12. Wiesbadener Fototage – Festival für Fotokunst und Dokumentarfotografie 13. bis 28. August 2022


Das Kunsthaus ist Treff- und Anziehungspunkt für Künstlerinnen und Künstler wie Kunstinteressierte. Seit 1863 thront das palaisartige Gebäude auf dem Wiesbadener Schulberg und wurde 2011 um eine große Kunsthalle erweitert, in der jährlich fünf bis acht Ausstellungen und ein facettenreiches Veranstaltungsprogramm präsentiert werden. Elf Künstlerinnen und Künstler werden hier präsentiert. Matthew Abbotts Serie »Black Summer« zeigt die Buschfeuer, die 2019 und 2020 in Australien wüteten. Ähnlich packend und spektakulär ist die Bildsprache Gabriele Galimbertis, dessen Werkgruppe »The Ameriguns« US-amerikanische Waffenfetischisten aufwendig inszeniert. Wo Waffen sind, ist der Krieg nicht weit: Florian Bachmeiers Fotografien aus der Ukraine bringen ihn direkt ins Bild. Seit Jahren fotografiert er das Leben der Menschen in der Ukraine, bis in die grausame Gegenwart. Krieg ist auch das Thema von Rafael Heygster: Die Arbeit »I died 22 times« hinterfrag den Umgang mit »Krieg« außerhalb realer Schlachtfelder, rückt Waffenmessen und Kriegsspiele in den Fokus – und stellt die Frage: »Wo fängt Krieg an?« Elias Holzknechts Thema ist die beunruhigende Kommerzialisierung der Alpentäler als Skidestinationen, die lokalen Ökosysteme. David Klammers Werk »The Line« widmet sich als abstrakte Spurensuche den katastrophalen Geschehnissen des Jahrhunderthochwassers im Ahrtal. Die Arbeit »Ein Mann, die Insel und eine Fliege im Raum« von janKB beschreibt die Flucht eines Menschen aus dem sozialen Leben, während Florian Ruiz Bildüberlagerungen eines radioaktiv verseuchten ehemaligen Salzsees in China das Thema des Krieges mit dem der Umweltverschmutzung verbindet. Ebenso unbehaglich wirken Simone Tramontes Bilder seiner Serie »Net-Zero Transition«, der uns nachhaltige Projekte, aber auch eine technoid-neue Welt der Agrarwirtschaft vor Augen führt. Marc-Oliver Schulz’ »Wassermasken« stellt eine große Frage des fotografischen Mediums: Können wir unseren Augen trauen? Wie durch einen Zerrspiegel ist die Abwandlung ein und derselben Person zu verfolgen. Und auch Zhou HanShun rückt den beunruhigten, verlorenen Menschen in den Fokus seiner Mehrfachbelichtungen:

 

»Die Menschen gehen in einem kompromisslosen, chaotischen Tempo durchs Leben, überwinden und absorbieren alles, was sich ihnen in den Weg stellt.«

Künstlerinnen und Künstler: Matthew Abbott, Sydney; Florian Bachmeier, Schliersee; Gabriele Galimberti, Mailand; Rafael Heygster, Hannover; Elias Holzknecht, Längenfeld; JanKB, Groß-Wittensee; David Klammer, Köln; Florian Ruiz, Tokio; Simone Tramonte, Rom; Marc-Oliver Schulz, Hamburg; Zhou HsnShun, Singapur

Kunstverein Bellevue-Saal Boris Eldagsen/Tomasz Lazar, aus der Serie Black Mirror, Foto © Boris Eldagsen/ Tomasz Lazal

KUNSTVEREIN BELLEVUE-SAAL

Der Bellevue-Saal – ehemaliger Speisesaal des Kurhotels Bellevue – in der Wilhelmstraße ist ein Ort für zeitgenössische Kunst. Seit 1993 bespielt der Verein zur Förderung künstlerischer Projekte mit gesellschaftlicher Relevanz den Ausstellungsort und organisiert die Auswahl der Gastkünstlerinnen und -künstler. Was löst Angst aus? Fragen Boris Eldagsen und Tomasz Lazar mit ihrer Arbeit »Black Mirror« und zielen dabei direkt auf das Unterbewusstsein des Betrachters. Angst ist auch ein Thema der Serie »not just one…« von Dominik Gigler, die sich aktuellen Krisen und Katastrophen, Unwegsamkeiten und Grausamkeiten widmet, darunter etwa die Nuklear-Katastrophe von Fukushima. Uschi Groos Wettbewerbsbeitrag »Mind The Gap« setzt sich mit dem Kontinentaldrift auseinander, nämlich jenen 1,7 Zentimeter pro Jahr, um die sich die amerikanische und die eurasische Kontinentalplatte voneinander entfernen. Selbst der Boden, auf dem wir stehen, ist nicht statisch und sicher, sagt Groos, während Pang Hai von den Unsicherheiten des Lebens in China berichtet. Um einen Selbstmord geht es in seiner Serie, um die Einsamkeit in der Stadt, um Anonymität, Entfremdung und Unordnung. Die Überwachung, die Auflösung menschlicher Existenz im digitalen Wandel macht Dennis Henning zu seinem Thema, was auch Bärbel Möllmanns Werk berührt, die in ihrer Arbeit das Miteinander von digitaler und analoger Welt beschreibt. »Die Zukunft ist keine Verlängerung der Gegenwart« heißt die ausgestellte Werkgruppe, die mit der Camera obscura entstanden ist.

