Bis Mittwoch, 28. Januar, jeweils 18 Uhr
Hospitalhof, Stuttgart,
Vortragsreihe
Resonanzraum Rilke. Ringvorlesung zum 150. Geburtstag Rainer Maria Rilkes
Programm:
www.hospitalhof.de/programm/t
Vor der Hochzeit am 27. April schickt Rainer Maria Rilke seiner künftigen Ehefrau Clara Westhoff in einem Brief vom 7. März 1901 einen Olivenzweig.
Samstag, 17. Januar, 19 Uhr
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Zeitkapseln aus dem Deutschen Literaturarchiv
19 Uhr: Friedensverhandlungen. Symbolische Pflanzengaben | Nach einer größeren Auseinandersetzung über die gemeinsame Zukunft legte Rainer Maria Rilke einem Schreiben an seine künftige Frau Clara Westhoff nicht nur symbolisch den Olivenzweig bei, sondern auch konkret, als getrocknete Pflanze. Im privaten Nachlass Rilkes finden sich neben Manuskripten, Briefen, Notizbüchern, Zeichnungen und Fotos über 300 getrocknete Pflanzen. Rilkes Auseinandersetzung mit der Welt der Pflanzen zeigt ihn als Gärtner im doppelten Sinne: als botanisierenden Autor und als tatsächlichen Gärtner. Anna Kinder (DLA) und Peer Trilcke (Universität Potsdam) geben Einblicke in Rilkes Pflanzenkosmos.
20 Uhr: Zeichnen als unterdrückte Ausdrucksform Rilkes | Sein Gespür für Bilder und Kunst verdankt Rainer Maria Rilke nicht zuletzt der Tatsache, dass er von Kind auf selbst gezeichnet hat. Den Zeitgenossen, aber auch der Nachwelt blieb dieser Teil seines Schaffens bis heute fast vollständig verborgen. Ein opulent ausgestatteter Band in der Anderen Bibliothek mit mehr als 150 Abbildungen, entstanden in Kooperation mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach, präsentiert erstmals dieses unbekannte Œuvre Rilkes. Darüber sprechen Mirko Nottscheid (DLA) und Peer Trilcke (Universität Potsdam).
21 Uhr: Friedrich Schiller. Zwischen Aufstand und Anpassung. Die neue Dauerausstellung ›Schiller!‹ im Schiller-Nationalmuseum | Schiller versteht sich als Weltbürger und macht in seinen Dramen und historischen Schriften immer wieder europäische Geschichte zum Thema. Bis heute gilt er als Dichter der Freiheit und Rebellion, seine Verse wurden zu geflügelten Worten. ›Schiller!‹ nimmt mit rund 400 Exponaten – Manuskripten, Briefen und Büchern, Bildern und Skulpturen – die politische Dimension von Schillers Werk in den Fokus und zeigt den Autor zugleich im Kontext anderer Autorinnen und Autoren des 18. und 19. Jahrhunderts. Alexa Hennemann (DLA) stellt die Ausstellung im Gespräch mit Vera Hildenbrandt (Leiterin der Museen des DLA) vor.
Montag, 19. Januar, 19 Uhr
Stadtbücherei Fellbach, Berliner Platz 5
»Lou, liebe Lou!« Rainer Maria Rilke und Lou Andreas-Salomé. Eine Lebensbeziehung
Mit Gunilla Eschenbach (DLA, Vortrag) und Birgitta Assheuer (Lesung)
Rilke studiert in München, als er Lou Andreas-Salomé im Mai 1897 durch Zufall kennenlernt und sich Hals über Kopf in die Tochter aus großbürgerlicher russischer Familie verliebt, ja ihr eine geradezu religiös gefärbte Verehrung entgegenbringt. Die damals 36-jährige Schriftstellerin zieht in jener Zeit durch ihre intellektuelle Strahlkraft und Selbstständigkeit bedeutende Wissenschaftler und Gelehrte an. Nietzsches Heiratsantrag hatte sie abgewiesen; sie heiratete stattdessen den Orientalisten Friedrich Andreas, ohne diese Ehe im bürgerlichen Sinn als verbindlich anzusehen. Auch dem jungen Rilke gibt sie nach der zweiten gemeinsamen Russlandreise den Laufpass, führt jedoch den brieflichen Gedankenaustausch fort. Die zunächst leidenschaftliche Beziehung mündet in eine lebenslange vertrauensvolle Freundschaft auf Augenhöhe, die für beide unschätzbaren Wert besitzt. Lou entwickelt, von Rilke ausgehend, ihr Konzept einer psychoanalytischen Kreativitätstheorie. Rilke verdankt ihr nicht weniger als den Durchbruch als moderner Lyriker. Der Abend eröffnet Einblicke in eine außergewöhnliche Liebesbeziehung und Künstlerfreundschaft, u.a. mit ausgewählten Briefen und Gedichten.
