Wann:
29. April 2017 ganztägig
2017-04-29T00:00:00+02:00
2017-04-30T00:00:00+02:00
Wo:
Bildungshaus St. Arbogast, Götzis / Vorarlberg


24. – 30. April 2017 (Mo – So) im Bildungshaus St. Arbogast, Götzis / Vorarlberg

Entwürfe für eine gute Zukunft – das Festival für visionäre Ansätze mit Vorträgen, Dialogen, Workshops, Aufstellungen, Morgenmeditation, Pausen und Neuer Musik

In der letzten Aprilwoche wird das Bildungshaus St. Arbogast in Götzis, Vorarlberg wieder zu einem Zentrum zukunftsweisender Ideen, Konzepte und Diskussionen. Unkonventionell vom Charakter und vielfältig von den Themen und Angeboten her gehören die Tage der Utopie zu den erfolgreichsten Bildungsevents im Bodenseeraum. Bereits zum 8. Mal lädt die biennal veranstaltete und mit dem Staatspreis für Erwachsenenbildung ausgezeichnete Tagung über 1.200 Teilnehmende zum regen Austausch in einzigartiger Atmosphäre. Allen Interessierten sei empfohlen, sich möglichst rasch Restkarten für das Festival zu sichern.

Eine Kernidee der Veranstaltungsreihe mit Vorbildwirkung ist das Entwerfen, Präsentieren und Diskutieren gesellschaftspolitischer Perspektiven auf eine wünschenswerte Zukunft hin. In der persönlichen Begegnung mit Expertinnen und Experten aus unterschiedlichsten Bereichen eröffnet sich ein offener Dialog, der durch die spezielle Konzeption der Tagung intensiviert wird. So finden die allabendlichen Vorträge zunächst einen künstlerisch-kreativen Nachhall in den darauf abgestimmten Auftragskompositionen – während an den darauf folgenden Vormittagen die Entwürfe der Vortragenden diskutiert und in professionell begleiteten Kreis-Dialogen oder systemischen Aufstellungen schöpferisch erforscht werden.

Statt auf ein Generalthema wird bei den Tagen der Utopie stets auf ein buntes Mosaik von experimentellen Ansätzen, zukunftsweisenden Konzepten wie auch bereits bewährten, beispielgebenden Innovationen gesetzt. Es gilt, sich alternativen, bis dato ungeahnten, schlicht besseren Möglichkeiten zuzuwenden, wobei der Begriff der Utopie nicht als Rezept, sondern als Haltung, als ein Instrument für Entwicklung und Austausch verstanden wird.

„Die Utopie eröffnet durch ihren Unterschied zum Status quo ein produktives Vokabular für Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Gestaltung. Sie ist weniger das Ziel, als Schwung und Richtung sich aufzumachen. Der Weg entsteht immer beim Gehen. Aber es ist entscheidend, welchen geistigen Landschaften wir uns bewegen. Welche Bilder uns navigieren. Und ob wir uns vereinzelt oder in Gemeinschaft empfinden“, wie die Kuratoren Hans-Joachim Gögl und Josef Kittinger unterstreichen. Wenngleich die Entwürfe in die Zukunft weisen, spiegelt sich unter anderem auch der aktuelle gesellschaftspolitische Zeithorizont im Festivalprogramm, das wieder ein spannendes Themenspektrum aufweist.

Über gutes Leben in einem gelingenden Gemeinwesen

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Eröffnet wird der Vortragsreigen von Jos de Blok, dem Gründer des international Schule machenden mobilen Pflegemodells BUURTZORG, das die medizinisch-soziale Versorgung von Menschen zu Hause revolutionierte – so arbeiten bereits über 10.000 Pflegekräfte autonom und ­in selbstgemanagten Teams für mehr Menschlichkeit und weniger Bürokratie.

Am Dienstag folgt der Vortrag der Schriftstellerin und Integrationsexpertin Jagoda Marinić, die 2012 mit dem Aufbau des vorbildlich partizipatorischen IZ in Heidelberg begann – einem Welcome-Center für Neu-Heidelberger mit integrierter Ausländerbehörde, aber auch mit einem speziellen Kulturprogramm: „Von der Willkommenskultur zur Integrationskultur“.

Am Donnerstagabend referiert Friedrich Glasl, einer der renommiertesten Konfliktforscher und Mediatoren Europas, in Zusammenhang mit der Flüchtlingsintegration über die grundsätzlichen Bedingungen, durch die, auch in den Gastländern, Frieden geschaffen und erhalten werden kann – „Weil nur die Abwesenheit von Krieg allein noch nicht Frieden ist“.

