Marco Atzberger, Mitglied der Geschäftsleitung, EHI Retail Institute, sagte: „Viel Freizeit bedeutet mehr Zeit zum Einkaufen gehen“. Das ist eine einfache wie plausible Rechnung. Eine Story zu haben, um Papier zu verkaufen, dafür ist die Messe der geeignete Ort. Ist ebenso plausibel. Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt, hob die Volatilität der Märkte hervor. 2967 Aussteller aus 66 Ländern in Frankfurt auf der Paperworld, Creativeworld und Christmasworld vom 26. – 29. Januar 2013
Nach aktuellem Stand gibt es 455 Shopping Center in Deutschland. Etwa 10 Prozent des Einzelhandels werden dort getätigt. 2012 waren es noch 9,4 Prozent. Der Markt ist zwar gesättigt, heißt es, aber der Kunde will stimuliert werden, weshalb auch auf baulicher Seite nach neuen Möglichkeiten gesucht wird, um neue Kunden zu gewinnen. Der Einzelhandelsumsatz in Shopping Centern lag für 2012 bei 39,7 Mrd. Euro. Hier ist ein stetiger Anstieg am Umsatz seit 2007 zu verzeichnen.
Shopping Center werden zum Beispiel in ihrer baulichen wie räumlichen Ausdehnung kleiner sein als dies bisher der Fall war. Dieser Trendentwicklung sieht Stephan Jung jedoch mit positiven Blicken entgegen. Vielleicht ist das eine Chance für den Einzelhandel wieder an seine Ursprungsorte zurückzukehren?
Denn auch die Rückkehr des Shopping Centers in die Innenstadt bleibt nach wie vor ein Thema. Bisher verliefen die großen Einkaufszentren meist in einem Ring um die Ballungsräume herum, so dass zum Teil künstliche Einkaufsinseln geschaffen wurden mit kompletter städtebaulicher Infrastruktur, um so die Erreichbarkeit der Zentren aus allen Richtungen zu ermöglichen.
Shopping Center als vitaler und integraler Part der Stadt oder als Werkzeug der Stadtreparatur, so ist das Verständnis. Die Shopping Center der sechsten Generation gelten als zur Stadt offene und einladende Einkaufsstätten. Als Beispiel wurden die Höfe am Brühl bei Leipzig erwähnt. Aber auch manche Altstadt in Fachwerkbauweise sollte wohl vom Shopping Center auf verteilter Fläche profitieren. Aber hier sind kritische Stimmen laut geworden, weil das Konzept nicht funktionierte wie gedacht.
Es gibt eine Tendenz zur Qualität, wie die Marktforscher zu hoffen wagen anstatt zur Quantität. Das geschieht auf einer Durchschnittsfläche von rund 30.000 m² je Shopping Center. Die Gesamtverkaufsfläche solcher Läden lag 2012 bei 9,42 Mrd. m². Für 2013 wird hier eine Steigerung auf 9,77 Mrd. m² erwartet.
Gemessen der Gesamtverkaufsfläche steigt der Anteil der Centerfläche seit 2003 stetig an. Der Vorteil ist die Jobmaschine Shopping Center. Die Zahl der Beschäftigten stieg auf knapp 580.000. Wobei kritisch angemerkt werden darf, die Fachkompetenz des einzelnen Verkäufers in den Shopping Centern leidet zusehends an Kompetenz und Fachberatung gegenüber dem Kunden. Grund sind die niedrigen Löhne. Immer mehr Stellen werden auf 400 Euro Basis vergeben. Das dies kein gesunder Boden sein kann, wird jeder einsehen. Der Einzelhandel mit fachkundigem Verkaufspersonal ist dem überlegen, sieht sich aber einem zunehmenden Verdrängungswettbewerb ausgesetzt, wie das schon seit längerem in den Innenstädten der Fall ist. Kleine Buchhandlungen gehen in die Stadtteile, große Kaufhäuser haben deren Stelle eingenommen.
