Während der Sanierung des Stammhauses am Römer präsentiert die Schirn in der ehemaligen Dondorf Druckerei vorübergehend ein internationales Ausstellungsprogramm zur Kunst der Moderne und Gegenwart. Das Gebäudeensemble wurde durch die Schirn für ihre Nutzung räumlich angepasst und ertüchtigt. Der Umbaumaßnahme ging eine Schadstoffsanierung voran, die das Hauptgebäude, die Nebengebäude sowie die angrenzende Ausstellungshalle betraf. „Ich freue mich sehr, dass das Gebäude der ehemaligen Dondorf Druckerei erhalten bleibt und weiterhin genutzt werden kann. Innerhalb kürzester Zeit haben wir für dieses stadtbildprägende Backsteingebäude eine gute Lösung gefunden, die den Kulturcampus mit Leben füllt. So verbinden wir den Erhalt wertvoller Bausubstanz mit nachhaltiger Stadtentwicklung. Dass hier nun Kunst, Kultur und Initiativen einziehen können, ist ein Gewinn – nicht nur für den Kulturcampus, sondern für die gesamte Stadt“, erläutert Marcus Gwechenberger, Dezernent für Planen und Wohnen, die temporäre Nutzung durch die Kunsthalle Schirn. Marcus Gwechenberger hatte Kulturdezernentin Ina Hartwig vertreten, die krankheitsbedingt an diesem Tag ausgefallen war.

Schirn-Direktor Sebastian Baden über die gelungenen Maßnahmen: „Im letzten Jahr ist uns gemeinsam Großartiges gelungen. Die ehemalige Dondorf Druckerei ist ein besonderer Ort, der durch zivilgesellschaftliches Engagement zahlreicher Initiativen nun erhalten bliebt. Dank der gemeinsamen Unterstützung durch die Stadt Frankfurt und das Land Hessen konnten wir hier innerhalb kürzester Zeit einen einladenden Kunstort schaffen. Die Eröffnungsparade ‚In C – Community‘ ist ein partizipatives und prozesshaftes Projekt von Sasha Waltz & Guests, das auf Vielfalt und Gemeinschaft setzt. Ganz in diesem Sinne möchten wir den neuen temporären Standort der Schirn eröffnen und gestalten. Wir laden unser Publikum, Kunstbegeisterte, unsere alten und neuen Nachbarinnen und Nachbarn ein, den Umzug der Schirn in Form einer Parade durch die Frankfurter Innenstadt mit uns zu feiern und gemeinsam die Türen zur neuen Schirn in Bockenheim zu öffnen. Hier wird die Kunsthalle in den kommenden Jahren gastieren und ein innovatives Programm aus hochkarätigen Ausstellungen, Vermittlungsprogrammen und Events entwickeln und so einen Ort der Begegnung, der Kunst und Kreativität für ein breites Publikum und alle Altersgruppen anbieten.“
In der Schirn Bockenheim werden wie bislang am Römer jeweils zwei Kunstausstellungen parallel gezeigt. Dafür wurden im ersten Stockwerk des Hauptgebäudes ein klimatisierter Ausstellungsraum nach musealen Standards eingerichtet und die anliegende Ausstellungshalle für die Präsentation zeitgenössischer Kunst vorbereitet. Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes wurde ein offenes, multifunktionales Foyer geschaffen, das Raum für Vermittlungsangebote und Veranstaltungen sowie ein Café und Aufenthaltsmöglichkeiten schafft und den attraktiven Innenhof mit einbindet.
Im Juli 2024 nach den Ergebnissen einer Machbarkeitsstudie wurde aus der Idee eine Vision, so Sebastian Baden. Einen Tag vor Weihnachten dann wurde der Bauantrag an die Stadt Frankfurt genehmigt. Vorhänge, Rolltore, Hof und Foyer wurden für den Umzug aufbereitet. Insgesamt 5 Stockwerke und die Nebengebäude der Industriearchitektur heißt es schnellstmöglich zu optimieren. Seit Mai 2025 wird der 3. Stock im Hauptgebäude durch die Schirn-Kunsthalle für Bürozwecke genutzt. Zugleich galt es bauliche Schadstoffe und Asbest vorab aus den Räumen zu entfernen. Die neue Schirn liegt genau auf dem Gebiet einer Postleitzahlen-Grenze zwischen Frankfurter Innenstadt und dem Stadtteil Bockenheim. Die städtebauliche Umgebung Bockenheims rund um das neue Schirn-Gelände ist durch zahlreiche kulturelle Einrichtungen geprägt, die allesamt einmal zum Kulturcampus gehören sollen und somit einem ähnlichen Entwicklungsprozess unterworfen sind wie die ehemalige Dondorf Druckerei.
