Deutsches Literaturarchiv Marbach im April 2026


Donnerstag, 9., und
Freitag, 10. April,
jeweils 10 bis 16 Uhr
Schiller-Nationalmuseum
Ferienworkshop: Reisen mit dem Stift in der Hand

Wie beschreibt man einen Ort, den man nicht kennt? Und wie sieht man Landschaften und Gegenden, ohne dort gewesen zu sein? Schillers Theaterstücke spielen in den unterschiedlichsten Ländern – in der Schweiz, Frankreich, Italien, Spanien, England und Russland –, doch hat er diese Länder niemals selbst bereisen können. Wie gelang es ihm, von seinem Schreibtisch aus so anschaulich über sie zu dichten? Im Rahmen des Ferienworkshops bewegen wir uns durch das neu eröffnete Schiller-Nationalmuseum, verfolgen Schillers Denk- und Schreibspuren und vertiefen uns in eigene Schreibtischreisen.

Alter: 8–13 Jahre
Kosten: 30,- EUR
Anmeldung:
verena.staack@dla-marbach.de

Frankreichkarte aus dem Besitz Friedrich Schillers. Foto: DLA Marbach.

Montag 13. April, 19 Uhr
Literaturmuseum der Moderne, Leibinger-Auditorium
Das Lyrische Quartett – Gedichte im Gespräch
Mit Maren Jäger, Jan Bürger, Gregor Dotzauer und einem Gast.
Rezitation: Birgitta Assheuer

Für das Lyrische Quartett haben sich das Lyrik Kabinett München, Deutschlandfunk Kultur, die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung und das Deutsche Literaturarchiv zusammengetan. Erklärtes Ziel ist dabei, dem Gedicht mehr Gehör zu verschaffen, dieser kleinsten und vielleicht anspruchsvollsten literarischen Form. Nur selten tritt die Lyrik aus dem Schatten der weiten Romanpanoramen und lauten Tragödien heraus. Wenn es aber doch gelingt, dann kann vor einem »geheimen Wort« das »ganze verkehrte Wesen« fortfliegen. Das wusste bekanntlich schon Novalis. Im April kehrt der kleine literarische Wanderzirkus nach zwei Abenden in München auf die Schillerhöhe zurück – moderiert von Maren Jäger. Wieder einmal wird von Versen und Strophen geschwärmt und über sie gestritten, live und ungeschützt. Die Frankfurter Rezitatorin Birgitta Assheuer leiht den ausgewählten Gedichten ihre Stimme, und Deutschlandfunk Kultur wird die Aufzeichnung der Veranstaltung anschließend senden.

Eine Kooperation des Deutschen Literaturarchivs Marbach, des Lyrik Kabinetts München, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und von Deutschlandfunk Kultur.

Mittwoch, 22. April, 10.30 Uhr
Deutsches Literaturarchiv Marbach
Jenny Erpenbeck liest in Marbach!

Die renommierte Autorin Jenny Erpenbeck ist zu Gast im Deutschen Literaturarchiv Marbach und ermöglicht Schülerinnen und Schüler bei einer Lesung Einblick in ihr Werk. Im Mittelpunkt steht ihr vielfach ausgezeichneter Roman Heimsuchung, der seit 2024 eine der Pflichtlektüren in Baden-Württemberg ist.

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

Anmeldung und Rückfragen:
annika.deibel@dla-marbach.de

Mittwoch, 22. April, 19 Uhr
Archivgebäude, Humboldt-Saal
Vom Leben mit Büchern: Die Booker-Preisträgerin Jenny Erpenbeck liest Christine Lavant

