26. Nov. bis 01. Dez. 2019 findet die zweite Ausgabe des Festivals „Remake. Frankfurter Frauen Film Tage“ statt. Schwerpunktthema ist „Geschichtsanschauung. HerStory im Kino“: Im Zentrum stehen Film und Kino als Formen und Orte der Geschichtsschreibung selber – einer Geschichtsschreibung aus der Perspektive von Frauen. In diesem Kontext blickt „Remake“ auch auf die Geschichte des queer cinema.

Festivalhöhepunkt ist ein CineConcert am Donnerstag, 28. November, im Schauspiel Frankfurt; die Welturaufführung einer Neukomposition zu „Hindle Wakes“ (GB 1927, R Maurice Elvey), einem der spektakulärsten britischen Filme der 1920er Jahre.

Frauendezernentin Rosemarie Heilig sagt: „Mir gefällt besonders, dass dieses außergewöhnliche Filmfestival die historische und aktuelle Vielfalt des Wirkens von Frauen zeigt und frauenpolitische Themen aufgreift. Damit wird die Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart geschlagen, die filmische Aussagekraft von damals tritt erneut zum Vorschein. Wir machen die Arbeit von filmschaffenden Frauen sichtbar und würdigen sie, indem wir aktuelle Bezüge und Zusammenhänge herstellen.“

Festivalposter

Mit der diesjährigen Ausgabe von „Remake“ rückt die Kinothek Asta Nielsen jenes Geschichte. Geschichte des Films, Geschichte im Film und die besondere Möglichkeit des Kinos, Vergangenheit(en) zu vergegenwärtigen. Unter dem Schwerpunktthema „Geschichtsanschauung. HerStory im Kino“ laufen Filme, die Zeugnisse sind, etwa von der Rolle der Frauen aus den arabischen Ländern im Befreiungskampf („The Hour of Liberation Has Arrived“, GB, FR, LB 1974, R Heiny Srour). Und auch Filme, in denen die Geschichte und Geschichtsanschauung schwarzer Frauen zur Darstellung gelangt („Daughters of the Dust“, USA 1991, R Julie Dash), in denen Geschichte und Gegenwart der Verfolgung und Ausgrenzung vor Augen geführt werden („Das falsche Wort“, BRD 1987, R Katrin Seybold und Melanie Spitta). Das Festival zeigt Filme, die mit herrschenden Bild- und Erzählkonventionen brechen („Meek’s Cutoff“, USA 2010, R Kelly Reichardt) und Filme von Regisseurinnen, die die westliche Fortschrittsgeschichte in Frage stellen („Pokot“, PL, DE, SE, CZ 2017, R Agnieszka Holland).

Die Geschichte des queer cinema und die Geschichte von lesbischen Frauen im Kino bilden einen weiteren Schwerpunkt im Programm. Im Rahmen von Fixsternen des queer cinema laufen unter anderem selten zu sehende Spielfilme wie „Olivia“ (FR 1950, R Jacqueline Audry), „Ich, die Unwürdigste von allen“ (AR 1990, R María Luisa Bemberg), „The Ballad of Little Jo“ (US 1993, R Maggie Greenwald) und „Rote Ohren fetzen durch Asche“ (AT 1991, R Ursula Pürrer, Dietmar Schipek, Ashley Hans Scheirl).

„Remake“ würdigt auch die Geschichte feministischer Filmfestivals. Den Auftakt bildete 2018 der Women’s Event ’72 des Edinburgh International Film Festival. Ende der 1980er Jahre gründeten Filmemacherinnen aus Osteuropa einen internationalen Verband, der Austausch und Kooperation von Frauen im Film förderte und Kongresse mit Filmschauen veranstaltete: KIWI – Kino Women International (1987-1990). Filmvorführungen und Gespräche vergegenwärtigen die Geschichte von KIWI. Zu sehen sind die Filme „Einige Interviews zu persönlichen Fragen“ (GSSR 1078, R Lana Gogoberidze) und „I Am an Ox, I Am a Horse, I Am a Man, I Am a Woman“ (GB 1987/88, R Sally Potter).

Personalie ist Filmemacherin, Fotografin und Malerin Ella Bergmann-Michel (1895-1971). Unter dem Titel „Neues Frankfurt: Die Filmaktivistin Ella Bergmann-Michel“ werden die Filme Bergmann-Michels aufgeführt und die vielfältigen filmkulturellen Aktivitäten und sozialreformerischen Bezüge dieser Pionierin der klassischen Moderne vorgestellt, insbesondere ihre Kino-, Programm- und auch Festivalarbeit.

Zahlreiche Gäste werden zu Filmgesprächen, Podien und Einführungen zum Festival erwartet. Bereits bestätigt sind unter anderem die Filmemacherinnen Salomé Alexi, Lana Gogoberidze, Angelika Levi, Heiny Srour und Stavroula Toska.

„Remake. Frankfurter Frauen Film Tage“ wird gefördert von der HessenFilm und Medien, dem Frauenreferat der Stadt Frankfurt, dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain, der Mariann Steegmann Foundation und dem Kulturamt der Stadt Frankfurt. Es wird zudem unterstützt vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

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