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Tanzperformance im Hauptgebäude, 1. Etage, Ausstellungshalle 1
Martina Weinhart, Kuratorin der Schirn Kunsthalle Frankfurt erklärt das Konzept: „Die Compagnie Sasha Waltz & Guests hat mit ‚In C‘ einen innovativen und experimentellen Kosmos erschaffen, der Künstlerinnen und Künstler verschiedener Genres, Menschen und Communities in wechselnden Formationen und Variationen zusammenbringt. Das Stück basiert auf einem modularen System aus choreografischen Figuren, die die Freiheit des Individuums und seine Einbindung in die Gemeinschaft kunstvoll ausloten. Dabei entsteht eine ebenso dynamische wie mitreißende Verbindung von Tanz, Musik und Raum, bei der alle ein gemeinsames Ganzes kreieren: Die beteiligten Tänzerinnen und Tänzer, die Musiker, die Zuschauerinnen und Zuschauer und alle diejenigen, die die Parade der Schirn begleiten.“
Feierliche Eröffnung mit bunter Parade durch die Stadt vom Römerberg bis nach Bockenheim
Am Sonntag, den 7. September 2025 startet offiziell ein neues Kapitel in der Geschichte der Schirn Kunsthalle Frankfurt: Die renommierte Kunstinstitution verlässt temporär ihr angestammtes Gebäude am Römerberg, das energetisch saniert wird. Die Sanierungsmaßnahmen sollen mindestens bis 2028 dauern. Mit der partizipativen Parade „In C – Community“ feiert sie den erfolgreichen Umzug in die eigens für die Nutzung der Schirn ertüchtigte, ehemalige Dondorf Druckerei in Frankfurt-Bockenheim. Zusammen mit der international renommierten Tanzcompagnie Sasha Waltz & Guests aus Berlin, rund 100 Tänzerinnen und Tänzern und der Techno Marching Band MEUTE sind alle eingeladen, teilzunehmen.
Die Dondorf Druckerei auf dem Gelände des zukünftigen Kulturcampus Bockenheim gehört dem Land Hessen. Timon Gremmels, Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, bekennt sich zur kulturellen Zwischennutzung: „Der Einzug der Schirn in die ehemalige Dondorf Druckerei ist weit mehr als eine Übergangslösung – er ist ein kraftvoller Auftakt für den Kulturcampus Bockenheim. Die Schirn zählt seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Ausstellungshäusern Deutschlands, und sie wird auch an ihrem neuen Standort ein herausragender Ort für Kultur, Begegnung und Inspiration bleiben. Das Land Hessen hat mit der unentgeltlichen Bereitstellung des Gebäudes den Weg dafür freigemacht, dass hier ein neuer, lebendiger Kulturort entsteht. Gemeinsam mit der Schirn setzen wir ein sichtbares Signal: Die Zukunft des Kulturcampus hat begonnen. Ich bin überzeugt, dass dieser Schritt als Startschuss für eine Entwicklung in guter Erinnerung bleiben wird, die Frankfurt und Hessen kulturell weit über die Region hinaus stärken wird.“


Timon Gremmels ergänzte: Es soll mit dem Umzug keine Dependence der Schirn im Gebäude der Dondorf-Druckerei neu entstehen. Der Umzug ist temporär und geeignet, bis das sanierte Haupthaus am Römerberg wieder bezugsfertig ist. Das soll etwa bis 2028 der Fall sein, wenn die Baumaßnahmen bis dahin abgeschlossen sind. Die Dondorf Druckerei in welche die Schirn-Kunsthalle temporär eingezogen ist, versteht sich viel mehr als ein Baustein Kulturcampus. Außerdem habe die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) längst Ansprüche auf die Nutzung des Geländes gestellt, obwohl hier auch nochmal ein eigener Neubau für die Musikhochschule zu erwarten ist. Es geht also viel stärker darum, Areal mit Gebäudeensemble durch die Schirn-Kunsthalle im Sinne einer zukünftigen Weiternutzung inhaltlich und prospektiv aufzuwerten.
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Außerdem stellte eine anwesende Journalistin die Frage, wie soll mit Beteiligten umgegangen werden, die sich vor Inanspruchnahme der Dorndorf Druckerei durch die Schirn Kunsthalle nach Besetzung des Druckereigeländes und politischer Proteste für den Erhalt der zum Abriss degradierten Dondorf Druckerei eingesetzt haben? Diese Personen müssen weiter mit Repressalien durch die Frankfurter Justiz rechnen und fänden keine Ruhe in der Sache, da die Justizverwaltung noch immer nicht zurückliegendes abgearbeitet habe, was schon längst hätte geschehen müssen nicht zuletzt nach bisheriger Entwicklung zugunsten des Gebäude-Erhalts und einer Zukunft für den Kulturcampus.