Christine Lavant nannte sich einst nach einem Fluss in Kärnten und wurde eine der großen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts. Jenny Erpenbeck entdeckte die 1973 verstorbene Außenseiterin der österreichischen Literatur für sich, als sie mit Anfang 30 einige Jahre in Graz lebte. Es waren Jahre einer persönlichen Umorientierung, zu der auch die Verse Lavants gehörten – in all ihrer Schönheit, Abgründigkeit und Brutalität, die mitunter aus einer anderen Wirklichkeit zu stammen scheinen. Jenny Erpenbeck hat über das Lavant-Lesen ein Buch für die von Volker Weidermann herausgegebene Reihe ›Bücher meines Lebens‹ geschrieben (Kiepenheuer & Witsch Verlag). Zudem hat sie eine Auswahl ihrer berührenden Gedichte im Wallstein Verlag herausgegeben. Seit heute, aber für immer, hat sie den Band genannt. Dieser Zeile wohnt eine Wucht inne, die durchaus an Erpenbecks eigene Bücher erinnert. Besonders an ihren Welterfolg Kairos, für den sie 2024 mit dem International Booker Prize ausgezeichnet wurde. Seitdem ist die Autorin viel auf Reisen. 2025 hat sie unter anderem auf Bali gelesen. Da schadet ein erneuter Blick auf eine ihrer Lieblingsautorinnen nicht – das Wiederlesen der immer noch viel zu unbekannten Gedichte und Briefe von Christine Lavant, von denen sich einige auch in den Magazinen des Deutschen Literaturarchivs finden. Moderation: Jan Bürger.

Eintritt: € 9,- / € 7,- (erm. DSG)

Mittwoch, 22., bis Freitag, 24. April
Archivgebäude, Tagungsbereich
Tagung
Sentimental Futures

Das Sentimentale wird häufig mit Nostalgie und dem Schwelgen in Erinnerungen in Verbindung gebracht. Eine solche temporale Verengung verdeckt jedoch die Wirkmächtigkeit des Sentimentalen als zukunftsorientierten affektiven Code – als emotionaler Antizipation des Kommenden. Vergangenheit und Zukunft sind gleichermaßen unverfügbar; gerade diese Unverfügbarkeit macht beide Zeithorizonte zu produktiven Schauplätzen sentimentaler Projektion. Die internationale Konferenz betrachtet die Sentimentalisierung des Zukünftigen als kulturelle Praxis und fragt danach, wie Ungewisses in stabilisierende und legitimierende Zukunftsvisionen transformiert wird. In der von ökologischen Krisen, affektiver Polarisierung und (digitaler) Beschleunigung geprägten Gegenwart manifestieren sich solche Praktiken in vielfältigen Formen. Dabei zeigt sich, wie Sentimentalität individuelle Emotionen mit kollektiven, normativen Visionen verknüpft. Die Konferenz fokussiert daher das Sentimentale als entscheidende emotionale Ressource, um Kommendes zu imaginieren, zu hinterfragen und Wege in einer unsicheren Zukunft zu finden. – Die Tagung findet auf Englisch statt.

Internationale Konferenz in Verbindung mit dem Graduiertenkolleg ›Das Sentimentale in Literatur, Kultur und Politik‹ der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Donnerstag, 23. April, 19 Uhr
Literaturmuseum der Moderne, Berthold-Leibinger-Auditorium
Zeitkapsel 65
Voix françaises à Marbach. Spurensuche im Deutschen Literaturarchiv
Mit Elisabeth Edl, Wolfgang Matz und Nikola Herweg

In den Schatzkammern des Deutschen Literaturarchivs auf der Marbacher Schillerhöhe liegen zahlreiche Schriftstücke in französischer Sprache. In den Nachlässen frankophiler deutscher Autorinnen und Autoren, in Beständen von Besatzern wie Exilant/-innen, in Übersetzer/-innen- und Verlagsarchiven findet sich mitunter Überraschendes: Korrespondenzen großer französischer Schriftstellerinnen von Colette bis Marguerite Yourcenar, ein besonderes Widmungsexemplar von Marcel Proust, ein betrunkener Brief des jungen Schweizer Malers Andreas Walser an Jean Cocteau, Rainer Maria Rilkes Übersetzungen der Sonette Louise Labés, Texte, die Celan als Übersetzer wie Übersetzten sichtbar machen, Fotos aus dem (Kriegs-)Alltag des legendären Verlags Gallimard, ein berührender Brief aus dem besetzten Prag ans Kind im britischen Exil, Zeugnisse der Kollaboration wie des Widerstands im Zweiten Weltkrieg …
Über solche Archivfunde und ihre unterschiedlichen Wege ins Deutsche Literaturarchiv spricht Nikola Herweg (DLA) mit zwei profunden Kennern der französischen Literatur und Verlagsszene, der vielfach ausgezeichneten Übersetzerin Elisabeth Edl und dem Literaturwissenschaftler und ehemaligen Hanser-Lektor Wolfgang Matz.

