Marianne Bachfeld wuchs in einer Frankfurter Familie auf, in der das Sammeln von Handschriften Tradition hatte. Bereits ihr Vater Hellmuth Bachfeld erschloss sich die europäische Geschichte und ihre Persönlichkeiten durch handschriftliche Zeugnisse. Diese Leidenschaft gab er an seine Töchter weiter. Marianne Bachfeld sammelte vor allem Autographen zur preußischen Geschichte, daneben Handschriften von Musikern, Wissenschaftlern und Schriftstellern. Für sie waren diese Zeugnisse weit mehr als kostbare Objekte: In ihrer Wohnung umgab sie sich mit Originalen und Reproduktionen; den Ordner mit den Unterlagen zu ihren Erwerbungen beschriftete sie augenzwinkernd mit „Teure Freunde“ – eine Bezeichnung, in der sich persönliche Nähe und der beträchtliche materielle Wert ihrer Sammelleidenschaft gleichermaßen spiegeln.

Etwa seit 1995 entwickelte sich daraus eine besondere Form des gemeinsamen Sammelns. In enger Abstimmung mit der Handschriftenabteilung erwarb Marianne Bachfeld gezielt Stücke zu Goethe und seinem Umfeld und stellte sie dem Hochstift als Dauerleihgaben zur Verfügung. Sie gehörte zu den regelmäßigen Gästen der Abteilung, betrachtete dort gemeinsam mit ihrer Schwester Charlotte Jäkel und den Mitarbeitern ihre Handschriften und besprach neue Erwerbungen.
Das Vermächtnis führt damit beispielhaft vor Augen, welche Bedeutung privates Engagement für das Freie Deutsche Hochstift hat. Das 1859 gegründete Hochstift ist eine unabhängige, gemeinnützige Forschungs- und Kulturinstitution und Träger des Frankfurter Goethe-Hauses und des Deutschen Romantik-Museums. Seine Sammlungen sind seit seiner Gründung nicht allein durch institutionelle Erwerbungen, sondern wesentlich durch das Engagement, die Interessen und die Großzügigkeit seiner Mitglieder, Sammlerinnen und Sammler sowie Mäzene gewachsen. Marianne Bachfeld steht in dieser Tradition – und entwickelte dabei über Jahrzehnte ein besonders persönliches Verhältnis zum Haus und zu seinen Sammlungen.
Im Zentrum ihres Vermächtnisses stehen acht Briefe und Handschriften Goethes, darunter sieben eigenhändige Stücke. Sie reichen von einem Brief des jungen Weimarer Ministers aus dem Jahr 1776 bis zu zwei Gedichten aus Goethes letzten Lebensjahren. Hinzu kommt ein Brief an den Göttinger Historiker Georg Friedrich Sartorius, den Goethes Sohn August im Auftrag des Vaters niederschrieb und Goethe eigenhändig unterzeichnete. Gerade diese Stücke zeigen unterschiedliche Seiten Goethes: den Politiker und Verwaltungsbeamten, den Freund und Briefschreiber und nicht zuletzt den Dichter.
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