Hessischer Architektenpreis anlässlich vorbildlicher Bauten im Land verliehen Preisverleihung

Vorbildliche Bauten im Land Hessen, unter diesem Vorzeichen steht der Staatspreis für Architektur und Städtebau. Preisträgerinnen und Preisträger des Jahres 2026 waren nach Wiesbaden eingeladen. Die feierliche Übergabe fand am 20. Oktober im Finanzministerium des Landes Hessen im Veranstaltungssaal des 1. OG statt. Während der Preisverleihung hatten Mitarbeiter des Finanzministeriums noch mit ihrer Arbeit zu tun und wechselten häufig die Türen auf den Gängen. Ungestört davon kamen die zahlreichen Preisträger an die Reihe und nahmen Laudatio und Urkunde entgegen. Der Preis wird alle drei Jahre durch das Ministerium der Finanzen des Landes Hessen gemeinsam mit der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen (AKH) vergeben. Dieser stand in diesem Jahr unter dem Motto „Zwischen-Raum-Stadt-Land“. Die ausgezeichneten Projekte stehen in Kassel, Fulda, Hofbieber, Frankfurt, Darmstadt, Frankenberg (Eder) und Rüsselsheim.

Der Präsident der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, Gerhard Greiner räumte ein: „Gute Architektur und Stadtplanung müssen in einer Zeit, in der sich Lebensräume rasant verändern, Antworten auf die Folgen des Klimawandels und des demografischen Wandels finden und dabei stets das soziale Miteinander im Blick haben. Der diesjährige Wettbewerb stand deshalb unter dem Motto ‚Zwischen-Raum-Stadt-Land‘ und unterstrich damit die Notwendigkeit der nachhaltigen Transformation von Stadt und Land.“

Gertrudis Peters während der Begrüßungsrede anlässlich Preisverleihung

Gertrudis Peters, stellvertretende Vorsitzende der AKH, sprach die Begrüßungsworte zu Anfang und legte auch gleich mit Wort ein in der anschließenden Diskussionsrunde. Sie moderierte zum Thema Zwischenräume in Stadt und Land. Es diskutierten Till Rehwaldt, Roland Krebs und Gerhard Greiner. Peters meinte: „Urbane Struktur geht relativ aggressiv zugange und dehnt sich immer weiter aus. Mehrwert dagegen schafft erst die Lebensqualität“. Müssen Leuchtturmprojekte immer ikonografisch sein? Können nicht kleinere Stadtbauten deren Ansprüche ebenso erfüllen, wenn es darum geht, eine Lücke im Stadtraum zwischen zwei Häusern zu schließen? Dann geht es doch darum, so unauffällig wie möglich zu bauen, um angepasst an die Umgebung zu bleiben. Das normale Stadthaus soll sich einfügen.

v.l.n.r.: Roland Krebs, Till Rehwaldt. Gerhard Greiner und Gertrudis Peters

Till Rehwaldt, Landschaftsarchitekt aus Dresden und einer der Juroren der diesjährigen Preisverleihung, betonte, Zwischenräume sind immer da, sind dynamischer Raum, Zwischenräume dienen dazu um Luft abzulassen, und um Wege zu finden wieder in die Natur zu kommen. Deshalb sollte die Landschaft, der Verkehr durch Verkehrsverbindungen verbessert werden. Schöne Wege für das Fahrrad gestalten, um ungezwungen in die urbane Mitte zu fahren. Roland Krebs, Architekt aus Wien, ebenfalls einer der Juroren, ergänzte, seit 30 Jahren sind Zwischenräume zum Hauptthema in der Diskussion geworden. „Raum der kurzen Wege“, so hieß die Deutung früher. Der Individualverkehr bietet keine Zukunftslösung mehr, „in 15 Minuten in der Stadt“ sein, lautete die Devise. Als Thomas Sieverts vor vielen Jahren die Zwischenstadt, zwischen Ort und Welt, Raum und Zeit, Stadt und Land, veröffentlichte, tat er dies in der Absicht, den städtischen Charakter einer im Entstehen befindlichen Realität zu erfassen, einer Wirklichkeit neu entstehender urbaner Gebiete. Davon sind wir heutzutage mit den Ansprüchen zum Glück weit entfernt. Heutzutage „geht es um die Wiedergewinnung verlorener Strukturen“, ergänzte Till Rehwaldt.

Die Schlussfrage lautete: Wie gelingt es aus den Orten den Transformationsprozess zu gestalten? Roland Krebs antwortete, wir brauchen einen Kompass der integrierten Planung. Till Rehwaldt sinngemäß: Integrierte Planung bedeutet, Dinge stärker untereinander zu vereinbaren wie bei der Wegeplanung.

Der international besetzten Jury lagen 106 eingereichte Projekte vor. Insgesamt gab es vier Preiskategorien: Architektur, Innenarchitektur, Freiraum- und Landschaftsplanung sowie Quartiersplanung und Stadtentwicklung. Die Jury nominierte aus allen Projekteinreichungen 23 Projekte und besichtigte diese vor Ort. In einer finalen Runde wurden insgesamt fünf Auszeichnungen und acht Anerkennungen verliehen. Weitere zehn Projekte stehen in der Shortlist ausgewählt aus den vier Preiskategorien. 

Preisverleihung an die Innenarchitekten zur Neugestaltung der Frankfurter Schirn in der Sophienstraße, hier mit der Urkunde Dr. Till Kaesbach, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Finanzen

SCHIRN x Dondorf-Druckerei – AK Hessen

Agentur des städtischen Wandels – AK Hessen

 Unter den Preisträgern mit Auszeichnung ist auch die Umgestaltung der Frankfurter Schirn, Dondorf Druckerei, als gelungen geltende Innenarchitektur im Interimsgebäude in der Sophienstraße, von Bjoern Schmidt Archi­tektur, Frankfurt am Main & raumlabor Bader Gerstenberg Hofmann GbR, Berlin, prämiert worden. Für die Agentur des städtischen Wandels, ebenfalls in Frankfurt, Braubachstraße 7, gab es eine Anerkennung in der Preiskategorie Quartiersplanung und Stadtentwicklung für temporäres Bauen, Entwurf: HGP Architekten Leben Kilian PartG mbB, Frankfurt am Main. R.M.

Eine Übersicht der Preisträgerinnen und Preisträger und ihrer Projekte erhalten Sie auf der Internetseite der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen. Weiter unten befindet sich ein Download zum Sustainability Paper 7 – Die Projektdokumentation zum Auszeichnungsverfahren VB 2026.

Preisverleihung 2026 – AK Hessen