Im Rahmen der 22. Französischen Wochen.

Fächer mit einer Widmung von Jean Cocteau an Julia Daudet (»Madame Alphonse Daudet«) aus dem Besitz von Emmanuel Boudot-Lamotte. Foto: DLA Marbach (Anja Bleeser).

Donnerstag, 30. April, 19 Uhr
Potsdam, Villa Quandt, Große Weinmeisterstr. 46/47
Selbstverteidigung literarisch 2
Theodor Fontanes Vor dem Sturm
Mit Hedwig Richter und Iwan-Michelangelo D’Aprile.

Was tun, wenn die eigene Kultur bedroht wird? Welcher geistigen Voraussetzungen bedarf es, um die Lage zu verstehen und entsprechend zu handeln ‒ um resilient zu werden? Im Rahmen einer deutschlandweiten Veranstaltungsreihe diskutieren die Demokratieforscherin Hedwig Richter und der Fontane-Biograf Iwan-Michelangelo D’Aprile diese Fragen ausgehend von Fontanes Vor dem Sturm. Begleitend liest die Schauspielerin Katharina Thalbach aus dem Roman, der zu Beginn der preußischen Befreiungskriege spielt.

In Kooperation mit dem Theodor-Fontane-Archiv.

Eintritt: € 10,-
Anmeldung: www.fontanearchiv.de

Ausstellungen

Schiller!
Dauerausstellung im Schiller-Nationalmuseum

Friedrich Schiller thematisiert zentrale Anliegen seines Zeitalters, macht in seinen Dramen und historischen Schriften immer wieder Europa und dessen Geschichte zum Schauplatz und Thema, versteht sich als ›Weltbürger‹. Seine Verse wurden zu geflügelten Worten, bis heute gilt er als Dichter der Freiheit und Rebellion.
Die neue Schau im Schiller-Nationalmuseum rückt mit rund 400 Exponaten – Manuskripten, Briefen und Büchern, Bildern und Skulpturen – die politische Dimension von Schillers Werk in den Fokus und zeigt den Autor zugleich im Kontext anderer Autorinnen und Autoren des 18. und 19. Jahrhunderts. Inwiefern prägten Schillers Lebenserfahrungen sein Verständnis von Politik, Freiheit und Gesellschaft? – Wie wirkten sich Ortswechsel, zunächst Flucht und Exil, später vor allem imaginierte Reisen, auf Leben und Werk aus? – Wie fand er zwischen Finanznot und Freiheitsdrang, zwischen Brotberuf und Dichterdasein seinen Weg zum freien Schriftsteller? – Welche Rolle spielten die europäischen Werte der Französischen Revolution in seinem Leben und in seinen Texten? – Wie wurde er unmittelbar nach seinem Tod bereits zur Kultfigur?

›Schiller!‹ wird von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen der Digitalisierungsinitiative des Bundes sowie von der Wüstenrot Stiftung gefördert.

Und dann und wann ein weißer Elefant. Rilkes Welten
Eine Wechselausstellung im Literaturmuseum der Moderne
bis Januar 2027

Rainer Maria Rilke zählt national und international zu den wichtigsten deutschsprachigen Autoren. Das Jahr 2026 wird aus doppeltem Anlass literarisch im Zeichen Rilkes stehen, ist es doch gerahmt von seinem 150. Geburtstag am 4. Dezember 2025 und seinem 100. Todestag am 29. Dezember 2026.

