»Kein Kitscher, sondern ein wohlorientierter Europäer. Einige seiner Kerle mit roten Jacken gehören in eine Gemäldegalerie, sie sind durchaus gut«, schrieb Paul Klee anerkennend, als er 1908 in München eine Gedächtnisausstellung zu Ehren von Wilhelm Busch (1832–1908) besuchte. Dort war der berühmte Schöpfer humoristischer Bildergeschichten erstmals auch als Maler zu entdecken – mit prägnanten Porträts, stimmungsvollen Genreszenen und bewegten Landschaftsbildern, in denen immer wieder Bauern in roten Jacken die Blicke auf sich ziehen. Bis heute ist Buschs malerische Seite kaum bekannt. Kein Wunder, hielt der von Selbstzweifeln geplagte Künstler seine meist kleinformatigen Gemälde zu Lebzeiten doch vor der Öffentlichkeit verborgen. So blieb ein Bilderkosmos, der Busch besonders am Herzen lag, selbst für Kenner am Rande der Aufmerksamkeit. Dabei haben Buschs Miniaturen größte Beachtung verdient: Sein oft ungestümer, skizzenhafter Pinselstrich vereint die Liebe zur niederländischen Malerei des 17. mit den Traditionen des 19. und der Experimentierlust des 20. Jahrhunderts. Mit rund siebzig Leihgaben aus dem Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover und einigen ergänzenden Werken aus Privatbesitz gibt die Ausstellung Herzenssache umfassenden Einblick in die Welt des Malers Wilhelm Busch.

Plakat zur Ausstellung

Schon früh entschied sich Wilhelm Busch für eine künstlerische Laufbahn. 1851 brach er 19-jährig ein auf väterlichen Wunsch begonnenes Maschinenbaustudium ab und wechselte zunächst an die Düsseldorfer Kunstakademie, ein Jahr später dann an die Königliche Akademie der Schönen Künste in Antwerpen. Hier entdeckte er die flämische und holländische Malerei des 17. Jahrhunderts: Gemälde von Peter Paul Rubens, Adriaen Brouwer, David Teniers und Frans Hals. Die niederländische Landschaftskunst mit ihrer Vorliebe für das unspektakulär Regionale begeisterte Busch ebenso wie die oft derben Motivwelten der Genremalerei; beides kehrt in seinen Bildern variantenreich wieder. Zum stilistischen Vorbild wurde ihm dabei die kühn bewegte Pinselschrift des Porträtisten Frans Hals, die Busch besonders in seinen Spätwerken zu gewagter Abstraktionskraft steigerte. Eine schwere Typhuserkrankung unterbrach 1853 Buschs künstlerische Arbeit; ein Wechsel an die Münchener Kunstakademie 1854 mündete schließlich in einen Abbruch des Kunststudiums. Der Grund hierfür mag in Buschs selbstkritischer Haltung liegen. Bis zu seinem Lebensende pflegte er Freundschaften mit namhaften Malern wie Franz von Lenbach und Friedrich August Kaulbach, die sein Werk schätzten, doch Busch selbst betrachtete es mit stetiger, demonstrativer Skepsis. So schrieb er im Oktober 1896 an Grete Meyer: »Sollte in der Rumpelkiste […] noch irgend eine farbige Schose übergeblieben sein, die Dir nicht zu schlecht ist, so steht sie selbstverständlich zu deiner Verfügung. Selbst kann ich das Zeugs nicht empfehlen. Und jetzt kommt der alte Pedant zum Vorschein: Bilder […] nennt man nur solche Malereien, die beanspruchen, fertig zu sein; von den übrigen sagt man, es seien Studien, Skizzen, oder G’schmier, wo nicht viel Ehre mit einzulegen ist, was man demnach vor den Augen der Leute gern zu verbergen sucht.« Dass das Malen für Busch – bei aller nach außen gekehrten Tiefstapelei – eine Herzensangelegenheit war, bezeugen die rund eintausend Werke, die bis Mitte der 1890er Jahre entstanden: »G’schmier«, in dem sich ein virtuoser und eigenwilliger Künstler offenbart. 

www.barlach-haus.de/ausstellungen/herzenssache-wilhelm-busch-malt

K U R A T O R E N –
F Ü H R U N G E N
Dienstag, 19. März 2019, 18 Uhr
»Versteckformate«
Was Busch verborgen hielt
Dienstag, 14. Mai 2019, 18 Uhr
»Selbst kann ich das Zeugs nicht empfehlen«
Highlights eines Tiefstaplers

L E S U N G E N Sonntag, 24. März 2019, 12 Uhr
Ulrich Bildstein liest Wilhelm Busch
Sonntag, 7. April 2019, 12 Uhr
Ulrich Bildstein liest Wilhelm Busch

Ö F F N U N G S Z E I T E N Dienstag bis Sonntag (an Feiertagen auch Montag) 11–18 Uhr

E I N T R I T T 7 €, ermäßigt 5 €, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei,
Familienkarte 10 €, Kombikarte mit dem Jenisch Haus 10 €,
Jahreskarte 20 €, Gruppen 4 € pro Person, Schülergruppen frei

F Ü H R U N G E N Kostenlose öffentliche Führungen sonntags 11 Uhr,
Anmeldungen zu privaten Führungen unter 040-82 60 85 und
info@barlach-haus.de

I N K O O P E R A T I O N
M I T
ERNST BARLACH HAUS – Stiftung Hermann F. Reemtsma, Jenischpark, Baron-Voght-Straße 50a, 22609 Hamburg

