Back to Future. Technikvisionen zwischen Fiktion und Realität Museum für Kommunikation Frankfurt vorerst im virtuellen Museum, vom 18. November 2020 - 29. August 2021


Die neue Sonderausstellung Back to Future. Technikvisionen zwischen Fiktion und Realität öffnet am 18. November vorerst im virtuellen Museum. Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie und dem damit einhergehen Beschluss der Bundeskanzlerin und der Regierungschefs der Länder kommt das Museum für Kommunikation seinem Bildungs- und Vermittlungsauftrag im November online nach. Wie schon bei der Ausstellung #neuland. Ich, wir & die Digitalisierung wird die analoge Präsentation der neuen Sonderausstellung Back to Future. Technikvisionen zwischen Fiktion und Realität aufgrund des „Lockdown Light“ bis voraussichtlich 1. Dezember 2020 verschoben. Dafür präsentiert das Museum für Kommunikation im November eine Reihe digitaler Angebote, welche die Ausstellung virtuell erlebbar machen. 

Außerdem erweitert das Museum für Kommunikation die Ausstellung in den virtuellen Raum – gerade in Zeiten der Schließung, vermittelt der Expotizer online spannende Einblicke in die Themenräume der Ausstellung und den dazugehörigen kunst- und kulturhistorischen Kontexten. Mit innovativem Storytelling und einer explorativen Userführung sind die Inhalte unterhaltsam aufbereitet.

So fand die Ausstellungseröffnung am 18. November (19 Uhr) digital statt. Per Livestreaming konnten Besucher*innen zuerst filmisch in die Ausstellung eintauchen, bevor das Kurator*innen-Team von Katja Weber Besucher*innen mit auf eine interaktive Bildreise durch die Ausstellung nahm. Fragen im Livechat waren erwünscht. Moderation hatte Tine Nowak. https://youtu.be/h7EXhSW8OAI

Die Ausstellung

Back to Future ist eine Reise zu den technischen Visionen der Zukunft von gestern, die kreative Vordenker*innen entwickelt haben. In Illustrationen und Romanen, auf Postkarten und in Filmen entwarfen sie Bilder, in denen sich die Hoffnungen, Sehnsüchte, Ängste und Unzufriedenheiten der jeweiligen Zeit ausdrücken. Es sind phantastische Bilder und sehr konkrete Ideen – manche Visionen sind bereits selbstverständlicher Alltag geworden, andere haben auf unterhaltsame Weise am Ziel vorbeigeschossen.
Die Ausstellung präsentiert ebenso euphorische wie kritische Technikvisionen zu Kommunikation und Mobilität und erzählt, auf welchem gesellschaftlichen Nährboden sie entstanden. Vielleicht hilft der Blick in diese historischen Zukünfte besser zu verstehen, welche Ängste und Hoffnungen wir heute in unsere Zukunft projizieren. Denn die prägenden Zukunftstechnologien unserer Gegenwart – Roboter, künstliche Intelligenz und selbstfahrende Autos – entdecken wir zum Teil in visionären Entwürfen vergangener Tage.

Back to Future. Technikvisionen zwischen Fiktion und Realität

Die Themenräume der Ausstellung

In vier Themenräumen Optimierung des Menschen, Grenzenlose Kommunikation, Überwindung von Raum und Zeit und Suche nach einer anderen Welt ist die Ideengeschichte von 16 ausgewählten Technikvisionen zu Kommunikation und Mobilität unterhaltsam präsentiert. Die Themen stehen für sich, weshalb sich Besucher*innen von den Technikvisionen inspirieren lassen können, von denen sie sich angezogen fühlen. Ein Prolog zu utopischem Denken stimmt auf die Ausstellung ein und im Epilog werden persönliche utopische Szenarien interaktiv angeregt. Schließlich bieten internationale künstlerische Positionen einen sinnlichen Zugang und die Möglichkeit zum Spekulieren: Was wäre, wenn…?

Themenraum 1: Optimierung des Menschen

Kann man den Menschen verändern, anpassen oder gar neu erschaffen? Der Wunsch nach Optimierung findet sich schon in alten Erzählungen der Menschheitsgeschichte. Er offenbart sich in lebensrettenden Implantaten, smarten Sinneserweiterungen oder in Versuchen, Unsterblichkeit zu erlangen.

Ihren Ausgang nimmt diese Entwicklung in der Aufklärung: Der Mensch überlässt seine Entwicklung nicht länger einem möglichen Schöpfer, sondern nimmt sie in seine eigene Hand. Seinen Körper betrachtet er nun viel mehr als Maschine, die durch Eingriffe „repariert” werden kann.

