalisten und ungeliebten Biographen Nathaniel Bone verfolgt, der dabei ist, ein dunkles Geheimnis bei den Castlemans aufzudecken.

Ein gesellschaftskritischer Film, der beinahe mit satirischer Beobachtungsgabe die Machenschaften der schwedischen Literaturnobelpreiskommission aufs Korn nimmt und den vielseits bekannten Rollentausch zwischen Mann und Frau untersucht – was beinahe schon aus der Filmüberschrift zu erraten ist. Doch das Ende kommt jäh, denn auch hier dominiert das Fatale. Inwieweit die Drastik gerechtfertigt war, bleibt fraglich. Der Dynamik des Films wird das jedenfalls nicht gerecht, wenn der langsame Untergang eines Schriftstellers zelebriert wird. Die moralische Frage nach Urheberrecht und Urheberschaft thront wie auf einem Sockel. Zweifel entstehen nur, wenn es stets die Unzufriedenen sind, die den Ton angeben. Wo soll das enden, wenn nicht wieder in Konventionen, die sich fortsetzen und dann von neuem aufgebrochen werden müssen. “Die Frau des Nobelpreisträgers” ist wie ein Theaterstück an einem langen Faden inszeniert, was nur abseits der Wirklichkeit funktionieren kann, so sehr sind die Beteiligten aufeinander eingespielt, damit daraus auch wirklich die Lebenslüge abzulesen ist, die ein Spiegelbild der patriarchalischen Gesellschaft wiedergibt. Die scharfen und pointierten Dialoge stammen aus der Feder von Drehbuchautorin Jane Anderson. Wobei der Rolle von Glenn Close besonderer Verdienst zukommt, denn sie nimmt die Bürde auf sich und steht ihren Mann.       

Eine Filmrezension von Kulturexpress  

STAB

Regie: Björn L Runge
Drehbuch: Jane Anderson
Nach dem Roman „Die Ehefrau“ („The Wife“) von Meg Wolitzer, DuMont 2016
Produzenten: Claudia Bluemhuber, Peter Gustafsson, Rosalie Swedlin, Meta Louise Foldager Sørensen, Piers Tempest
Kamera: Ulf Brantås
Schnitt: Lena Runge
Szenenbild: Mark Leese
Kostümbild: Trisha Biggar
Maske: Charlotte Hayward

BESETZUNG

Joan Castleman – Glenn Close
Joe Castleman – Jonathan Pryce
David Castleman – Max Irons
Susannah Castleman – Alix Wilton Regan
Nathaniel Bone – Christian Slater
Joan Castleman jung – Annie Starke
Joe Castleman jung – Harry Lloyd
Elaine Mozell – Elizabeth McGovern
Linnea Karin – Franz Körlof

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