Künstlerinnen und Künstler: Boris Eldagsen & Tomasz Lazar, Berlin/Warschau; Dominik Gigler, Gräfelfing; Uschi Groos, Hohenahr; Pang Hai, Beijing; Dennis Henning, Hanburg; Bärbel Möllmann, Düsseldorf

RUBRECHT CONTEMPORARY

Die Galerie von Leander Rubrecht in der Büdingenstraße zeigt seit 2016 immer wieder neue Werkgruppen der vertretenen Künstler und setzt sie mit kuratierten Gruppenausstellungen in einen erweiterten Kontext. In Verbindung mit befreundeten Galeristen, Kuratoren und Ausstellungshäusern wird das Galerieprogramm mit aktuellen Positionen und gemeinsamen, spannenden Projektideen ergänzt. Im Rahmen der Fototage werden zwei Positionen gezeigt. Die Serie »Niewybuch« von Natalia Kepesz nähert sich der Welt militärischer Camps und Uniformklassen, die in Polen in den letzten Jahren immer beliebter werden. Während hier Gehorsam und Patriotismus indoktriniert und Krieg geübt wird, ist er in den Schwarzweißfotografien von Andreas Rost Wirklichkeit. Seine 2007 in Kabul entstandene, vielfach gezeigte und prämierte Serie ist noch heute von dringlicher Aktualität, denn die Sicherheitslage und auch die humanitäre Lage haben sich nach Ende des Nato-Einsatzes drastisch verschlechtert. Künstlerinnen und Künstler: Natalia Kepesz, Berlin; Andreas Rost, Berlin

sam – STADTMUSEUMAM MARKT

Im 1900 erbauten Marktkeller hat das sam – Stadtmuseum am Markt seine Heimat gefunden. Auf rund 1.300 Quadratmetern kann man hier die Geschichte der hessischen Landeshauptstadt entdecken. Die stadtgeschichtliche Ausstellung verschafft einen Überblick über die Geschichte Wiesbadens von der Vor- und Frühgeschichte bis zur Gegenwart. Wertvollster Schatz ist die Sammlung Nassauischer Altertümer. Während der Wiesbadener Fototage sind hier sechs fotografische Positionen zu sehen. Die Arbeiten von Eckart Bartnik beschäftigen sich auf ungewöhnliche Weise mit der Katastrophe im Ahrtal: Er zeigt vom Fluss zurückgelassene, bizarre Skulpturen aus Treibgut sowie weitere Gebilde aus zusammengesammeltem Müll und Schrott. Jeoffrey Guillemards Bilder von der Grenze zwischen den USA und Mexiko geben einen profunden Eindruck vom Leid, aber auch von den Hoffnungen entlang einer Migrationsroute, die sich von Tag zu Tag ändert. Hannes Jungs Arbeit hat die Rückkehr des Wolfs in Deutschland zum Thema. Eine Rückkehr, die viele Menschen als Bedrohung wahrnehmen. In gewisser Weise werden hier ähnliche Fragen diskutiert wie bei anderen Arbeiten zum Thema Flucht, Einwanderung und Emigration: Wer soll fernbleiben? Und wer entscheidet darüber? Den Schwarzwald als unheimlich-beunruhigende, archetypisch deutsche Landschaft beleuchtet Jeannette Petri in ihrer Serie. Und schließlich: Uta Schmitz-Essers Bilder aus dem rheinischen Braunkohlerevier zeigen unter anderem Situationen des politischen Kampfes, während Anne Werners Fotoserie »Was Bleibt« eine poetisch-subjektive Annäherung an die Geschichte des Uran-Bergbaus der DDR und seiner Folgen ist.