W I L H E L M B U S C H . L E B E N S D A T E N
1832
Wilhelm Busch wird am 15. April als ältestes von sieben
Kindern des Kaufmanns Friedrich Wilhelm Busch und
dessen Frau Henriette, geb. Kleine, in Wiedensahl
(damals Königreich Hannover) geboren.
1841
Busch wird zu seinem Onkel Pastor Georg Kleine nach
Ebergötzen bei Göttingen gegeben; er erhält von ihm
Privatunterricht. Beginn einer lebenslangen Freundschaft
mit dem Müllerssohn Erich Bachmann.
1846
Umzug mit Pastor Kleine in die Pfarrei von Lüthorst.
1847
Auf Wunsch des Vaters studiert Busch Maschinenbau
am Polytechnikum in Hannover. Besuch des Zeichensaals.
1851
Nach dem Abbruch des Maschinenbaustudiums
beginnt Busch mit dem Studium der Malerei an der
Kunstakademie Düsseldorf.

1852
Fortsetzung des Malereistudiums an der Akademie in Antwerpen. Buschs Begegnung mit der niederländischen
Malerei des 17. Jahrhunderts wird prägend für sein Schaffen.
1853
Busch erkrankt an Typhus und lebt kurzzeitig wieder in seinem Elternhaus in Wiedensahl. Er malt in
der Umgebung und sammelt Lieder, Sagen und Volksmärchen.
1854
Busch wechselt nach München zur Fortsetzung seines Kunststudiums, das er schließlich abbricht. Er
tritt dem Künstlerverein »Jung-München« bei, dem auch die Maler Heinrich von Angeli, Theodor Pixis,
Wilhelm von Diez und Buschs späterer Verleger Otto Bassermann angehören.
1858
Der Maler Kaspar Braun, Verleger der humoristischen Münchener Zeitschrift Fliegende Blätter, erkennt
Buschs Talent als satirischer Zeichner. Bis 1871 veröffentlicht Busch annähernd einhundert Beiträge
in den Fliegenden Blättern des Verlags Braun & Schneider, und bis 1875 gestaltet er rund fünfzig
Münchener Bilderbogen für denselben Verlag.
1863/64
Rückkehr nach Wiedensahl. Busch löst sich als Illustrator von Kaspar Braun, gestaltet für Heinrich
Richter die Bilderbuchfolge Bilderpossen und konzipiert Max und Moritz. Nach dem Misserfolg der
Bilderpossen Rückkehr zu Kaspar Braun, für den Busch nur noch selbst gewählte Bildergeschichten-
Stoffe umsetzt.
1865
Mit der Veröffentlichung von Max und Moritz gelingt Busch der Durchbruch. Die Bildergeschichte
macht ihn berühmt und liegt bis heute in rund 200 Übersetzungen vor.
1868/69
Busch zieht nach Frankfurt am Main, wo sein Bruder Otto lebt. Dieser macht ihn mit der Philosophie
Arthur Schopenhauers bekannt. Busch knüpft Beziehungen zur Bankiersfamilie Keßler, in der Otto
Busch Hauslehrer ist.
1871
Busch wählt Otto Bassermann, seinen Freund aus Münchener Tagen, zum neuen, lebenslangen
Verleger seiner Werke. Im Bassermann-Verlag erscheinen von 1872 bis 1884 unter anderem: Die
fromme Helene, Pater Filucius, Dideldum!, Abenteuer eines Junggesellen, Julchen, Fipps der Affe,
Plisch und Plum, Balduin Bählamm und Maler Klecksel.
1872
Rückkehr nach Wiedensahl, ständiger Wohnsitz bei seiner Schwester Fanny und ihrem Ehemann, dem
Pastor Hermann Nöldeke. Nach dessen Tod 1879 führt Busch im Pfarrwitwenhaus einen gemeinsamen
Haushalt mit Fanny und seinen drei Neffen Hermann, Otto und Adolf Nöldeke. Von Wiedensahl
aus unternimmt Busch Reisen nach Frankfurt, München, Wien, Berlin, Dresden, Belgien und Holland,
Florenz und Rom.
1876
Busch lernt in der Münchener Künstlergesellschaft »Allotria« die Maler Franz von Lenbach und
Friedrich August Kaulbach, den Bildhauer Lorenz Gedon und den Schriftsteller Paul Lindau kennen.
Es entwickeln sich intensive Freundschaften.
1877
Busch bricht die Beziehung zur Familie Keßler vorübergehend ab. Er unterhält ein Atelier in München,
das er allerdings kaum nutzt.
1881
Letzter Aufenthalt in München, Nach einem Eklat bei einer Abendgesellschaft meidet Busch die Stadt.
1884
Mit Maler Klecksel schließt Busch sein Bildergeschichten-Werk ab. Intensive Hinwendung zur Malerei.
1886
Erste Fassung der Selbstbiografie Was mich betrifft; eine spätere Überarbeitung erscheint 1893 unter
dem Titel Von mir über mich.
1891
Wiederaufnahme der freundschaftlichen Verbindung zu Johanna Keßler und ihrer Tochter Nanda.
1898
Busch übersiedelt mit seiner Schwester Fanny zum Neffen Otto Nöldeke nach Mechtshausen am
Harz.
1904
Die Gedichtsammlung Zu guter Letzt erscheint.
1908
Wilhelm Busch stirbt am 9. Januar in Mechtshausen an Herzschwäche. In einer Gedächtnisausstellung
in München ist erstmals sein malerisches Werk zu sehen.

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