Architektur stellt im lange „unbekannten Land der Skipetaren“ eine relativ junge Kulturdisziplin dar. Nach der Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich 1912 wurde das gesamte Staatswesen erst langsam geschaffen. Die bis dahin gültigen traditionellen architektonischen Vorbilder wechselten schlagartig, als im April 1939 italienische Truppen einmarschierten. Trotz der kurzen, mit der Kapitulation 1943 endenden Zeitspanne standen Verwaltung, Städtebau und Architektur vollkommen unter italienischem Einfluss.

Erst ein Jahrzehnt nach dem Krieg wurden Planungs- und Bautätigkeiten unter einem neuen totalitären Regime wieder aufgenommen. Infolge der immer stärkeren Selbstisolation Albaniens durch die kommunistische Diktatur – die auf einen „eigenen Weg“ ohne Steuern und Religion setzte – wurde das Land lange als „Europas letztes Geheimnis“ gehandelt. Im baulichen Kontext bedeutete dies die Übernahme von sowjetischen Vorbildern, gefolgt von Stagnation.

Seit dem Niedergang des kommunistischen Regimes steht die architektonische Entwicklung in Albanien ganz im Zeichen der Transition mit all ihren Erscheinungsformen. Die sehenswerte Ausstellung im Ringturm versammelt eine bemerkenswerte Auswahl an raren architektonischen Artefakten der vergangenen 100 Jahre aus ganz Albanien.

Kurator: Adolph Stiller
In wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe der Polis University in Tirana: Dr. Sotir Dhamo, Prof. Dr. Besnik Aliaj, Dr. Saimir Kristo

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog:

Albanien
Bauen im politischen Kontext der Jahrzehnte
10.10. – 22.11.2019

Montag bis Freitag, von 9 bis 18 Uhr
Feiertags geschlossen
Eintritt frei

www.airt.at

Ausstellungszentrum im Ringturm (Schottenring 30, 1010 Wien)

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