
Projekte aus vier Kontinenten im Rennen um das weltbeste Hochhaus Die Finalisten des diesjährigen Internationalen Hochhaus Preises (IHP) stehen fest: Fünf Gebäude aus Asien, Europa, Australien und Südamerika hat die Jury aus insgesamt 30 nominierten Hochhäusern aus 12 Ländern ausgewählt.
Die Jury orientierte sich in ihrer Entscheidung daran, Projekte auszuzeichnen, die über viele Jahre hinweg von Relevanz sind, trotz der Tatsache, dass die Planungen schon etliche Jahre zuvor begonnen hatten.
Der IHP gilt als der weltweit wichtigste Architekturpreis für Hochhäuser. Am 3. November 2026 wird das Gewinnerprojekt in der Frankfurter Paulskirche von Birgit Dietl-Benzin, Vorstandsmitglied der DekaBank, bekannt gegeben. Anschließend wird es von Oberbürgermeister Mike Josef mit einer Statuette des international bekannten Künstlers Thomas Demand und einem Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro ausgezeichnet. Die Veranstaltung wird per Live-Stream übertragen. Der Preis wird von der Stadt Frankfurt am Main gemeinsam mit dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) und der DekaBank verliehen.
Die Finalisten
ZIN, Brüssel
Foto: Jaspers-Eyers Architects/Philippe Van Gelooven
Architektur: 51N4E, Brüssel, Belgien; l’AUC, Paris, Frankreich & Jaspers-Eyers Architects, Brüssel, Belgien
Bauherrschaft: Befimmo, Brüssel
Hauptnutzung: Mischnutzung aus Büros, Wohnen, Hotel, Einzelhandel, Sport, öffentliche Grünflächen
Höhe: 129 m
Fertigstellung: November 2024
Standort: Brüssel, Belgien
ZIN markiert einen grundlegenden Wandel im Brüsseler Nordquartier und steht exemplarisch für den Umgang mit dem Bestand im zeitgenössischen Hochhausbau. Das Gebäude transformiert die ehemaligen World-Trade-Center-Türme WTC I und II zu einem zukunftsorientierten, gemischt genutzten Stadtbaustein. Mit dem sogenannten „Manhattan Plan“ wurde in den 1960er Jahren ein städtebauliches Großprojekt begonnen, dessen Ziel es war, ein Geschäftsviertel mit Hochhäusern, Büros und breiten Verkehrsachsen zu schaffen. An einer zentralen Kreuzung sollte das World Trade Center entstehen – ein Cluster von paarweise stehenden Hochhäusern an jeder Ecke. Da ein großer Teil der geplanten Bebauung zunächst ausblieb, lagen über Jahre Flächen brach. Heute prägt das Viertel dennoch die Skyline von Brüssel.
Der Eigentümer der Türme, Befimmo initiierte gemeinsam mit dem Bouwmeester Maitre Architecte (BMA, Stadtbaumeister von Brüssel) einen offenen Konzeptwettbewerb. 51N4E und l’AUC, konnten dabei mit ihrem Konzept überzeugen. Als dritter Partner für die Weiterentwicklung und Ausführung wurde ihnen Jaspers-Eyers an die Seite gestellt. Anstatt die bestehenden Hochhäuser vollständig abzubrechen, blieben die beiden Erschließungskerne und die fünf Untergeschosse erhalten und wurden in den Bau integriert. Eine zwischen die beiden Kerne geschobene Scheibe verbindet nun die zwei Hochhäuser zu einem Komplex. Diese Scheibe kommt ohne eigene Erschließung aus und verfügt über doppelte Geschosshöhen. Insgesamt entstehen so zwar nicht deutlich mehr Quadratmeter, aber deutlich mehr Volumen und damit Möglichkeiten. Die flexiblen Grundrisse, die sich über jedes zweite Stockwerk erstrecken, lassen sich an zahlreiche denkbare Aufgaben anpassen. Die Geschosse, die wegen der doppelten Geschosshöhe nicht mehr mit der Scheibe verbunden sind, sind unabhängig und können so eingesetzt werden, wie es gerade gebraucht wird. Heute wechseln sich im östlichen Turm Büro und Hotel ab und im westlichen Turm Büro und Wohnungen. Hinzu kommen eine Sportanlage, eine große öffentliche Orangerie und ein Dachgarten. Durch diese Nutzungsmischungen entsteht ein Gebäude, das nicht nur während der Bürozeiten belebt ist, sondern rund um die Uhr Teil des städtischen Lebens bleibt.
