S AM Basel: Napoli Super Modern Schweizerisches Architekturmuseum vom 12. Mai bis 21. August 2022


Das Schweizerische Architekturmuseum zeigt vom 12. Mai bis 21. August 2022 die Ausstellung ‹Napoli Super Modern›. Eine Ausstellung von LAN (Benoit Jallon und Umberto Napolitano) und dem S AM Basel.

Alle scheinen Neapel zu kennen, auch diejenigen, die noch nie dort gewesen sind: ihre Lage, ihre Geräusche, ihre Menschen, ihre Geschmäcker, ihre Informalität und nicht zuletzt die Geschichten, die von der Leidenschaft der Bewohner*innen dieser Stadt geprägt sind. So zahlreich, wie diese Narrative in Literatur, Musik oder Film aufscheinen, überlagern sich auch in der Architektur der Stadt unzählige Geschichten über Epochen, Baustile und Nutzungen. Um nicht verleitet zu werden, sich Stereotypen hinzugeben, braucht es Erzähler*innen, die diese reizvolle Kakofonie entschlüsseln helfen.

Photography by Cyrille Weiner, out of the series Assimilation douce, Napoli, 2020, Hochhaus der Società Cattolica Assicurazioni
 

Diese Aufgabe hat in der Ausstellung ‹Napoli Super Modern› das Pariser Büro LAN (Benoit Jallon und Umberto Napolitano) übernommen. In der gleichnamigen Recherche lenken sie und der Fotograf Cyrille Weiner den Blick auf eine Serie von modernen Gebäuden, die im heterogenen urbanen Kontext Neapels häufig übersehen werden. Projekte aus dem Zeitraum 1930–1960, einer Epoche, die zwar geprägt ist von Faschismus und dem Wiederaufbau der Nachkriegszeit, aber gerade in Neapel auch eine stark auf den Kontext reagierende Form der Moderne hervorgebracht hat.

Ergänzend werden die Stadt, ihre Bewohner*innen und deren Zusammenleben durch dokumentarische und filmische Erzählungen porträtiert. Die Filmemacher*innen Bêka & Lemoine halten einen Spaziergang vom Lungomare durch die steilen Gassen bis auf den Vesuv fest. Die von Salvatore Aprea und Barbara Tirone kuratierte ausstellungsbegleitende Filmreihe im Stadtkino Basel (1. Mai bis 20. Juni 2022) fokussiert auf die Wahrnehmung Neapels von innen. Sie stellt die Menschen, die Neapel ausmachen, in den Mittelpunkt und vermittelt die Stadt durch die Augen und Gefühle der Protagonisten.

‹Napoli Super Modern› ist kuratiert von LAN (Benoit Jallon und Umberto Napolitano) und von Andreas Kofler, S AM Schweizerisches Architekturmuseum. Die Ausstellung steht unter dem Patronat des Italienischen Konsulats in Basel und wird vom Italienischen Kulturinstitut in Zürich unterstützt.

Was zeigt die Ausstellung?

Ausgehend von der Recherchearbeit die das Büro LAN zu ‹Napoli Super Modern› (Park Books, 2020) geführt hat, werden die Erkenntnisse der Publikation aufgearbeitet mit der Absicht, die architektonischen und städtebaulichen Aspekte der Metropole Napoli einem breiten Publikum zu vermitteln. Ergänzt werden sie durch bildhafte und publikumsnahe Medien. Im Zentrum stehen dabei nicht nur die reichhaltigen Illustrationen des Pariser Architekturbüros LAN, sondern auch die analytische Bildserie die der Fotograf Cyrille Weiner erstellt hat. Das S AM vertraut seine Besucher*innen diesen besonderen ‹Stadtführer*innen› an. Die von LAN ausgesuchten Projekte sind nicht nur solche, die das Büro beeinflusst haben, sondern auch Gebäude, die man bei einem Neapelbesuch leicht übersehen könnte.

Die Ausstellung wird in Raum 1 mit einer Einführung in die Geschichte der Stadt von 1930-1960 eingeleitet, um den gesellschaftlichen und ökonomischen Kontext dieser Zeitepoche zu vermittelt. Vis-à-vis davon hebt eine große Karte die Bautätigkeit dieser Epoche im größeren Kontext Neapels hervor. Einen wichtigen Part im ersten Raum der Ausstellung nimmt zudem der italienische Film ‹Le mani sulla città› (Hände über der Stadt) von Francesco Rosi aus dem Jahr 1963 ein. Der im S AM gezeigte Ausschnitt denunziert die politische Korruption und die Immobilienspekulation im Neapel der Nachkriegszeit.

