Das Buch beginnt mit einem Prolog, warum dieses Buch entstanden ist. Bezug wird auf die Geschichte der Metzler Bank genommen und diese in Relation zur Gründung der Frankfurter Börse im Jahre 1585 gesetzt. Mit anderen Worten die Bank versucht ihre Rolle als Frankfurter Traditionsbank hervorzuheben. Dennoch wäre es nicht richtig von einer reinen Chronik für das Haus Metzler zu sprechen, dafür sind Inhalte zu verzweigt und vielfältig, die angeschnitten werden. Es werden grundsätzliche Fragen gestellt bezüglich Eigenschaften und Voraussetzungen die ein Finanzplatz mitbringen muß. Warum und wo ein solcher entsteht. Interessante Fragen sind dies auch in Bezug auf das 17. Jahrhundert, die Gründungsjahre der Bank.

Mit der frühen Entwicklung zum Handels- und Finanzzentrum bis 1648 setzt der chronologische Ablauf zur Bankengeschichte in Frankfurt am Main ein. Einer der Gründe warum sich gerade dieser Ort als Handelszentrum eignete, war die Tatsache, daß er sich am Schnittpunkt mehrerer alter Handelswege befand. Als Karl der Große im Jahre 794 n. Chr. die Stadt gründete, galt dieser noch als König der Franken und Frankfurt besaß eine Brückenfunktion für den relativ begrenzten einheimischen Handel. Karl der Große hatte die Furt als Sammelpunkt für seine Heere gegen die Sachsen ausgewählt. Im Jahre 790 gab er den Auftrag für den Bau einer Pfalz, die Frankfurt auf Dauer eine herausgehobene Stellung im Reich zukommen lassen sollte.

Im 11. Jahrhundert verdankte der Handelsplatz seinen Aufschwung der zunehmenden Nachfrage mit Produkten aus der orientalischen Welt, die zu Beginn der Kreuzzüge zum ersten Mal in Berührung mit den europäischen Ländern kam. Im Jahre 1184 bestätigte der Kaiser Zollfreiheit für Frankfurt. Seit 1240 verfügte die Stadt über das durch Friedrich II. garantierte Messeprivileg, das allen Besuchern der Frankfurter Messe einen besondern Schutz gewährte. Die früheste explizit literarische Erwähnung der Frankfurter Messe findet sich sich in hebräischen Aufzeichnungen bei dem Mainzer Rabbi Eliezer ben Nathan, aus dem Jahre 1152.

Renaissance
Die geistige Bewegung der Renaissance ging von Italien aus. Hier trat der mittelalterlichen Unterordnung in theokratische Systeme, wobei es sich um eine genossenschaftliche Bedarfsdeckungsgesellschaft mit geringer Fähigkeit zu Veränderungen handelte, seit dem 14. Jahrhundert der Humanismus entgegen, wie er durch Dante, Petrarca und Boccaccio vermittelt wurde. Ein neues Persönlichkeitsbewußtsein war geboren. Verweltlichung und Verbreitung von Bildung und Wissen traten neben den kirchlichen Einrichtungen, die im Mittelalter Wissenschaft und Lehre vor allem als Theologie betrieben in den Vordergrund.

Nicht nur Wechselbriefe, Girokonten und Transportversicherungen waren entstanden, sondern auch die doppelte Buchführung. Holtfrerich schreibt, auf den kosmopolitischen Horizont der Großkaufleute ist es zurückzuführen, daß sowohl Bildung als auch kulturelles Bewußtsein der Kaufleute dem der Handwerker und Bürgerschichten einerseits und dem Adel andererseits weit überlegen war und zitiert damit Paul Wescher, Großkaufleute der Renaissance (1940). Das ist natürlich Ansichtssache diese Frage auf diese Weise zu formulieren. Aber das sagt natürlich auch etwas darüber aus, welches Klientel hier angesprochen sein soll.

Edelmetallknappheit in Europa machte das multinationale Bergwerksimperium der Fugger seit dem späten 15. Jahrhundert zu einem gewinnträchtigen. Sie wurde erst durch die Ausbeutung der Gold- und Silbervorräte Lateinamerikas durch die Spanier im 16. Jahrhundert gemildert. Mit der Entdeckung neuer Seewege, vor allem Ende des 15. Jahrhunderts um das Kap der Guten Hoffnung nach Asien und der Entdeckung Amerikas durch Spanier und Portugiesen, wurde im 16. Jahrhundert die iberische Halbinsel zum Zentrum des Kaufmannskapitalismus im südlichen Europa. An den Knotenpunkten wuchsen die Städte.

Karl V. mußte ein besonderes Interesse an der Frankfurter Messe haben, nachdem Versuche in Lyon und Besançon ebenso eine Messe aufzubauen nicht glückten. Seit 1516 trugen Habsburger die spanische Krone. Nach Karl V. (1555-1598) regierte sein Sohn Philipp II. Die niederländischen Provinzen protestierten gegen die katholische Politik Philipp II. und öffneten sich der protestantischen Bewegung calvinistischer Prägung. Seit 1588 bildete sich die protestantische Republik der Vereinigten Niederlande, während die ethnisch verwandten Flamen im katholischen Herrschaftsbereich der Habsburger verblieben. Antwerpen wurde bis zum Westfälischen Frieden von 1648 von diesen Auseinandersetzungen besonders hart getroffen. Als Reaktion flüchteten Kaufleute nach Frankfurt.

Ausblick
Auf diese Weise setzt sich die Beschreibung in der Historie fort. Nach Renaissance folgen Merkantilismus und der mißlungene Übergang zum Industriezeitalter bis in die Gegenwart. Schließlich gibt der Autor einen Ausblick auf das 21. Jahrhundert. Vom Reformstau über die duale Handelsplattform schließt die Chronik zum Finanzplatz Frankfurt am Main ab.

Finanzplatz Frankfurt
Von der mittelalterlichen Messestadt zum europäischen Bankenzentrum
von Carl-Ludwig Holtfrerich
C.H. Becksche Verlagsbuchhandlung, München
1. Auflage 1999
372 Seiten, gebunden
ISBN-10: 3-406-45184-5
ISBN-13: 978-3406451843
Gewicht: 925g
Größe: 24,5x16x4 cm

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