Podiumsgespräch zur Fotoserie ‚Marcados‘ von Claudia Andujar im MMK

Wann:
16. Mai 2017 um 19:00 – 21:00
2017-05-16T19:00:00+02:00
2017-05-16T21:00:00+02:00
Wo:
MMK1 - Museum für Moderne Kunst, Frankfurt Am Main


Markiert sein oder markiert werden? Diese Frage stellt sich beim Betrachten der Serie „Marcados“, die im Zentrum der Ausstellung „Claudia Andujar. Morgen darf nicht gestern sein“ im MMK Museum für Moderne Kunst steht und der am Dienstag, 16. Mai, 19 Uhr, im MMK 1 ein Podiumsgespräch gewidmet ist. Der Literaturwissenschaftler Bernd Stiegler und der Philosoph Christoph Menke unterhalten sich über die Funktion der Bilder und die Tradition der ethnografischen Fotografie. Moderiert wird das Podiumsgespräch von der Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt, Mirjam Wenzel‎.

Die Schweizer Fotografin Claudia Andujar entkam 1944 dem Holocaust, dem ihre jüdische Familie väterlicherseits zum Opfer fiel und emigrierte in den 1950er Jahren nach Brasilien. Dort engagiert sie sich seit den 1970er Jahren für die Rechte und das Überleben der Yanomami im Amazonasgebiet. Anfang der 1980er Jahre startete eine von Andujar gegründete Kommission eine Impfkampagne, für die Andujar Porträtaufnahmen der Yanomami in verschiedenen Dörfern im Amazonasgebiet machte. Da die Yanomami traditionell keine Namen verwenden – sie sprechen sich mittels Familienrelationen an –, wurden ihnen zur Identifizierung für den Impfausweis Nummern um den Hals gehängt.

Den Titel „Marcados“ erhielten die Fotografien erst mehr als 20 Jahre später, als sie 2006 erstmals auf der Biennale von São Paulo gezeigt wurden. Die Bilder von mit Nummern markierten Personen wecken historische Erinnerungen, die aufs engste mit Andujars Familienschicksal verknüpft sind, da ein großer Teil ihrer Verwandtschaft in Konzentrationslagern ermordet wurde. Claudia Andujar: „Das waren für mich die für den Tod Markierten. Was ich versucht habe mit den Yanomami zu machen, war, sie für das Leben, für das Überleben zu markieren.“

Andujars Werk findet seither große Beachtung im südamerikanischen Kontext. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des andauernden Einfalls von Goldminenarbeitern in das Gebiet der Yanomami, der anhaltenden Proteste in Brasilien und der kürzlich verkündeten Klima-Ziele des Landes zeichnet sich Andujars Werk bis heute durch eine hohe Aktualität und Brisanz aus. Im Titel der Ausstellung „Morgen darf nicht gestern sein“ spiegelt sich angesichts wiederkehrender politischer Ereignisse und gesellschaftlicher Entwicklungen in Brasilien die Botschaft der Künstlerin an die Gegenwart wider.

Das Podiumsgespräch mit Stiegler und Menke wird die fotografische Serie „Marcados“ sowohl in ästhetischer wie auch historischer Hinsicht kontextualisieren und die ihr innewohnende Ambivalenz thematisieren.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation des Jüdischen Museums Frankfurt, des Exzellenzclusters „Normative Orders” der Goethe-Universität und des MMK Museums für Moderne Kunst Frankfurt.

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

Die Ausstellung „Claudia Andujar. Morgen darf nicht gestern sein“ ist bereits von 18 bis 19 Uhr zugänglich. Um 18 Uhr findet zudem eine kostenlose öffentliche Führung durch die Ausstellung statt.

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