Shopping Center sind als moderne Marktplätze zu verstehen. Der Flächenanteil der Gastronomie liegt schon bei 7 Prozent und nimmt zu. Ein Indiz der Gesellschaft, die sich am Konsum orientiert und sich diesen Luxus so angenehm wie möglich gestalten will.
Stephan Jung sieht in seiner Studie ein stetiges Wachstum im Onlinehandel. Was fünf Themenpunkte zur Zukunft der Verführung besagen:
Der Konsument ist das Objekt der Begierde. Mit diesem Verständnis fängt alles an. Während die Produktauswahl anstieg, schrumpfte das Vertrauen des Konsumenten. Die Bereitschaft sich verführen zu lassen, ist aber keineswegs selbstverständlich zu verstehen. Der Handel sieht es für sich als Belohnung, wenn der Kunde sich verführen läßt.
Der Handel kann nichts mehr verheimlichen vor dem Kunden. Zu rasant sind die Aufdeckungsmethoden im Lebensmittelbereich geworden, streng sind die Kontrollen der Lebensmittelhygiene. Die Devise lautet: Smart Shopping, mit Transparenz will der Handel den Kunden verführen. Ohne Verführung scheint es also nicht zu gehen auf dem Marktplatz.
Falsche Versprechen durch den Handel sollen durch die Qualität der Konversation verhindert werden, was ein nützlicher Vorsatz wäre. Doch der Profit wird sicherlich viele locken und von den falschen Versprechen werden die Kunden weiterhin abgestoßen sein und in der Unzufriedenheit belassen. Die Herstellung einer vertraulichen Beziehung wird ein hochgestecktes Ziel bleiben.
Wahr ist allerdings, das Einkaufserlebnis und der Besuch im Geschäft ist attraktiver als der Einkauf zu Hause am Bildschirm. Der Handel fragt sich deshalb, was mit Erlebnis gemeint sein soll? Beantwortet wird dies mit dem englischen Ausdruck experience, was sowohl Erlebnis als auch Erfahrung bedeutet. Der Erfahrungswert ist eine wesentliche Komponente bei der Bestimmung des Kunden und dessen Bereitschaft sich für ein Produkt zu entscheiden.
Das Geschäft wird zur Bühne des Retail Theaters. Damit wird Bezug genommen auf die Raumerfahrung, denn nur der Aufenthalt an einem Ort an dem man sich auch wohlfühlt und gern flaniert, lädt zur Verführung ein. „Eleganz braucht öffentliche Räume“, sagt der Philosoph Robert Pfaller. Ein Raum, der durch seine Förmlichkeit, seine Rituale und eine gewisse Feierlichkeit des Augenblicks einen derart mondänen Raum schafft, dass man sich nicht nur anders fühlt, sondern auch anders verhält.
Auf die Frage, was denn eigentlich Städte wie Wilhelmshaven oder Offenbach tun können, die nicht so große Messen wie Frankfurt haben, antwortete Stephan Jung und nannte als Beleg für die Effektivität der Studie den Einfluss auf die sogenannten Mittelstädte. Positive Ergebnisse durch das business Improvement district (bid) wurden zum Beispiel mit der Stadt Gießen erreicht.
Business Improvement Districts (bid) sollen Einzelhandels- und Dienstleistungsstandorte in Privatinitiative aufwerten. Gemeint ist damit ein städtischer Zentrums- und Handelsbereich (Business District), in dem sich die Grundeigentümer in Abstimmung mit ihren Mietern zusammenschließen, um Verbesserungsmaßnahmen (Improvement) durchzuführen. Finanziert wird ein bid durch eine Abgabe, die die Stadt von den betroffenen Grundeigentümern für das bid einzieht. Vorreiter war Nordamerika: Mittlerweile wird das Prinzip auch in vielen verschiedenen anderen Ländern der Welt erfolgreich angewandt und gesetzlich eingeführt.