Freitagabend reflektiert dann Verena Ringler, die Leiterin des Bereichs Internationale Verständigung der Stiftung Mercator in Deutschland, über individuelle, politische sowie gesellschaftliche Herausforderungen, um die Handlungsfähigkeit des gemeinsamen Europas zu befördern. Ihr Appell: „Wir sind immer noch jene, auf die wir gewartet haben.“

Abgeschlossen wird die Vortragsreihe am Samstagabend von Hartmut Rosa, der zu den meistdiskutierten Soziologen im europäischen Raum zählt. Sein zuletzt erschienenes Buch „Resonanz: Eine Soziologie der Weltbeziehung“ – so auch der Titel seines Vortrags – wurde 2016 mit dem „Tractatus“, dem Essay-Preis des Philosophicum Lech bedacht.

Utopia in Concert – Festspiel für ein All-Star-Ensemble
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Seit den ersten „Tagen der Utopie“ 2003 werden die präsentierten Zukunftsbilder von Neuer Musik begleitet, was mit zur unverwechselbaren Atmosphäre des Festivals beiträgt. So wurden jedes Mal Musikerinnen und Musiker eingeladen, die gesamte Woche vor Ort zu verbringen und auf die sechs Themenabende mit jeweils zwei eigens dafür komponierten Stücken zu reagieren sowie diese selbst uraufzuführen. Durch dieses besondere »Artist in Residence-Programm« entstanden freundschaftliche Beziehungen zu außergewöhnlichen KlangkünstlerInnen aus aller Welt, wobei es heuer mit Sämtlichen ein Wiedersehen gibt.

Am Mittwoch, den 26. April um 19 Uhr lädt das sich somit formierende All-Star-Ensemble aus rund 15 Jahren „Tage der Utopie“ zu einem Konzert, das zweifellos für ein einzigartiges Klangerlebnis garantieren dürfte. Zu hören sind: der in Paris lebende und aus Vorarlberg stammende, vielseitige Kontrabassist Peter Herbert, der international renommierte, teils in New York, teils in Vorarlberg lebende Jazzpianist Peter Madsen, die gefragte französisch-amerikanische Komponistin und Klarinettistin Carol Robinson, der aus Irland stammende, herausragende Bratschist Garth Knox, die gefeierte Avantgarde-Cellistin Frances-Marie Uitti sowie Pascal Contet, ein wahrer Meister der Improvisation auf dem Akkordeon.

WIRKstätten der Utopie – So kommt das Neue in die Welt
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Wirkung und Strahlkraft der »Tage der Utopie« haben immer wieder zu konkreten Unternehmungen inspiriert. Seit 2013 können Projekte eingereicht und dank Kooperation mit gemeinnützigen Stiftungen von der Vision bis hin zur praktischen Umsetzung mit professionellem Know-how begleitet und unterstützt werden. So entstand unter anderem 2013 das Konzept „Bänklehock – Ein Dorffest das sitzt“, das ausgehend von Nüziders mittlerweile von Gemeinden in ganz Österreich aufgegriffen wurde. Nachdem im Jahr 2015 eine Teilnehmerin die Idee einer »Schule des Lebens« (so der Arbeitstitel) entwickelt hatte, wurden sie und ihr Team von den WIRKstätten bei einer Machbarkeitsstudie unterstützt.

Im Oktober 2016 wurde aus der Schule des Lebens das »Kernjahr«, das derzeit als erste Pilotanwendung in Lochau läuft. Dabei handelt es sich um ein professionell begleitetes Orientierungsjahr für Jugendliche, die noch auf der Suche nach ihrem eigenen Weg sind. Auch 2017 laden die WIRKstätten wieder zum Vorbringen von innovativen Vorhaben und Ideen, die für ihre Umsetzung entsprechende Aufmerksamkeit und Begleitung benötigen. Vorschläge können während der »Tage der Utopie« deponiert und besprochen werden.

Junge Utopie – Mußestunden für Entwicklung
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Ein erklärtes Ziel der „Tage der Utopie“ ist es auch, Jugendliche an der gesellschaftlichen Entwicklung zu beteiligen und ihren Vorschlägen ein Forum der Auseinandersetzung und des aufmerksamen Zuhörens zu bieten. So treffen sich bereits im Vorfeld des Festivals Jugendliche und junge Erwachsene in einem Camp und begeben sich auf eine spannende gemeinsame Reise nach Utopia. Informationen zur Anmeldung finden sich online. Zudem werden unter dem Titel »freigeist – junge initiative arbogast« 20 Gratis-Tickets an junge Leute (16 bis 26 Jahre) für alle Festivalabende und Workshops vergeben. Nach dem Motto „first come, first serve“ empfiehlt sich eine frühe Anmeldung – ebenfalls auf der Website.

Das detaillierte Programm der “Tage der Utopie” 2017 – das neben den Vorträgen auch Dialoge, Workshops und Aufstellungen umfasst – findet sich auf www.tagederutopie.org.

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