Glas | Beton | Metall verfolgt Handelswege und Ressourcenströme, die in zutiefst ungleiche koloniale und imperiale Wirtschaftsbeziehungen und Geopolitiken eingebunden waren. Die Ausstellung thematisiert die Irritationen, Verwerfungen, aber auch Aufbrüche, die mit den Materialinnovationen zu Beginn der 1920er Jahre verbunden waren – und schlägt damit eine Brücke zu aktuellen Debatten über Nachhaltigkeit, Ressourcengerechtigkeit und globale Produktionsbedingungen. Glas Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird der Baustoff Glas zu einem der wichtigsten Medien einer neuen Architekturauffassung. Die „Glasarchitektur“, schreibt Walter Gropius 1926, zeige „ein verändertes raumempfinden, das das prinzip der bewegung, des verkehrs unserer zeit in einer auflockerung der baukörper und räume widerspiegelt, das die abschließende wand verneint und den zusammenhang des innenraums mit dem allraum zu erhalten sucht.“ Aus mineralischen Feststoffen unter Hitze zu einem durchsichtigen Material verwandelt, ist Glas der Stoff einer künstlichen Transformation – und verkörpert damit auch die Umbrüche der Moderne selbst.
Der erste Teil der Ausstellung untersucht die technischen, ästhetischen und symbolischen Dimensionen dieses Materials, das Architektur neu dachte und den Blick auf die Welt veränderte.
Beton Das Grundgerüst des Bauhausgebäudes besteht aus einem Stahlbetontragwerk. Was es zur Erbauungszeit des Bauhauses 1925/26 bedeutete, eine solche Tragkonstruktion zu realisieren, welche Voraussetzungen, Rahmenbedingungen und Prozesse damit verbunden waren, steht im Fokus des zweiten Ausstellungsteils. Beton ermöglichte neue architektonische Freiheiten und Konstruktionen. Zugleich thematisiert die Ausstellung die erheblichen Eingriffe in Landschaft und Ökosysteme, die mit der Gewinnung von Rohstoffen für die Betonproduktion einhergehen – damals wie heute. Die Ambivalenz dieses Baustoffs zwischen Innovation und ökologischer Belastung wird dabei ebenso sichtbar wie seine zentrale Rolle für die Moderne. Metall
In der Lehre und in den Produkten der Metallwerkstatt, in Stahlhausentwürfen sowie auf der Bauhausbühne mit dem „Tanz in Metall“ entfaltete sich ein neuer, utopisch aufgeladener Gestaltungswille und die Orientierung auf das Industrieprodukt. Die Begeisterung erstreckte sich zugleich auf technische Experimente anderer, wie die der Dessauer Junkers-Werke.
Am Bauhaus wurden Stahl und Aluminium die bevorzugten Metalle, denn nun ging es vorrangig um die Gestaltung von Leuchten und Metallmöbeln, die mit den Architekturprojekten des Bauhauses korrespondierten. Der dritte Ausstellungsteil zeigt jedoch auch, dass die Gewinnung und Verarbeitung von Metallen die intensive Ausbeutung natürlicher Ressourcen und menschlicher Arbeitskraft bedeutete – ein Aspekt, der in der Rezeptionsgeschichte des Bauhauses lange ausgeblendet wurde.
Begleitprogramm: Materialgespräche Begleitend zur Ausstellung findet im Bauhausgebäude die Reihe Materialgespräche statt. Mit wechselnden Gästen aus Produktion, Wissenschaft und Gestaltung begeben sich die Veranstaltungen auf die Spuren der Stoffe und Materialien, aus denen das Bauhausgebäude gemacht ist. Materialgespräch Glas 23. April 2026, 16 Uhr Materialgespräch Beton 21. Mai 2026, 16 Uhr Materialgespräch Metall 25. Juni 2026, 16 Uhr


