In den letzten Jahren hat sich in China abseits des Mainstreams eine erfrischend unkonventionelle Architekturszene etabliert, deren Vertreter sich durch den sensiblen Umgang mit Raum, Licht und Material ebenso auszeichnen wie durch die Auseinandersetzung mit Kontext und eigener Tradition. Die Ausstellung zeigt die neue Architektur Chinas, die spätestens mit dem Pritzker-Preisträger Wang Shu ins Bewusstsein einer internationalen Fachöffentlichkeit gerückt ist. Eine Kooperationsausstellung mit dem Autor, Herausgeber und Reisenden Christian Schittich.

Vernissage abgesagt: Mittwoch, 18. März 2020, Ausstellung: bis 2. Mai 2020

Noch immer dominieren riesige staatliche Planungsbüros das Baugeschehen im Land, und mit ihren prägen schnell und lieblos hochgezogene Wohn- oder Büroklötze das Bild ganzer Städte. Auch als Beobachter aus Europa verbindet man mit dem aktuellen Bauen in China spektakuläre Bauten, nicht selten von ausländischen Büros entworfene Prestigeprojekte für die Metropolen des Landes – eine Entwicklung, die vor knapp vier Jahrzehnten von dem damaligen Staatspräsidenten Deng Xiaoping als Teil seiner grundlegenden Wirtschaftsreform eingeleitet wurde, in deren Folge sich das Land einem Urbanisierungsprozess ausgesetzt sah, wie er weltweit bisher ohne Beispiel ist.

Im Gegensatz zu diesen Entwicklungen in der Architektur setzen Chinas neue Architekten auf mehr Individualität. Mit ihren meist kleinen Projekten versuchen sie, einen gesellschaftlichen Mehrwert zu generieren, der sich bei der Umsetzung von (oftmals sogar privat initiierten) sozialen Einrichtungen ebenso zeigt wie beim Bauen im Bestand oder gezielten Eingriffen in ländlichen Regionen, die der dramatischen Landflucht entgegenwirken sollen. Deren Vertreter sind oftmals im Westen ausgebildet und dann in ihre Heimat zurückgekehrt, um dort kleine private Büros zu betreiben. Diese neue und experimentierfreudige Generation zeichnet sich durch individuelle Entwürfe und Lösungen aus. Vor allem aber geht es ihren Repräsentanten ganz entscheidend auch darum, die spezifischen Eigenheiten ihres Landes mit einer zeitgemäßen Architektursprache zusammenzubringen. Auf den ganz unterschiedlichen Ebenen knüpfen sie an lokale Traditionen an, ohne dabei auf überlieferte Formen zurückzugreifen.

In der Ausstellung „Chinas neue Architektur – Bauen im Kontext“ sind ausgewählte Beispiele zu entdecken, die die enorme typologische wie gestalterische Bandbreite der Projekte dieser neuen Architektengeneration innehat, vom Kindergarten in den Bergen über die Dorferneuerung nach einem Erdbeben bis zur Umnutzung eines Großsilos zum Kulturraum. Die Beispiele stammen aus dem gleichnamigen Buch von Christian Schittich, das 2019 im Birkhäuser Verlag erschienen ist. Für die Raumgalerie wurden die Projekte mit weiteren teils unveröffentlichten Bildern, Informationen und Videos ergänzt.

CHINAS NEUE ARCHITEKTUR – BAUEN IM KONTEXT
eine Kooperationsausstellung mit Christian Schittich
Vernissage abgesagt: Mittwoch, 18. März 2020, Einlass ab 19 Uhr
Das Raumgeflüster: mit Christian Schittich, Thomas Geuder und dem Publikum
Im Anschluss: Beisammensein und Netzwerken
Anmeldung: erbeten per Facebook
Dauer der Ausstellung: bis 2. Mai 2020
Ort: Die Raumgalerie, Ludwigstraße 73, 70176 Stuttgart
Öffnungszeiten: siehe Seitenleiste oben

Christian Schittich
studierte Architektur an der Technischen Universität München; anschließend einige Jahre Büropraxis und publizistische Tätigkeit; von 1998 bis 2016 Chefredakteur der Zeitschrift DETAIL; Autor und Herausgeber zahlreicher Fachbücher und Fachartikel. Bereist China seit mehr als 30 Jahren regelmäßig und verfolgt in jüngster Zeit fasziniert die Entwicklung einer neuen und eigenständigen Architektur dort.

www.christian-schittich.de

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