In den darauffolgenden Räumen 2-3 werden die ausgesuchten Projekte aus den Jahren 1930 bis 1960 gezeigt, die LAN analysiert und in ihrer Studie in Form eines Gebäudeatlasses aufgearbeitet haben. «Allen diesen Werken gemein ist der Wunsch, sich vor allem auf die Stadt zu beziehen und dabei den Begriff des Kontexts nicht mehr als unbewegliche Kulisse für die Handlung der Architektur zu formulieren, sondern vielmehr als Neufassung derjenigen Elemente zu verstehen, die sie auszeichnen», erklärt Umberto Napolitano von LAN.

Die Ausstellung ordnet diese Projekte fünf thematischen Gruppen zu – das Fortbestehen der Stadt bezüglich Form, Sprache, Begrenzung, Funktion, Natur. Durch diesen Schlüssel werden wichtige Aspekte und gemeinsamen Nenner der ausgewählten Projekte vermittelt.

*Fischmarkt, 1929–1935, Luigi Cosenza *Stazione Marittima (Schiffsterminal), 1933–1936, Cesare Bazzani *Postgebäude, 1933–1936, Giuseppe Vaccaro, Gino Franzi
*Sitz des Istituto Nazionale Assicurazioni, 1935–1937, Marcello Canino
*Sitz der Uffici Finanziari e Avvocatura di Stato, 1935–1937, Marcello Canino
*Teatro Mediterraneo, 1939-40, Luigi Piccinato
*Station Fuorigrotta der Cumana Eisenbahnlinie, 1939–1940, Frediano Frediani
*Cubo d’Oro, 1940, Mario Zanetti, Luigi Racheli, Paolo Zella Milillo
*Sozialwohnungen in Rione Cesare Battisti, 1946–1947, Luigi Cosenza, Carlo Coen, Francesco della Sala
*Clinica Mediterranea, 1940–1952, Sirio Giametta
*Büro- und Wohngebäude in Ponte di Tappia, 1949–1963, Raffaello Salvatori
*Eckgebäude an der Piazza Municipio, 1950 – 1953, Marcello Canino
*Hochhaus der Società Cattolica Assicurazioni, 1956–1958, Stefania Filo Speziale, Carlo Chiurazzi, Giorgio Di Simone *Bürogebäude der Suditalia, heute Sitz der INPS, 1957–1959, Renato Avolio De Martino
*Wohngebäude in der Riviera di Chiaia 206, 1954–1960, Amedeo d’Albora, Lorenzo d’Albora
*Palazzo Della Morte, 1954–1960, Stefania Filo Speziale, Carlo Chiurazzi, Giorgio Di Simone

Die Szenografie unterteilt diesen Bereich der Ausstellung in Räume. Dies nicht durch statische Wände, sondern durch das Einziehen von textilen Elementen. So entsteht eine ‹enfilade›, die den Gang durch die Ausstellung, ähnlich wie in einem neapolitanischen Palazzo, gliedert. Durch ihre Leichtigkeit sind diese Vorhänge ständig leicht in Bewegung, was auf die mediterane Stimmung in Neapel anspielt. Vollflächige Drucke auf den Vorderseiten der Textilien zeigen den Kontext der Gebäude und somit eine Serie von Stadtbildern, die uns wie bei einem Besuch der realen Stadt in Empfang nehmen. Innerhalb dieser Räume liegt der Fokus auf einem Zusammenspiel aus Illustration und der Fotografie von Cyrille Weiner. Die Ausstellung experimentiert zudem mit Architekturmodellen: diese bilden nicht als freistehende Objekte ihr Original gesamthaft nach, sondern geben die Fassaden der einzelnen Gebäude plastisch als eine Art Relief wieder.

Diese Sequenz an Stadträumen verdichtet sich zunehmend – unter anderem auch akustisch – und führt die Besucher*innen schließlich in die Mitte einer urbanen Kakofonie in Raum 4. Dort leitet der 50-minütige Film ‹Homo Urbanus Neapolitanus› des französischen Duos Bêka & Lemoine den Betrachtenden von der Strandpromenade über die engen Gassen der Altstadt bis auf den Vesuv und vermittelt somit den intensiv gelebten öffentlichen Raum zwischen der in der Ausstellung präsentierten Architektur und ihrer unerwarteten Nutzung.

Die eindrucksreichen Stadtportraits in diesem Film ermöglichen es den Besuchenden auf ihrem Rückweg die Projekte und Themen der Ausstellung aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen.

‹NAPOLI SUPER MODERN› BEGLEITPROGRAMM UND VERMITTLUNG
Das S AM legt besonderen Wert auf die Vermittlung von Ausstellungsinhalten durch Veranstaltungen und möchte den thematischen Diskurs auch mit der breiten Öffentlichkeit anregen.

