Eine Ausstellung des Deutschen Architektur Museum DAM im Auftrag des Dezernats für Kultur und Wissenschaft, Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main. Schirmherrschaft Oberbürgermeister Peter Feldmann Direktor Peter Cachola Schmal Stellvertretende Direktorin Andrea Jürges Kurator Philipp Sturm Ko-Kurator Moritz Röger Kabinettausstellung Schätze aus dem Archiv. 8 – Die Frankfurter Saalgasse. Postmoderne trifft Mittelalter. Inge Wolf Praktikanten Anton Braun, Matthias Schardt, Anne Etheber, Karla Pohl Ausstellungsdesign Feigenbaumpunkt, Frankfurt am Main \ Arne Ciliox, Jochen Schiffner Ausstellungsarchitektur unique assemblage, Frankfurt am Main \ Alex Probst, Ralf Schlachter Öffentlichkeitsarbeit Brita Köhler, Rebekka Rass Kuratorin Architekturvermittlung Christina Budde mit Bettina Gebhardt, Arne Winkelmann Registrar Wolfgang Welker Sammlungsleitung Inge Wolf Bibliothek Christiane Eulig Sekretariat Inka Plechaty Verwaltung Jacqueline Brauer Aufbau-Team Marina Barry, Paolo Brunino, Ulrich Diekmann, Enrico Hirsekorn, Jannik Hoffmann, Caroline Krause, Eike Laeuen, Gerhard Winkler, Beate Voigt, Ömer Simsek unter der Leitung von Christian Walter.

Die Frankfurter Altstadt weist wie kein anderes Areal der Stadt eine reiche Geschichte an Architektur und deren Instrumentalisierung für Identität und Tradition auf. Die Ausstellung Die immer Neue Altstadt zeigt einen Rundblick über das Geschehen der vergangenen 120 Jahre.

Der Einzug der Moderne erforderte um 1900 ein neues Rathaus und den Braubachstraßendurchbruch. Pläne der Ernst May-Ära, um der desolaten Lage in der hochverdichten Altstadt entgegenzuwirken, setzten später die Nationalsozialisten unter dem Begriff „Altstadtgesundung“ um. Nach ihrer Zerstörung 1944 entbrannte ein heftiger Streit um die Form des Wiederaufbaus. Die 1950er Jahren waren durch den Bau moderne Bauten geprägt und 1974 entstand mit dem Technischen Rathaus ein Gebäude das über viele Jahre die Altstadt prägen sollte. Eine erste Rekonstruktion fand 1983 am Römerberg statt – zeitgleich hielt mit der Schirn und der Saalgasse die Postmoderne ihren Einzug.

Mit dem Abrissurteil für das Technische Rathaus setzte ab 2005 eine Kontroverse um die Neubebauung ein. Wie aus ihr die neue Altstadt hervorging, ist eine zentrale Frage der Ausstellung. Der Gang durch die Geschichte zeigt dabei die Bandbreite der häufig wiederkehrenden Debatte über (Altstadt)Rekonstruktion.

Die immer Neue Altstadt – Bauen zwischen Dom und Römer seit 1900 Frankfurt am Main

Das Dom-Römer-Projekt ist heute nicht unumstritten. Gegner sprechen von nostalgischer Kulissenarchitektur und kritisieren, dass mit öffentlichen Geldern 80 hoch subventionierte Wohnungen für eine wohlsituierte Käuferschicht gebaut wurden. Die Befürworter dagegen betrachten die neue Altstadt als gelungene „Stadtheilung“, attraktiven Anziehungspunkt für Touristen und hoffen auf ein lebendiges Quartier für die Bürger Frankfurts.

Die Debatte um den Wiederaufbau Vor der Entscheidung für die neue Altstadt stand ein heftiger Streit über den Sinn eines solchen Projektes. Noch bevor KSP Engel und Zimmermann im September 2005 den Wettbewerb gewonnen hatten, forderte die Fraktion der rechtpopulistischen Bürger für Frankfurt (BFF) im Stadtparlament eine kleinteilige Bebauung gemäß dem Vorkriegszustand des Areals. Dieser Antrag wurde mit breiter Mehrheit abgelehnt. Etwa zeitgleich stellt der junge Offenbacher Bauingenieur Dominik Mangelmann seine Diplomarbeit – ein digitales Modell einer Rekonstruktion der Altstadt – bei den verschiedenen RömerFraktionen vor. Doch auch hier blieben die Reaktionen erst einmal verhalten. Erst im aufziehenden Kommunalwahlkampf gerät ein möglicher Wiederaufbau verstärkt in den Fokus. Der Verein Freunde Frankfurts, die BFF und Teile der Presse (insbesondere auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung) wenden sich öffentlich gegen den Entwurf von Jürgen Engel und kämpfen für eine Bebauung nach historischen Vorbild. Kurze Zeit später fordert auch die CDU – gedrängt von der Jungen Union – ein kleinteiliges Quartier, „so wie die Altstadt bis zu ihrer Zerstörung 1944 war.“ Im Wahlkampfmodus ignorieren die Politiker die Fachleute, im Oktober 2005 behauptet der SPDVorsitzende Franz Frey sogar, „die Bürger haben ein Anrecht auf Fachwerk.“ Mit der Wahl im März 2006 werden klare politische Verhältnisse geschaffen, die neu gebildete schwarz-grüne Koalition macht den Wiederaufbau der Altstadt zu einem wichtigen Teil ihrer Agenda. Auch das außerparlamentarische Engagement nahm in dieser Zeit zu, mit dem Ziel, einen möglichst umfassenden Wiederaufbau zu erreichen. Im Frühjahr 2006 präsentierte der Geograf Jörg Ott ein fassadengenaues virtuelles Altstadtmodell, welches das digitale Modell von Mangelmann ergänzte und nun häufig die Zeitungsartikel zum Thema illustrierte. Im September 2006 gründen die Rechtspopulisten der BFF den Verein Pro Altstadt, dessen Mitglieder in den folgenden Jahren im Sonderausschuss DomRömer und bei zahlreichen Diskussionsveranstaltungen für ihre Vorstellungen einer zukünftigen Bebauung kämpfen.

Zur Ausstellungsarchitektur und –gestaltung Außen glänzend weiß, entromantisiert und artifiziell. Diese Hülle bildet die Metaebene, auf der Akteure und Beobachter der verschiedenen Epochen zu Wort kommen. Betritt man den inneren Bereich so eröffnet sich ein differenzierter Raum mit überraschenden Perspektiven, Blickachsen und Durchblicken – ähnlich eines Besuches der Altstadt. Raumbildendes Element ist die Dreieckssäule. Der Grundriss, ein gleichschenklig-rechtwinkliges Dreieck, erinnert an Fachwerk und Giebelansichten.

Auch die Typografie und Gestaltung bedienen sich im Fundus des Alten, zeigen Herz und Seele (zentriert, gold) und scheitern gleichzeitig genau daran (DIN-Schriften, kühl und klar). Verantwortlich zeichneten die beiden Frankfurter Büros Unique Assemblage und Feigenbaumpunkt.

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