Wann:
6. Juni 2020 um 23:35 – 7. Juni 2020 um 1:10
2020-06-06T23:35:00+02:00
2020-06-07T01:10:00+02:00
Wo:
arte tv


Vor dem malerischen Bergpanorama der italienischen Alpen realisierte der legendäre Installationskünstler Christo auf del Lago de Iseo seine „Floating Piers“. Mit leuchtend gelben Stoffbahnen bespannte Stege aus schwankenden Pontons verbanden die beiden Inseln Monte Isola und San Paolo mit dem Ufer und zeichneten ein abstraktes Kunstwerk in die Landschaft. Das Werk existierte nur für 16 Tage, ermöglichte es aber über 1,2 Millionen Besuchern auf dem Wasser zu laufen.

Der bulgarische Regisseur Andrey Paounov blickt in CHRISTO – WALKING ON WATER hinter die Kulissen und verfolgt den turbulenten Entstehungsprozess dieses gigantischen Kunstwerkes – den Wahnsinn der Kunstwelt, die heiklen Verwicklungen zwischen Kunst und Politik, die riesigen technischen Herausforderungen und logistischen Albträume, und den Kampf gegen die Kraft der Natur. Zugleich entsteht ein humorvolles Porträt eines unberechenbaren Künstlers, der es schaffte Behörden, Sammler, Denkmalpfleger und Naturschützer für seine Idee zu gewinnen und seine Träume wahr werden zu lassen.

„We never do the same things again. We will never wrap another parliament, we will never build another Umbrellas, we never build another Running Fence.“ Christo

Im Frühjahr 2014 machten sich der weltbekannte Künstler Christo und seine Mannschaft daran, eine Kulisse für ihre nächste große öffentliche Kunstinstallation zu finden, „The Floating Piers“. Sie entschieden sich für einen kleinen und ruhigen See zwischen dem Comer See und dem Gardasee, den Lago d‘Iseo in der Nähe von Brescia und Bergamo. Die Idee zu diesem Projekt hatten Christo und seine Frau Jeanne-Claude erstmals im Jahr 1969. Damalige Versuche einer Realisierung in Argentinien und Japan verliefen allerdings ergebnislos. Dieses Projekt sollte Christos erste große Installation seit „The Gates“ im Central Park im Jahr 2005 und dem Tod seiner Frau im Jahr 2009 werden. Bei den örtlichen italienischen Behörden stieß „The Floating Piers“ auf große Begeisterung. Damit begannen Christo und sein Team mit der Umsetzung ihres bislang ambitioniertesten Projekts: ein drei Kilometer langer Weg, der es Menschen in den 16 Tagen seiner Öffnung erlauben sollte, sicher auf dem Wasser zu laufen. Bereits seit den Sechzigerjahren hatten sich Christo und seine Frau Jeanne-Claude einen Namen gemacht mit der Konzeption und Durchführung von Kunstinstallationen im großen Stil: der verhüllte Reichstag in Berlin, „The Umbrellas“ in Kalifornien und Japan, „The Running Fence“ in Kalifornien, „The Wrapped Coast“ in Australien, „The Pont Neuf“ in Paris und „The Surrounded Islands“ in Miami. Es dauert bisweilen Jahrzehnte, bis diese Installationen zum Leben erweckt werden können. Die Künstler sehen sich dabei konfrontiert mit politischen Entscheidungsträgern, Vorreitern der Kunstwelt und einer großen Anzahl faszinierender Charaktere aus der jeweiligen Region.

• Der Film wurde aus 700 Stunden Filmmaterial zusammengeschnitten.
• „The Floating Piers“ war 16 Tage lang geöffnet; vom 18. Juni bis 3. Juli 2016. Der Eintritt war, wie bei allen Events von Christo, frei.
• Gerechnet hatte man mit maximal 500.000 Besuchern. Es waren schließlich 1,2 Millionen – das bestbesuchte Kunstereignis des Jahres 2016. Alle Hotels der Umgebung waren seit Monaten ausverkauft.
• 11.000 Menschen konnten sich gleichzeitig auf den Wegbahnen im Wasser aufhalten.
• Die Kosten für „The Floating Piers“ beliefen sich auf 15 Millionen Euro. Christo finanzierte das Event
komplett selbst aus Verkäufen seiner Kunst.
• Die Wasserwege umfassten drei Kilometer Strecke; sie waren 16 Meter breit und 30 Zentimeter
hoch. Dazu kommen 2,5 Kilometer Wegstrecke zu Land. Bei den „Piers“ handelt es sich um 220.000
miteinander verbundene Kanister, die aus Polyäthylen-Würfeln gefertigt wurden. Sie wurden von
Tauchern mit Ankern am Boden des Sees befestigt.
• 100.000 Quadratmeter Stoff kamen zum Einsatz. Gefertigt wurden die gesamt 20 Tonnen Stoff bei
der Firma Setex aus Greven im Münsterland.

Der Film wird Samstag, den 06/0/6/2020, um 23.35 Uhr auf ARTE wiederholt und ist ab 02/06/2020 bis 02/07/2020 unter arte.tv zu sehen.
WDR/ARTE, 95 Min.

„Unsere Werke sind alle komplett nutzlos. Wir schaffen sie nur, weil wir sie gerne anschauen möchten“.
CHRISTO

CHRISTO, geboren 1935 als Christo Vladimirov Javacheff in Gabrowo, Bulgarien, und seine 2009 in New York verstorbene Ehefrau Jeanne-Claude, geboren 1935 in Casablanca, Marokko, haben gemeinsam einige der visuell beeindruckendsten Kunstwerke des 20. und 21. Jahrhunderts erschaffen. Die beiden Künstler begannen ihre Zusammenarbeit im Jahr 1961.

Meldung: arte tv

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