Künstler*innenhaus Mousonturm – Februar 2026 Der Februar im Mousonturm stellt Körper, Demokratie und Handlungsspielräume zur Debatte

Der Februar im Künstler*innenhaus Mousonturm verbindet künstlerische Arbeiten mit gesellschaftlicher Gegenwart. Theater-, Performance- und Tanzproduktionen richten den Blick auf Krieg, Gewalt und Militarisierung und fragen danach, wie sich diese Erfahrungen in Körpern, Biografien und politischen Haltungen einschreiben. Zugleich geht es um Verantwortung, Solidarität und die Frage, welche Handlungsspielräume unter den Bedingungen der Gegenwart bestehen.

Im Zentrum des Monats stehen drei künstlerische Positionen, die diese Themen aus unterschiedlichen Perspektiven verhandeln: Julian Warner setzt sich in „Der Soldat. Ein Übergangsritual“ mit Frantz Fanon, antikolonialer Gewalt und der Figur des Soldaten als Symbol der Gegenwart auseinander. Magda Szpecht entwickelt in „She stands in the middle of the battlefield“ aus Nachrichten von der ukrainischen Front eine eindringliche Auseinandersetzung mit Krieg, Geschlechterverhältnissen und Selbstbestimmung. Mit der Uraufführung „Boccalero“ nähert sich Laura Stellacci der widersprüchlichen Figur der Aktivistin und Nonne Sister Karen Boccalero und übersetzt biografische Radikalität in eine körperliche Erinnerung.

Ergänzt werden diese Arbeiten durch Gesprächs- und Mitmachformate, die konkrete demokratische Praxis stärken. Das Programm mit Workshops, Talkrunden und Lesungen, das in Kooperation mit der Frankfurter Stabsstelle Antidiskriminierung entsteht, greift Extremismustendenzen, Antidiskriminierung und Schwarzes Empowerment auf und lädt zur aktiven Auseinandersetzung ein. Auch musikalisch bleibt der Mousonturm ein Ort des Experiments: Das IEMA-Ensemble 2025/26 trifft auf Continuum XXI und rückt mit Uraufführungen und einem Schwerpunkt zum Schwärmen kollektive Dynamiken zwischen Alter und Neuer Musik in den Mittelpunkt. Für Jugendliche bietet die Junge Theaterwerkstatt am Zoo offene Treffpunkte, Clubs und Gastspiele – von popkultureller Selbstbefragung bis zu poetischem Widerstand gegen autoritäre Regime. Mit der Uraufführung von Center of the Universe feiert die Junge Theaterwerkstatt am 6. Februar ihren Programmstart 2026. Regisseurin Hannah Biedermann ist nach Auszeichnungen mit dem Theaterpreis Faust und dem Tabori Preis aktuell Deutschlands erfolgreichste Regisseurin für junges Publikum. Die Koproduktion entwickelt sie gemeinsam mit TheaterGrueneSosse und der Frankfurter Jugendband D.I.N.S..

HIGHLIGHTS IM FEBRUAR

Julian Warner – Der Soldat. Ein Übergangsritual

4./5.2., 20 Uhr, Mousonturm

Julian Warner setzt sich in seinem Solo mit Frantz Omar Fanon und der Rolle von Gewalt in politischen Befreiungsbewegungen auseinander. Begleitet von Live-Schlagzeug wird die Verwandlung zum Soldaten körperlich erfahrbar und stellt die Frage, wie sehr militärisches Denken heute gesellschaftliches Handeln prägt.

Magda Szpecht – She stands in the middle of the battlefield

20./21.2., 20 Uhr, Mousonturm

Ausgehend von Text- und Sprachnachrichten einer Freundin an der ukrainischen Front entwickelt Magda Szpecht eine eindringliche Auseinandersetzung mit Krieg und Geschlechterverhältnissen. Zwischen Idealismus, Erschöpfung und struktureller Gewalt fragt das Stück danach, wem der Körper der Soldatin gehört.

Laura Stellacci – Boccalero

Uraufführung, 26./27.2., 20 Uhr, Mousonturm

In einer tänzerischen Annäherung erinnert Laura Stellacci an die widersprüchliche Figur der Aktivistin und Nonne Sister Karen Boccalero. Drei Tänzerinnen verdichten Biografie, Projektion und Widerstand zu einer körperlichen Hommage an eine Frau, die sich konsequent gesellschaftlichen Zuschreibungen entzog.

PERFORMANCE

Auerbach, Boyny, Hoz-Klemme und Chor der melancholischen Männer –

Angst/Fressen/Männerherzen

7./8.2., Frankfurt LAB

Der Chor der melancholischen Männer kehrt zurück und befragt familiäre Rollenbilder und Männlichkeitsentwürfe in einer alternden Gesellschaft. Gemeinsam mit Jakob Boyny und Vincent Eissing-Boyny entsteht eine Arbeit über Nähe, Verantwortung und die Möglichkeit solidarischer Zukunftsentwürfe.