Begleitprogramm
1.5.–20.6.2022:
Ausstellungsbegleitende Filmreihe ‹Napoletani› im Stadtkino Basel Kuratiert von Salvatore Aprea und Barbara Tirone ‹Napoli Super Modern› wird von ‹Napoletani›, einem Filmprogramm im Stadtkino Basel (1. Mai bis 20. Juni 2022), begleitet. Die von Salvatore Aprea (École polytechnique fédérale de Lausanne) und Barbara Tirone (Maison de l‘Architecture de Genève) kuratierte Auswahl konzentriert sich auf die Wahrnehmung Neapels von innen und vermittelt die Stadt durch die Augen und Gefühle ihrer Protagonist*innen. weitere Informationen: www.stadtkinobasel.ch

11.5.2022, 18–20 Uhr:
Public Preview mit LAN, Cyrille Weiner und Bêka & Lemoine

11.5.2022, 20 Uhr:
Öffentliche Vernissage mit Grußworten von Andreas Ruby, S AM; Andreas Kofler, S AM; Pietro Maria Paolucci, Italienischer Konsul in Basel; Umberto Napolitano, LAN und weiteren Gästen. Preview und Vernissage der Ausstellung ‹Napoli Super Modern› sind offizielle Programmteile der Architekturwoche Basel (AWB) 2022. Mit freundlicher Unterstützung der neapolitanischen Pizzeria DIO/MIO.

12.5. (D), 23.6. (E), 7.7. (I), 4.8. (F) 18.8.2022 (D), 18 Uhr:
Führungen durch die Ausstellung

18.5.2022, 16.15–17.45 Uhr:
Einführung für Lehrpersonen in die Ausstellung ‹Napoli Super Modern› Anmeldung: education@sam-basel.org

20.5.2022, 18–2 Uhr:
Museumsnacht: ‹Napoli Super Modern› Das S AM Schweizerisches Architekturmuseum ist auch dieses Jahr wieder Teil der Museumsnacht Basel. Die Museumsnacht Basel 2022 ist eine Veranstaltung der Museen Basel und der Abteilung Kultur Basel-Stadt. Am 20. Mai bieten zahlreiche Museen und Kulturinstitutionen von 18 bis 2 Uhr ein reichhaltiges Programm.

Das S AM lädt ins ‹super moderne› Neapel ein: Neben Kuratorenführungen und einer Druckwerkstatt, verwandeln die Videos des Regisseurs Francesco Lettieri zu den Klängen des Musikers LIBERATO das Museum in den angesagtesten Club der Hafenstadt. Courtesy of the artist and Agenzia Pietrosanti. Die EPF Lausanne ermöglicht als Projektpartner das Zeigen der Videos.

12.6.2022, 15–16 Uhr: Familienführung ‹Eine Reise nach Napoli›

30.6.2022 (E), 19 Uhr: Vortrag mit Umberto Napolitano (LAN, Paris): ‹A Vademecum Of ‘City Making’› In Zusammenarbeit mit Urban Studies, Universität Basel Ort: Alte Universität, Rheinsprung 9, Basel

4.7.2022 (E), 18 Uhr:
‹Modern Otherwise› Gesprächsrunde mit Fabio Don und Marco Zelli des F.A.T. (Forum for Architecture Theory) und der Architektin Elli Mosayebi

6.7. & 20.7.2022, 9–17 Uhr:
Sommerferientag für Kinder ‹Feriengrüsse aus dem S AM – von Basel nach Napoli und zurück!› Kosten: CHF 50 pro Kind/Tag, Anmeldung: Basler Ferienpass

12.8.2022, 10-12 Uhr: Mittwoch-Matinée im S AM, Eintritt: CHF 10.-, red. CHF 5.-

21.8.2022, 15 Uhr: Tandem-Führung: ‹Kultur unter einem Dach› im S AM & Kunsthalle Basel

Vermittlung Schulen
Angebote für Kindergärten, Schulen, Hochschulen, Universitäten und Tagesstrukturen
Stufengerechte dialogische Führungen und Workshops im Museum
Führungen: 60 Min. / Workshops: 90 – 120 Min.
Zeiten: Mo-Fr: 8-12/14-16 Uhr, Angebote können außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten gebucht werden und ermöglichen das einzigartige Erlebnis, allein im Museum zu sein
Kosten:
Führungen: CHF 150.-;
Workshops: CHF 180.-
Kosten für Schulen BL/BS: gratis Touren ZU FUSS oder BY BIKE:
Entdeckungen im Außenraum
Kosten: CHF 180.-
Kosten für Schulen
BL/BS: gratis

Siehe auch: Napoli Super Modern mit Texten und Bildern – DAM Architectural Book Award 2021

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