AGE 360, Curitiba, Brasilien
Foto: Manuel Sá
Architektur: Architects Office, São Paulo, Brasilien & Triptyque, São Paulo, Brasilien/Paris, Frankreich
Bauherrschaft: AG7, Curitiba, Brasilien
Hauptnutzung: Wohnen
Höhe: 124 m
Fertigstellung: November 2024
Standort: Curitiba, Brasilien

Ecoville gilt als eine der wohlhabendsten und begehrtesten Wohngegenden von Curitiba im Süden Brasiliens. Das noble Viertel überzeugt durch eine moderne Stadtplanung mit einer hervorragenden Infrastruktur. Wie der Name bereits vermuten lässt, steht das naturnahe Wohnen hier im Vordergrund. Die 54 Quadratmeter Grünfläche, die in Curitiba auf einen Einwohnenden kommen, werden in Ecoville noch übertroffen.
Mit seinen 124 Metern überragt das schlanke Hochhaus seine Nachbarn nicht nur, sondern setzt sich mit dem charakteristischen Exoskelett aus hellem Beton deutlich von deren herkömmlichen Lochfassaden ab.

Das strenge Raster öffnet sich und variiert an den Stellen, an denen die privaten Wohnbereiche weitläufigen Gemeinschaftsflächen Raum geben. Die Tiefe des außenliegenden Tragwerks schützt zum einen das Innere des Gebäudes vor Sonneneinstrahlung, zum anderen ermöglicht es stützenfreie Grundrisse in den gerade einmal 33 Wohneinheiten.
Im Inneren bieten acht verschiedene Grundrisstypen Wohnflächen zwischen 208 und 600 Quadratmetern. Raumhohe Panoramafenster ermöglichen unverbaute 360-Grad-Ausblicke über die Stadt und den Barigui-Park, die größte und älteste Grünanlage der Stadt.
Ergänzend zu den Wohnungen sind über den gesamten Turm Gemeinschaftsbereiche verteilt. Diese bieten ein Fitnessstudio, ein Spa und Meditationsräume sowie eine Reihe großer Terrassen mit Sitzgelegenheiten, einen Swimmingpool sowie einen zweigeschossigen, mit Bäumen bepflanzten Außenraum, der sich auf halber Höhe des Turms stufenförmig um den Gebäudekern legt.
Neben hochwertigen Steinböden und viel Naturholz ist die Begrünung des Gebäudes ein zentraler Bestandteil des Projekts. In die Fassade integrierte Pflanzkästen sollen mit den zahlreichen begrünten Terrassen zu einem durchgehenden Garten zusammenwachsen, dessen sorgfältig ausgewählte Pflanzenarten windresistent und pflegeleicht sind. Am Fuß des Turms befindet sich ein von dichter heimischer Vegetation umgebener Vorplatz mitsamt Küche, Beach-Tennis-Platz, Amphitheater sowie Bio-Gemüsegarten.
Tencent Tower, Guangzhou
Foto Archiposition
Architektur: Ateliers Jean Nouvel, Paris, Frankreich
Bauherrschaft: Tencent, Guangzhou, China
Hauptnutzung: Büros
Höhe: 207 m
Fertigstellung: August 2025
Standort: Guangzhou, China

Ähnlich wie der Schirm einer Mütze kragt die höchste Ebene des Turms in Guangzhou fast 30 Meter über den eigentlichen Baukörper aus. Zudem erweitern überdimensionierte „Sonnendächer“ die Gemeinschafts- und Grünflächen auf jedem zehnten Geschoss ins Freie.