Viele Events und Programm, die mit neuem Leben füllen, für diesen Ort als Kulturstandort zum Start der Interimszeit, kündigte Susanne Völker, Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, an. .“… Auf der Grundlage von Terry Rileys offener Komposition ‚In C‘ von 1964 hat die Tanzcompagnie Sasha Waltz & Guests ebenso variables wie choreographisches Material entwickelt, das experimentell angelegt ist und sich gemeinsam mit Rileys Musik kontinuierlich weiterentwickeln kann. Anlässlich ihres Umzugs in die ehemalige Dondorf Druckerei verbindet die Schirn in dem experimentellen Projekt ‚In C – Community‘ gemeinsam mit der Brass-Techno-Band MEUTE rund 100 Tänzer/innen und das Publikum. Die partizipative Performance praktiziert Teilhabe als demokratisches Prinzip und setzt damit den Ton für den Auftakt des Schirn-Programms am neuen Standort. Als Kulturfonds Frankfurt RheinMain fördern wir dieses Projekt deshalb gerne und wünschen der Schirn am Interimsstandort ein treues und neues Publikum.“
Ich sprach mit Schirn Pressesprecherin Julia Bastian, die mir gegenüber die bevorstehenden Umbauarbeiten auf dem Gelände der Dorndorf Druckerei in einem Überblick zusammenfasste. Sie erwähnte die neue aus Metallgitter gestaltete Außenrampe, die zu mehr Barrierefreiheit am Innenhof-Eingang in die Schirn Kunsthalle führen soll. Aus dem gleichen Gittermaterial nebendran eine Terrasse mit Sitzgelegenheiten für das Café, welches die Schirn vom Römerberg mitbringt.
Einfache gewellte Blechwände an den Eingängen umranden das Gelände im Halbrund und schirmen die Schirn nach außen ab. Das Gelände ist somit abschließbar. Am Ausgang zur Sophienstraße soll ein Fahrradständer aufgestellt werden. Zusätzlich entsteht eine Rotunde mit Blechwänden umrandet, um sich dorthin nach draußen zurückziehen oder um Kaffee zu trinken. Sie erläuterte des weiteren Ausstellungshalle 1 in der 1. Etage des Hauptgebäudes, ein großer Saal für Ausstellungszwecke sowie Ausstellungshalle 2 im Nebengebäude, das geräumig hinter den Werkstattgebäuden angesiedelt ist.
Die Minischirn zieht mit um: Sie wird in einer neuen, für den Standort entwickelten Präsentation vor allem für Kinder aufgemacht. Kinder von 4 bis 9 Jahren können dort mit Farben, Formen, Spiegeln, Licht, Schatten und einer Kugelbahn experimentieren. An Wochenenden können Kinder das neue Modul eigenständig erkunden.
Wie ein kleines Dorf mit Hauptstraße gestaltet sich das überwiegend aus Klinkersteinen Ende des 19. Jahrhunderts durch den jüdischen Druckunternehmer Dondorf erbaute Gebäudeensemble der neuen Schirn-Kunsthalle, das seine regulatorische Autonomie noch unter Beweis stellen wird. Insgesamt lässt sich behaupten, die Umbauarbeiten laufen weiter. Es wird noch eine Weile dauern, bis alles bauliche eingerichtet ist. Nicht zu vergessen die umfängliche Innenausstattung mit Möbeln und dem Inventar, deren Einrichtung bevorsteht. Mit einfachsten Mitteln wurden innerräumliche Verbindungen architektonisch begeh- und durchquerbar gemacht, was sternförmig im Foyer zentral zusammenführt. Innenräume wurden mit Stahlträgern verstärkt. Lediglich das Treppenhaus ist unverändert geblieben wie bisher. Es wird eine Weile brauchen bis die Schirn Kunsthalle zur routinemäßigen Ausübung ihrer Tätigkeit als international agierende Kunst-Institution zurück gelangen wird wie zuvor am Römerberg. Das vielfältige Kunst-Programm startet mit der Parade, die am 7. September auf das Gelände zieht.
Um 16 Uhr soll die Parade an der Dondorf Druckerei ankommen. Ab 16.30 Uhr gibt es Grußworte von Oberbürgermeister Mike Josef, Kulturdezernentin Ina Hartwig ist vertrezen durch Planungsdezernent Marcus Gwechenberger, Schirn Direktor Sebastian Baden und Schirn-Kuratorin Martina Weinhart. Danach wird die Tanzperformance das Gebäude an verschiedenen Orten auf verschiedenen Etagen eröffnen und bespielen. Und ab 18.30 Uhr legt DJ ABIBA auf. R.M.