Mit passenden „Ersatzteilen” fällt der wesentliche Grund für den Tod, das Versagen von Körperorganen, weg. Wie sich diese technischen Optimierungen auf das Zusammenleben auswirken, erkunden Science-Fiction Autor*innen in ihren Werken. Die Frage nach Unsterblichkeit ist bis heute Gegenstand gesellschaftlicher Debatten.

Themenraum 2: Grenzenlose Kommunikation

Menschen sollten miteinander kommunizieren können – überall und jederzeit. Dieser Wunsch treibt Visionäre im 19. Jahrhundert an und lässt sie von „Visiofonen“ oder „Telefonen in der Westentasche“ träumen. Sie sind inspiriert von der Telegrafie, die im selben Jahrhundert die weltweite Vernetzung beschleunigt und für das Gefühl vom Verschwinden der Ferne sorgt.

Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wird das Telefon in Europa alltäglich und durch die Erfindung des Bild- und Mobiltelefons perfektioniert. Mit der Verbreitung des Internets scheint die letzte Hürde der Verständigung überwunden und das globale Dorf geboren: Utopisten träumen von frei zugänglichen Informationen für alle, ohne Sprachbarrieren, Falschinformationen oder politische Zensur. Ihre Träume sind bis heute aktuell.

Themenraum 3: Suche nach einer anderen Welt

Seit Jahrhunderten erträumen sich die Menschen neue Welten. Als Christoph Kolumbus vor rund 500 Jahren Amerika in den europäischen Blick rückt, verleiht er dem visionären Denken neuen Schub. Für die Menschen eröffnen sich neue Erfahrungshorizonte. Dazu zählen neben den neuen Kontinenten auch die Meere und die Himmelsgestirne.

Die Frage nach anderen Lebensorten verbindet sich mit dem Wunsch nach neuen Gesellschaftsformen. Visionär*innen, Literat*innen und Abenteurer*innen erhoffen sich bessere Zivilisationen. Kritische Denker*innen dagegen befürchten düsteres Leben auf unwirtlichen Planeten oder unter Wasser. Bis heute ist der Traum von einer besseren Gesellschaft in einem neuen Raum ungebrochen: 2034 möchte die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA eine Mondstation bauen, um von dort aus den Mars zu erreichen.

Themenraum 4: Überwindung von Raum und Zeit

Lufttaxi, Zeitmaschine, Personenrohrpost – so und noch erfindungsreicher stellen sich Visionäre die Transportmittel der Zukunft vor. Ein Ziel haben alle kreativen Vordenker und mutigen Erfinder gemeinsam: die Überwindung von Raum und Zeit.

Vor allem im 19. Jahrhundert wetteifern die Tüftler um Geschwindigkeitsrekorde. Sie erfinden unzählige Transportmittel für Wasser, Straße, Tunnel, Gleise und Luft. Nicht selten werden diese auf abenteuerliche Weise miteinander zu sogenannten „Crossover-Utopien“ kombiniert.

Doch entwickeln nicht nur kühne Bastler, sondern auch Science-Fiction Autoren technische Visionen. Texte, Zeichnungen und Technik inspirieren sich so auf unterschiedlichste Weise gegenseitig.

Poetische Umwege

Kunst steht für die Schöpfungskraft des Menschen, der sich mögliche Welten vorstellt. Schon in den ersten bekannten Höhlenmalereien hielten Menschen mit ästhetischen Mitteln ihre Umgebung fest, ordneten die Dinge darin und erfanden sie neu.

Die internationalen künstlerischen Positionen führen in die Themen der Ausstellung ein und geben Ansätze zum Weiterdenken. Als Schlüsselexponate eröffnen sie einen anderen Zugang zu den präsentierten technischen Visionen. Der Schlüssel zum Wechsel der Sichtweise ist der ermächtigte, der wissende und phantasievolle Mensch, also der Besuchende selbst.

Sechs internationale künstlerische Positionen verdichten die Themenräume, bieten aber gleichzeitig mehr Möglichkeitsraum für ein gedankliches Ab-und Umherschweifen, für ein Kokettieren mit Fakt und Fiktion. Die künstlerischen Exponate stehen so den Exponaten der kulturhistorischen Ausstellung gegenüber, reiben sich an ihnen, tragen über diese hinaus aber ein eigenes Mehr an Poesie, Möglichkeit und Innovation bei. Denn Kunst handelt immer vom Menschen – und um dessen Handlungsmacht geht es in dieser Ausstellung.

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