Von der Sockelzone bis in die ausufernde Krone folgt das Hochhaus dem Prinzip der vertikalen Stadt. Ein Konglomerat aus Treppen, Rampen und Höfen inszeniert das rege Treiben im Inneren des Baus. Unzählige Zuwegungen erschließen diesen vom Straßen- und Uferbereich aus. Zwischen üppigen Grünanlagen liegen hier Cafés, Ausstellungsflächen, Geschäfte und eine große Kantine. Auch in die Untergeschosse führen Wege über mit Bäumen bestückte Terrassierungen bis zu einer Kunstgalerie unterhalb der angrenzenden Straße. Eben jene Straße, die unter dem Gebäude hindurchführt, bildet die zentrale Erschließungsachse für Sockel und Hochhaus. Brücken verbinden die Baukörper und münden in der Lobby des Turms.
Auf jeder zehnten Ebene tritt das Stahlbetonskelett des Turms über zwei Geschosse offen zutage und markiert die Zonen mit den auskragenden Plattformen. Im Inneren bilden zwei Stahlbetonkerne, die die innere Erschließung beherbergen, das statische Rückgrat des Hochhauses und ermöglichen erst die weiten Auskragungen. Die darauf befindlichen Grün- und Aufenthaltsflächen werden im Inneren mit abgetreppten Atrien in der Vertikalen fortgeführt.
Auf den vier Ebenen mit den „Sonnendächern“ sind Besprechungsräume, Gewächshäuser oder Ateliers in Kuben untergebracht.
Von dort führen begrünte Treppen zu den Büroebenen, die um den Luftraum angeordnet sind. Ihr Finale findet die „vertikale Stadt“ im Panoramablick von der weit ausladenden Dachebene.
Und noch einen gestalterischen Höhepunkt bietet der Turm: An der Unterseite der auskragenden Dächer sind unzählige LED-Spots angebracht – wie ein funkelnder Himmel lässt die Lichtinstallation die Umrisse des Turms nachts verschwimmen.
88 Walker, Sydney Foto: Tyrone Branigan
Architektur: Fitzpatrick + Partners, Sydney, Australien
Bauherrschaft: Billbergia, Meadowbank, Australien
Hauptnutzung: Hotel, Gewerbe
Höhe: 180 m
Fertigstellung: September 2023
Standort: Sydney, Australien
Zwischen Distanz und Nähe oszilliert das Verhältnis des schmalen Turms im Norden Sydneys zu der ehemaligen Feuerwache, mit der er sich das Grundstück teilt. Einerseits schmiegt sich der zweigeschossige Sockelbau des Hotel- und Bürogebäudes nahtlos an das „Firehouse“ aus dem 19. Jahrhundert an, gleichzeitig hängt der gläserne Turm ab dem sechsten Obergeschoss mit großem Abstand über seinem kleinen Nachbarn.
Das Zusammenspiel der Gebäude erzählt auch die Geschichte des Stadtteils: Als ehemaliger Vorort aus der Kolonialzeit entwickelte sich North Sydney zu einem Wirtschaftszentrum in der heutigen Millionenmetropole. Daher wirkt in den Gassen und Schluchten aus Glasriesen die „umarmende“ Geste des Neubaus wie eine Wertschätzung des kleineren, aus einer anderen Zeit stammenden Bauwerks.
Die klare Dreiteilung des Baus in der Walker Street leitet sich von der Umgebung ab. Das im Stadtraum markant auftretende Eingangsgebäude in der Mitte bleibt dank Sandsteinfassade und Baukörperhöhe seinem historischen Nachbarn verbunden. Von hier aus lassen sich die ebenerdige Lounge, die Büroräume und die Hotellobby in den oberen Geschossen erreichen.