Eintritt 10 €, ermäßigt 8 €, Vorverkauf
i-Punkt Fellbach, 0711/580058
Auftakt der Reihe ›Beziehungskunst. Künstlerfreundschaften in Literatur, Musik, Kunst‹ der Kulturgemeinschaft Fellbach.
kulturgemeinschaft-fellbach
Dienstag, 20. Januar, 19 Uhr
Archivgebäude, Humboldt-Saal
Literaturgeschichte aus erster Hand. Michael Krüger liest und spricht mit Jan Bürger über seine Jahre als Buchhändler, Dichter und Verleger
Kaum jemand hat das literarische Leben der letzten Jahrzehnte so geprägt wie der Erzähler, Lyriker und Verleger Michael Krüger. Als sehr junger Mann verkaufte er etwa Elias Canetti in einem Londoner Kaufhaus Bücher – um mit ihm ein Vierteljahrhundert später, als immer noch junger Lektor des Münchner Hanser Verlags, auf den Nobelpreis anzustoßen. Krüger war und bleibt ein Weggefährte und Freund vieler weltberühmter und viel zu unbekannter Dichter. So ließ er seinen erfolgreichen Erinnerungen Verabredung mit Dichtern (2023) jetzt den Band Unter Dichtern folgen. Zusammen stellen die Bücher ein großartiges Stück erlebter Literaturgeschichte dar. Erzählt wird z.B. über Oskar Pastior, Alfred Brendel, Werner Herzog und W.G. Sebald genauso wie über Valzhyna Mort, Ilse Aichinger, Joseph Brodsky und Adam Zagajewski. Und das voller Lese- und Lebenserfahrung: Krügers Erinnerungen lassen ahnen, welche Schätze in seinem ›Vorlass‹ ruhen, der seit 2018 in Marbach aufbewahrt wird.
Eintritt: € 9,- / € 7,- (erm. DSG)
Neuerscheinung
Marbacher Magazin 189.190
Und dann und wann ein weißer Elefant. Rilkes Welten
Herausgegeben von Sandra Richter, Anna Kinder, Mirko Nottscheid und Vera Hildenbrandt.
148 Seiten, zahlreiche farbige Abb. Fadengeheftete Broschur mit SU. 2025.
ISBN 978-3-944469-88-1
2022 konnte das Deutsche Literaturarchiv das private Rilke-Archiv Gernsbach erwerben. Die darin überlieferten Notizbücher, Manuskripte, Übersetzungen, Briefwechsel, Lebensdokumente, Bücher, Fotos und Zeichnungen von Rilkes Hand legen einen neuen Rilke frei: einen Autor, der – anders als er selbst betont – nicht nur einsam lebt und schreibt, sondern einen, der Gleichgesinnte findet und als Scout, Lektor und Übersetzer zum Zentralgestirn im Literaturbetrieb wird. Dieser Rilke ist durch und durch Zeitgenosse. Er ist nicht nur mit zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern befreundet, sondern zeichnet zeitlebens auch selbst. Er geht ins Theater und in die Salons, schreibt Briefe, unterhält Kontakt zu Freunden, Bekannten, Mäzenen und Fans in ganz Mitteleuropa. Viele von ihnen sind weiblich. Im vorliegenden Magazin, das die große gleichnamige Ausstellung in Marbach begleitet, wird dieses neue Rilke-Bild in all seinen Facetten konkret und durch zahlreiche Abbildungen anschaulich.
Erhältlich im Buchhandel oder direkt im DLA Marbach Online-Shop