GESPRÄCH

Über Sündenböcke und Phantasmen. Faschisierung als Heilsversprechen –

Fiona Kalkstein im Gespräch mit Anna Rosa Ostern

11.2., 19 Uhr, Mousonturm

Die Veranstaltung beleuchtet Faschisierung als Prozess der Attraktivmachung und fragt nach psychologischen Mechanismen, die autoritäre Versprechen in Krisenzeiten wirksam werden lassen.

Dance All Over. Beziehungsweise Tanz, Modul 2 Imagine Social Choreography

13./14.2., Mousonturm

Die Fortbildung für Lehrkräfte untersucht die Verbindung von Tanz und sozialen Themen. Die Teilnehmenden entwickeln choreografische Scores, um gesellschaftliche Fragestellungen durch Bewegung erfahrbar zu machen und soziale Dynamiken zu reflektieren.

Demokratie stärken, solidarisch handeln

3./9./10./12.2., Mousonturm

Im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie Frankfurt am Main werden Talkrunden, Workshops und Lesungen zu Extremismustendenzen, Antidiskriminierung sowie Schwarzem Empowerment angeboten. Die Veranstaltungen finden im Black History Month statt und laden zum Austausch und Mitmachen ein.

MUSIK

Swarm Music – IEMA-Ensemble & Continuum XXI

13.2., 20 Uhr, Mousonturm

Mit Werken von Georg Friedrich Haas, Alberto Arroyo, Eloain Lovis Hübner sowie zwei Uraufführungen widmet sich das Konzert kollektiven Dynamiken zwischen Alter und Neuer Musik und steht im Zeichen des Festivalthemas „Schwärmen“.

JUNGE THEATERWERKSTATT AM ZOO

Center of the Universe, TheaterGrueneSosse und Hannah Biedermann

Uraufführung, 6./7.2., 19 Uhr; 10.2., 10 Uhr

Zwischen Popkultur, Träumen und Scham verhandelt das Stück Fragen nach Sichtbarkeit, Erfolg und Selbstbildern und bringt zwei Generationen ins Gespräch.

25./26.2., 10 Uhr (mit deutscher Gebärdensprache); 26.2., 19 Uhr

Ein poetisches Stück über Macht, Sprache und Widerstand. Im Anschluss an die Vorstellung am 26.2. um 19 Uhr findet die Starke-Stücke-Festivalparty statt.

Offenes Haus

Jeden Montag, 16 – 20 Uhr

Das Offene Haus lädt Jugendliche dazu ein, Theater als eigenen Ort zu nutzen, kreativ zu arbeiten oder einfach Zeit miteinander zu verbringen. Kommen und Gehen ist jederzeit möglich, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Theater-Club

Jeden Montag, 16.30 – 18.30 Uhr

Im Theater-Club erproben Jugendliche gemeinsam das Schreiben, Inszenieren und Spielen. Der Club richtet sich an 11- bis 15-Jährige und findet außer in den hessischen Schulferien regelmäßig statt.

Lehrer*innenfortbildung „Mit jungen Menschen zeitgenössisches Theater sehen“

18.2., 14.30 – 19 Uhr, TheaterGrueneSosse, Löwenhof

Die Fortbildung vermittelt Zugänge zu zeitgenössischem Theater und Methoden für die Arbeit mit Schulklassen.

Starke Stücke – Starke Worte

23.2., 16 Uhr

Ein Gesprächsformat im Rahmen des Festivals „Starke Stücke“.

Denkwerkstatt besser beefen, Janna Pinsker und JourNutz

27.2., 17 Uhr

Ein partizipatives Angebot für junges Publikum.

DAS KÜNSTLER*INNENHAUS MOUSONTURM

Seit über 30 Jahren zählt das Künstler*innenhaus Mousonturm in Frankfurt zu Deutschlands führenden Theatern für die zeitgenössischen freien darstellenden Künste. Das internationale Produktionshaus entwickelt und präsentiert Tanz, Theater, Performance und Musik und produziert neue Werke von wegweisenden Künstler*innen aus der Rhein-Main-Region, dem deutschsprachigen Raum und vielen Orten weltweit. Als Bühne, Werkstatt und Resonanzraum für neue Formen künstlerischer Praxis ermöglicht der Mousonturm Begegnung, Perspektivwechsel und gesellschaftlichen Dialog.

Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt am Main GmbH

Waldschmidtstraße 4

60316 Frankfurt am Main

www.mousonturm.de

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