Das Deutsche Literaturarchiv, das seit seiner Gründung 1955 systematisch Materialien von Rainer Maria Rilke archiviert, besitzt eine der weltweit bedeutendsten Rilke-Sammlungen, die mit der Übernahme des Rilke-Archivs Gernsbach (RAG) im Jahr 2022 noch einmal umfassend erweitert wurde. Die Ausstellung zum Jubiläumsjahr kann so aus dem Vollen der Bestände schöpfen, den ›ganzen‹ Rilke in seinen verschiedenen Handlungsrollen und biografischen Beziehungsnetzwerken sichtbar machen und in der zeitgenössischen literarischen Landkarte verorten. Die Schau richtet den Blick auf die verschiedenen sozialen, intellektuellen und künstlerischen Welten, in denen Rilke lebte und verkehrte — und ebenso auf jene Welten, die er literarisch gestaltete. Dabei wirft sie Schlaglichter auf Rilke als Autor und Netzwerker im zeitgenössischen Literaturbetrieb, auf seine familiären, freundschaftlichen und amourösen Beziehungen, auf seine Ambitionen als Bürger und Künstler, auf Rilke als Reisenden, Lesenden, Schreibenden, Sammelnden und Zeichnenden sowie auf Rilkes (eigene) Darstellung im Bild.
Insgesamt werden rund 200 Exponate und alle vorhandenen Materialarten und Objekttypen gezeigt: Manuskripte, Briefe, Notizbücher, Skizzen, Bücher, Bilder und Objekte. Die interaktive und multimediale Ausstellung ist für eine Dauer von 12 Monaten im Literaturmuseum der Moderne zu sehen.

›Und dann und wann ein weißer Elefant. Rilkes Welten‹ wird gefördert von der Baden-Württemberg Stiftung.

Die Seele 2
Die Schausammlung im Literaturmuseum der Moderne

In der Schausammlung zum 20. Jahrhundert zeigen wir über 180 Exponate aus den Sammlungen des Deutschen Literaturarchivs Marbach – von 1899 bis 2001 und von Arendt bis Zuckmayer. Zu den Exponaten gehören unter anderem Stücke aus den Nachlässen von Hannah Arendt, Gottfried Benn, Paul Celan, Hilde Domin, Alfred Döblin, Hans Magnus Enzensberger, Hermann Hesse, Robert Gernhardt, Franz Kafka, Ernst Jünger, Heinrich Mann, Else Lasker-Schüler, Rainer Maria Rilke, W. G. Sebald und Carl Zuckmayer. Im Mittelpunkt stehen dabei diese Fragen: Warum Literatur im Archiv erfahren? Was macht diese Erfahrungen so einzigartig, und wie werden sie für uns alle zugänglich? Welche Bilder von der ›Literatur‹ und von der ›Welt‹ sind mit diesem Archiv der Literatur verbunden? Die Schausammlung wird durch zwei interaktive digitale Präsentationsformen erweitert.

›Mit der Seele schreiben‹ wurde im Rahmen von ›Neustart Kultur‹ des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. ›Literaturbewegen‹ ist Teil des vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg geförderten Projekts ›Literatur digital lesen. Forschung in Aktion‹.

Öffentliche Führungen

Jeweils am letzten Sonntag im Monat:

11 Uhr durch die Dauerausstellung ›Die Seele 2‹ im Literaturmuseum der Moderne
13 Uhr durch die Dauerausstellung ›Schiller!‹ im Schiller-Nationalmuseum
14 Uhr durch die Wechselausstellung ›Und dann und wann ein weißer Elefant. Rilkes Welten‹ im Literaturmuseum der Moderne

Dauer: jeweils 60 Minuten
Preis: 5 € pro Führung zzgl. Museumseintritt (9 € / erm./DSG 7 €)

Karten

Für Mitglieder der DSG und des Freundeskreises
Rezeption des Deutschen Literaturarchivs Marbach: Telefon: 07144-848-0

Allgemeiner Vorverkauf:
www.reservix.de
www.dla-marbach.de/service/vorverkauf/

 

Kalender – DLA Marbach