
Nuhrs Arbeiten bewegen sich zwischen Fotografie und Malerei, digitaler Bildgenese und analoger Materialität. Selbst programmierte digitale Pinsel verbinden sich mit Acrylfarben und physischen Eingriffen in die Bildoberfläche. In einem vielschichtigen Prozess wird das fotografische Ausgangsmaterial überlagert, verdichtet, reduziert und teilweise ausgelöscht. Farbschichten, Verwischungen und Spuren lassen Landschaften, Bauwerke und Tiere aufscheinen, um sie zugleich wieder dem Blick zu entziehen. Das Gegenständliche bleibt erkennbar, verliert jedoch seine dokumentarische Eindeutigkeit. Es entsteht eine Bildwelt zwischen Figuration und Abstraktion, in der die Fotografie als Spur des Wirklichen fortlebt und zugleich in eine eigenständige malerische Wirklichkeit überführt wird.

Der Titel „Vom Verschwinden der Bilder“ bezeichnet diesen Prozess und verweist auf die Flüchtigkeit unserer Wahrnehmung: Auch die Erinnerung bewahrt kein vollständiges Abbild der Wirklichkeit. Sie wählt aus, verschiebt und überformt. Einzelheiten verblassen, während andere Eindrücke umso deutlicher hervortreten. Nuhrs Malerei macht diese Bewegung sichtbar. Das fotografisch Festgehaltene wird nicht einfach ausgelöscht, sondern verändert seine Gestalt. Aus dem dokumentierten Augenblick entsteht ein subjektives Bild: eine Erinnerung, die sich von ihrem Ursprung entfernt und gerade dadurch eine neue Präsenz gewinnt.
In diesen Arbeiten begegnet uns eine Sehnsucht nach der Schönheit und Erhabenheit der Welt, ohne dass sie ins Pathetische kippt. Landschaften, Natur und Architektur erscheinen als fragile Zeugnisse einer Wirklichkeit, die sich dem vollständigen Zugriff entzieht. Das Schöne wird nicht idealisiert, sondern als etwas Flüchtiges erfahrbar, dessen Fortbestand keineswegs selbstverständlich ist. Zwischen Sichtbarkeit und Auflösung, Gegenwart und Vergangenheit eröffnen Nuhrs Bilder einen Raum der Kontemplation. Sie laden dazu ein, innezuhalten und genauer hinzusehen. Gerade dort, wo das einzelne Motiv zu verschwinden beginnt, wird etwas vom großen Ganzen spürbar.
Galerie Mond Fine Arts / Marc Peschke
Galerie Mond Fine Arts
Bleibtreustraße 17
10623 Berlin-Charlottenburg


