
Sitzring, 1991
Ausführung: Anthologie Quartett
Buche, Stoffbezug
H. 64 cm, Dm. 110 cm
Sammlung Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Foto: Roman Mishchuk/MK&G
Gefährten der „Wirbel Wichtel“ können Kinder bunte Spuren malen und so wird die Verbindung von Möbel, Bewegung und Spiel sichtbar gemacht. Mit einem überdimensionalen Steckspiel lassen sich unterschiedliche Sitzhöhen ausprobieren – und dabei spielerisch verschiedene Körperhaltungen entdecken. An einer Stempel- und Malstation können große und kleine Designer*innen ihre individuellen Stuhlentwürfe gestalten und mit den vier Figuren der Ausstellung – Dös, Wackel, Hotzl und Pling – kreativ werden. Ergänzend laden ausgewählte Sitzmöbel, darunter ein Armlehn- und ein Spielstuhl, dazu ein, verschiedene Formen des Sitzens unmittelbar zu erproben.
Kapitel der Ausstellung
Die Ausstellung umfasst vier Kapitel: Das Thema Vielfalt zeigt die große Bandbreite von Kinderstühlen – von unterschiedlichen Materialien und gestalterischen Ansätzen. Die Objekte laden in einer an ein Magazinregal erinnernden Präsentation zum Entdecken ein. Neben Miniaturen erfolgreicher Entwürfe für Erwachsene – wie beispielsweise Marcel Breuers berühmter Freischwinger „B34 (3/4)“ (1929) oder der „Lou Lou Ghost“ (2008) von Philippe Starck – werden hier auch technologische und gestalterische Entwicklungen sichtbar, die parallel zum Möbeldesign für Erwachsene verlaufen.

Schaukelwagen, 1950
Ausführung: Gottfried Lenz, Berggießhübel
Buche, Sperrholz, Gummi, Metall
H. 37 cm, B. 40,3 cm, T. 101,5 cm
Sammlung Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Foto: Roman Mishchuk/MK&G
Form – von hoch bis tief stellt zwei besonders prägende Typen von Kinderstühlen gegenüber: Hocker und Hochstühle. Beide sind in kindlichen Lebenswelten allgegenwärtig. Niedrige Hocker passen sich der Körpergröße von Kindern an und holen die Kleinsten buchstäblich dort ab, wo sie stehen. Einige Modelle lassen sich durch eine Wendefunktion in der Sitzhöhe variieren und wachsen so ein Stück weit mit, wie zum Beispiel der Ikea-Wendestuhl „Anna“ (1963). Hocker sind leicht, mobil und oftmals stapelbar – Eigenschaften, die sie besonders für den Einsatz in Kitas, Kindergärten oder Schulen geeignet machen.
Demgegenüber stehen Hochstühle, die Babys und Kleinkinder auf Tischhöhe bringen. Bei ihnen spielen Sicherheitsaspekte eine zentrale Rolle: Konstruktionen stützen den Körper oder fixieren ihn teilweise, um ein sicheres Sitzen zu ermöglichen. Historisch finden sich darunter auch sogenannte Zwangsmöbel, die Kinder sicher verwahren sollten, während Erwachsene ihren Tätigkeiten nachgingen oder ihre Haltung korrigieren, wie beim „Korrektur Stuhl“ von 1931.
Heute stehen dagegen Teilhabe, Selbstständigkeit und Nachhaltigkeit stärker im Fokus. Ein Beispiel dafür ist der seit den 1970er-Jahren verbreitete Kinderstuhl „Tripp Trapp“ von Peter Opsvik für den Möbelhersteller Stokke, dessen modulare Konstruktion sich an unterschiedliche Altersstufen anpassen lässt und eine Nutzung bis ins Schulalter ermöglicht.
Das Kapitel Funktion widmet sich Kinderstühlen, die über das reine Sitzen hinausgehen. Einige Möbel zeichnen sich durch ihre verspielte Gestaltung aus, dazu gehören „Hippo“ (1993) von Wolfgang Rebentisch und der „Schaukelwagen“, entworfen 1950 von Hans Brockhage. Damit reagieren sie auf einen grundlegenden Widerspruch zwischen kindlichem Bewegungsdrang und der statischen Ausrichtung von Sitzmöbeln. Dynamische Haltungs- und Nutzungsmöglichkeiten eröffnen hier neue Spielräume.
Die Gestaltung orientiert sich häufig an kindlichen Interessen und Erfahrungswelten. Einige Sitzgelegenheiten lassen sich verwandeln, andere Stühle erinnern in ihrer Form an sympathische Tiere, die zu Gefährten werden. Der 1945 von Charles und Ray Eames entworfene „Elefant“ zählt zu den bekanntesten Beispielen. Historisches Vorbild für diese Verbindung von Möbel und tierischem Spielobjekt ist das Schaukelpferd.
Der Bereich Farbe widmet sich der Bedeutung von Farbgestaltung im Design von Kinderstühlen. Helle, bunte Töne sprechen Kinder besonders an, fördern positive Emotionen und können entwicklungspsychologische Effekte unterstützen.

Die Auswahl konzentriert sich auf das Farbspektrum von Gelb über Orange bis Rot. Ikonische Kunststoffstühle der 1960er- und 1970er-Jahre wie der „Zocker“ (1972) von Luigi Colani und „Jumbo“ (1968) von Alberto Rosselli treffen auf einen hölzernen Armlehnstuhl von Bauhausgestalter Erich Dieckmann aus den 1920er Jahren sowie dem bekannten Spaghetti-Stuhl von Giandomenico Belotti aus Metall und Kunststoffschnüren in sogenannter Spaghetti-Bespannung.
Gestaltung
Die Ausstellungsgestaltung wurde von Max Guderian entwickelt, die Ausstellungsgrafik stammt von Larissa Mantel. Die Ausstellung wird unterstützt vom Ausstellungsfonds der Freien und Hansestadt Hamburg und die Hans Brökel Stiftung für Wissenschaft und Kultur.
Museum für Kunst
und Gewerbe Hamburg
Steintorplatz
D-20099 Hamburg
#mkghamburg
Öffnungszeiten
Di–So 10–18 Uhr
Do 10–21 Uhr
Eintritt
14 € / ermäßigt 8 €
jeden ersten Donnerstag im Monat 18–21 Uhr frei
unter 18 Jahren frei
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