Künstlerinnen und Künstler: Eckart Bartnik, Wiesbaden; Jeoffrey Guillemard, Mexiko-Stadt; Hannes Wolf, Berlin; Jennifer Petri, Freiburg; Uta Schmitz-Esser, Köln; Anne Werner, Auerbach

frauen museum wiesbaden Seb Agnew, Noodles, aus der Serie Synkope, Foto © Seb Agnew

SONDERAUSSTELLUNGEN

INTERNATIONALE FOTOBUCHAUSSTELLUNG – KASSEL DUMMY AWARD 2022

In Zusammenarbeit mit dem Fotobook Festival Kassel werden im Foyer des Kunsthaus Wiesbaden die 52 besten eingereichten Fotobücher des Kassel Dummy Award 2022 präsentiert. Der Kassel Dummy Award ist ein international ausgeschriebener Wettbewerb, bei dem Fotografinnen und Fotografinnen noch nicht publizierte Fotobuchentwürfe einreichen können. 2022 worden insgesamt 226 Bücher aus 32 Ländern eingereicht.

Zeitraum: 14.08. bis 28.08.2022
Ort: Kunsthaus Wiesbaden, Schulberg 10, 65183 Wiesbaden

OPEN-AIR-AUSSTELLUNG IM SCHLOSSGARTEN BIEBRICH

Ein hochsommerlicher Appetizer, der Lust auf mehr macht! Das Quartiersmanagement Biebrich-Mitte und die Wiesbadener Fototage präsentieren am Südwestflügel des Biebricher Schlosses auf großformatigen Planen ausgewählte Motive aus den sechs Hauptausstellungen des Fotofestivals. Idee ist es, das Festival und die Kunst von der Innenstadt auch nach Biebrich zu bringen – eine überraschende Erweiterung in den Stadtraum vor der wunderbaren Kulisse des Barockschlosses. Zwei Veranstaltungen werden den Kunstgenuss unter freiem Himmel begleiten.

Eröffnung: 03.08. um 18 Uhr
Zeitraum: 03.08. bis 28.08.2022
Ort: Schloss Biebrich, Rheingaustraße 140, 65203 Wiesbaden

JUNGE FOTOGRAFIE IM NEUEN RATHAUS WIESBADEN

»Wie können persönliche Assoziationen zum Thema Unruhe fotografisch in Szene gesetzt werden?« war eine Frage, die sich neun junge Erwachsene zwischen 16 und 22 Jahren aus Wiesbaden gestellt haben. Dieser »Realitätscheck der eigenen Idee war Ansporn, sich an der Sonderausstellung zu beteiligen. Eine weitere Motivation war das eigenständige, vor allem aber auch freiwillige Arbeiten vom Konzept bis zur Umsetzung, ohne (schulischen) Konkurrenzdruck als Ausstellungsgemeinschaft, mit viel Spaß sowie konkreter Unterstützung und Hilfestellung bei Bedarf. Michaela Höllriegel aus dem Team der Wiesbadener Fototage und zugleich Initiatorin der Projektidee, der Wiesbadener Fotograf Paul Müller und das ATELIER Römerberg haben das Projekt als Fotografie-Mentoren unterstützt. Beteiligte: Luke Grimmer, Cora Koch, Christina Kossiwakis, Pauline Krämer, Esther Mkalin, Milena Sadykov, Sören Schepp, Rickie-Tom Schünemann und Rosalie Schneiberg.

Eröffnung: 11.08.2022 um 18.30 Uhr
Zeitraum: bis 25.08.2022
Ort: Neues Rathaus Wiesbaden, Schlossplatz 6, 5183 Wiesbaden

DATEN & FAKTEN
12. Wiesbadener Fototage – Unruhige Zeiten
Laufzeit: 13. bis 28. August 2022
Eröffnung: Sa, 13. März 2022, 19 Uhr im Kunsthaus Wiesbaden
Leitung: Jürgen Strasser
Beteiligung: 37 internationale und nationale Künstlerinnen und Künstler

FREIER EINTRITT

Die Wiesbadener Fototage wollen den Besuch so niedrigschwellig wie möglich halten.
Deshalb ist der Eintritt in die Ausstellungen und Veranstaltungen frei.

ÖFFNUNGSZEITEN

Die Kernöffnungszeiten aller teilnehmenden Ausstellungshäuser sind Freitag bis Sonntag
von 11 bis 17 Uhr. Weitere Öffnungszeiten finden Sie unter www.wifo2022.de/festival/besuch

KATALOG

Begleitend erscheint ein Katalog mit Bildern und Texten zu allen künstlerischen Positionen der
12. Wiesbadener Fototage. Er ist für 15 Euro während des Festivalzeitraums in den beteiligten
Aussstellungshäusern und über den Veranstalter (in diesem Fall zzgl. Versandkosten) erhältlich.