Der Glasturm selbst ist in zwei Scheiben geteilt. Nur sein nördlicher Teil gründet ebenerdig und bietet einen zusätzlichen Eingang für die Hotelgäste. Aufzüge, Treppenhäuser und Sanitärzellen sind in diesem schmalen Teil angeordnet.
Dagegen nimmt der über der Feuerwache „schwebende“ südliche Teil die Hotelzimmer auf, darüber liegen die flexiblen, stützenfreien Büroflächen.
45 Etagen kragen knapp 9 Meter über den Nachbarn aus. Ihre Last wird von großformatigen, teilweise schräg angeordneten Stahl- und Betonstützen in den Baugrund abgeleitet. Von außen wie innen machen diese Stützen den statischen Kraftakt gestalterisch sichtbar. Eine an den Ecken abgerundete Glasfassade umhüllt die ungefähr 600 Quadratmeter umfassenden Etagen und bietet einen weiten Blick über den Hafen und die Skyline der Stadt. Die Rundungen strecken den nun höchsten Turm von North Sydney optisch und lassen das aufgeständerte Volumen leichter erscheinen.
One Pearl Bank, Singapur
Foto: Serie Architects & Multiply Architects
Architektur: Serie Architects, London, Großbritannien & Multiply Architects, Singapur
Bauherrschaft: CapitaLand Development, Singapur
Hauptnutzung: Wohnen
Höhe: 178 m
Fertigstellung: Januar 2026
Standort: Singapur
Eine Kleingartenanlage in einem der dichtesten Wohntürme Singapurs? Genau das bietet One Pearl Bank: An den Schmalseiten der beiden Türme gibt es 18 »Dachkleingärten« mit fast 200 Hochbeeten, in denen die Bewohnenden ihr eigenes Obst und Gemüse anbauen können. Auf den Balkonen eingebaute Pflanzkästen für Sträucher und kleine Bäume sowie »Sky Gardens« vervollständigen die selbst für Singapur üppige Begrünung. Brücken verbinden die Dächer der beiden Türme miteinander. Überhohe Pergolen, die mit Solarpaneelen gedeckt sind, spenden dort Schatten und laden zum Ausruhen nach dem Joggen auf dem luftigen Rundkurs ein.
Der 113 Meter hohe Vorgängerbau Pearl Bank Apartments war für eine Gesamtbelegung von 1500 Personen ausgelegt. Mit seiner Lage auf einem Hügel im Park war er für die Menschen in Singapur ein vertrauter und ikonischer Anblick. Bei seiner Fertigstellung im Jahr 1976 wies das Hochhaus die höchste Bevölkerungsdichte aller modernen privaten Wohngebäude auf und war ein Pionier in Singapurs Stadtentwicklung. Inzwischen sind die Ziele zur Wohnungsdichte noch einmal deutlich gestiegen. Der Neubau sollte die gewohnte Form der Pearl Bank Apartments aufgreifen, zeitgemäß weiterentwickeln und gleichzeitig eine Steigerung der Wohnungsanzahl von 272 auf 774 auf annähernd der gleichen Fläche ermöglichen. Diese hohe Dichte wird durch zwei gegeneinander versetzte, geschwungene Baukörper erreicht. Die Kreissegmente sind so angeordnet, dass sie den Bewohnenden eine optimale Aussicht bei gleichzeitiger Wahrung der Privatsphäre bieten.
Im Erdgeschoss zielt das Konzept darauf ab, das Interesse am angrenzenden Pearl’s Hill City Park wiederzubeleben. Da der Park am Ende eines steilen Geländes liegt, ist er relativ schwer zugänglich und wird nur wenig genutzt. Die neue Landschaftsgestaltung führt zu Fuß Gehende durch die üppig bepflanzte Anlage mit über 500 Bäumen und 35 Baumarten direkt in den Park. Zwischen den Türmen liegen zahlreiche Gemeinschaftsflächen für die Bewohnenden: beispielsweise eine Pool-Landschaft, Pavillons, Kinderspielplatz, Fitnessbereiche und ein Grillplatz.