PROGRAMMHÖHEPUNKTE

Details und weitere Veranstaltungen des Begleitprogramms unter
www.wifo2022.de/festival/programm
Eröffnungsfeier und Verleihung »Preis der Jury«
Sa 13.08.2022, 19 Uhr im Kunsthaus Wiesbaden, Schulberg 10
Rundgang »Walk&Talk :Fotografie«
So, 14.08.2022 ab 11.15 Uhr, Start: frauen museum wiesbaden, Wörthstraße 5
Verleihung Otto-Steinert-Preis 2022 der DGPh
Sa, 20.08.2022, 19 Uhr, Kunsthaus Wiesbaden, Schulberg 10
Finissage und Verleihung »Publikumspreis«
So, 28.08.2022, 16 Uhr, Ort wird kurzfristig bekannt gegeben

12. Wiesbadener Fototage
Festival für Fotokunst und Dokumentarfotografie
13. bis 28. August 2022
Wiesbadener Fototage gemeinnützige UG I Niederwaldstraße 18 I D-65187 Wiesbaden
+49 (0) 177 5 61 33 65 I info@wiesbadener-fototage.de I www.wiesbadener-fototage.de

BEGLEITPROGRAMM

Reihe »Fotografie im Film«
Im Vorfeld der Wiesbadener Fototage präsentiert unser Projektpartner Caligari FilmBühne vom 1. bis 24. Juli 200 Filme zum Thema Fotografie:
Die Bilderkriegerin – Anja Niedringhaus (Fr 01.07. und So 03.07.2022)
Schönheit und Vergänglichkeit (Sa 09.07.2022)
Daido Moriyama – The past is always new, the future is always nostalgic (So 10.07. und Mi 20.07.2022)
An impossible project (Do 14.07. und So, 17.07.2022)
Dear Memories – Eine Reise mit dem Magnum-Fotografen Thomas Höpker (Do 21.07. und So 24.07.2022)

Sonntag, 14.08.2022, 11.15 bis 17.00 Uhr
Rundgang »WALK& TALK:FOTOGRAFIE«. Gespräche und Diskussionen mit beteiligten
Fotografinnen und Fotografen
11.15 Uhr frauen museum wiesbaden
12.30 Uhr Kunsthaus Wiesbaden
13.45 Uhr Rubrecht Contemporary
14.30 Uhr Aktives Museum Spiegelgasse
15.15 Uhr sam – stadtmuseum am Markt
16.15 Uhr Kunstverein Bellevue-Saal

Donnerstag, 18.08.2022, 19 Uhr
Vortrag » NEW STRATEGIES. Fotobuch-Kultur im Umbruch«
Markus Schaden, PhotobookMuseum Köln
Kunsthaus Wiesbaden, Schulberg 10

Freitag, 19.08.2022, 19.30 Uhr

TALK & SEE : VIDEOKUNST
Mario von Kelterborn zeigt internationale Videokunst aus der Kunstsammlung Kelterborn, Frankfurt
Rubrecht Contemporary I Büdingenstraße 4-6

Samstag, 20.08.2022, 19 Uhr
Verleihung »Otto-Steinert-Preis 2022« der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh)
Die Preisträger Magnus Terhorst und DOCKS Collective stellen ihre ausgezeichneten Arbeiten vor
Kunsthaus Wiesbaden, Schulberg 10

Sonntag, 21.08.2022, 15 Uhr
»Genauer betrachtet« – Führung mit Michaela Höllriegel, Wiesbadener Fototage
frauen museum wiesbaden, Wörthstraße 5

Dienstag, 23.08.2022, 16 Uhr
»Genauer betrachtet« – Führung mit Michaela Höllriegel, Wiesbadener Fototage
sam- Stadtmuseum am Markt, Marktplatz 3

Mittwoch, 24.08.2022, 19 Uhr
Vortrag »Was ist Fotografie?« von Dr. Christina Leber, DZ BANK Kunststiftung
frauen museum wiesbaden, Wörthstraße 5

Donnerstag, 25.08.2022, 19 Uhr
Vortrag »Unruhige Zeiten – Prekäre Bilder ?« von Dr. Felix Koltermann, Hochschule Hannover
sam – stadtmuseum am Markt, Marktplatz 3

Samstag, 27.08.2022,
15 Uhr: »Genauer betrachtet« – Führung mit Michaela Höllriegel, Wiesbadener Fototage
Kunsthaus Wesbaden, Schulberg 10
16.30 Uhr: »Genauer betrachtet« – Führung mit Michaela Höllriegel, Wiesbadener Fototage
Kunstverein Bellevue-Saal, Wilhelmstraße 32

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