Yoko Ono mit Fluxus Show zu Gast in der Frankfurter Schirn vom 15. Februar bis 12. Mai 2013 die Ausstellung „Yoko Ono. Half-A-Wind Show. Eine Retrospektive"

Zum 80. Geburtstag der am 18. Februar 1933 in Tokio geborenen Ono widmet die Schirn Kunsthalle Frankfurt der weltberühmten Künstlerin.

Die künstlerischen Arbeiten der Künstlerin erstrecken sich über einen Zeitraum ab den frühen 1960er Jahren bis in die Gegenwart. Dazwischen ist viel passiert. Der gewaltsame Tod ihres Gatten John Lennon im Jahre 1980 hat sich bis heute ins Gedächtnis eingeprägt. Dennoch ist die aus Tokio stammende Japanerin und eingebürgerte New Yorkerin eine eigenständige Künstlerpersönlichkeit, die davon lebt, durch die Welt zu reisen und sich für Friedensbewegung und internationale Frauenrechte einzusetzen. In dieser Mission und mit dieser Konsequenz dürfte sie auch den Vorsätzen des früheren Beatles John Lennon treu geblieben sein.

Der Presserummel in der Schirn war enorm, es gab kaum Lücken um einen freien Blick bis zu dem Tisch an dem Max Hollein, Direktor der Schirn, Ingrid Pfeiffer, Ausstellungskuratorin und Yoko Ono an einem Tisch saßen. Zum Programm der Künstlerin gehören verschiedene Performances verbunden mit Aktionskünstlern wie der im Ausstellungsraum befindliche Musikraum. Die Kuratorin betonte zu den vorgestellten Arbeiten: „Ein Werk, das häufig zur Immaterialität neigt, dessen Material weniger aus Objekten und Installationen, sondern in großen Teilen aus Ideen und Texten besteht“.

Vom 15. Februar bis 12. Mai 2013 bietet die Frankfurter Ausstellung einen Überblick über den vielfältigen Kosmos Yoko Onos, die als Wegbereiterin der frühen Konzept-, Film- und Performancekunst, aber auch als zentrale Gestalt der Musik gilt.

Rund 100 Objekte, Filme, raumfüllende Installationen, Fotos, Zeichnungen und Textarbeiten sowie ein eigener Musikraum beleuchten innerhalb der Ausstellung die mediale Vielfalt in Onos Werk sowie die zentralen Themen ihres Œuvres.

Besondere Aufmerksamkeit legt die Retrospektive auf Yoko Onos Arbeiten aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Zu sehen sind u. a. richtungsweisende Werke wie die 1961 und 1962 erstmals ausgestellten Instructions for Paintings, die Performance Cut Piece (1964/65) oder das 1964 erschienene Buch Grapefruit, das Onos maßgebliche Bedeutung für die Avantgarde-Szene in Japan und den USA sowie für die Fluxus-Bewegung um George Maciunas festigte.

Die Installation und Performance Moving Mountains ist von Yoko Ono speziell für die Frankfurter Ausstellung entwickelt worden.

Yoko Ono gehört zu den Pionieren der Konzeptkunst. Als erste Frau wurde sie 1952 zum Philosophiestudium an der Gakushuin-Universität in Tokio zugelassen. Kurz darauf widmete sie sich in den USA der Kompositionslehre und dem kreativen Schreiben. Später lebte sie in New York, wo sie zur Protagonistin der Avantgarde-Szene um Musiker wie John Cage, den Fluxus-Begründer George Maciunas oder den Filmemacher Jonas Mekas wurde. Als Wegbereiterin der gesellschaftspolitisch orientierten Kunst der 1960er-Jahre hat Yoko Ono Performance und Konzeptkunst ganz wesentlich mit ins Leben gerufen und formal geprägt.

Die Ausstellung setzt sich aus Bildern an der Wänden zusammen, wie Zeichnungen, Fotos, Plakate, Videos, Gedichte und Texte. Bei bestimmten Objekten wird wert auf Berührung gelegt. Kunst die berührt werden will, ist konzeptionell zu verstehen.

Anderes setzt sich aus „ready mades“ zusammen durchaus im Sinne Marcel Duchamps. Ein Stuhl, der mit Fasern eingewebt ist ähnlich einem Netz aus Spinnweben. Deutet einerseits den Verfall an, ist aber andererseits auch die Umkehrung des Gewöhnlichen, wie die „Pelztasse“ von Meret Oppenheim aus dem Jahre 1936.

Anlehnungen an die Werke großer Verpackungskünstler sind in Arbeiten wie „Lion Wrapping Event“ (1967) deutlich spürbar. Das Kunstwerk „Ceiling Painting“ (1966) besteht aus einer aufgestellten Leiter, auf die der Besucher hinaufsteigen soll und an deren Ende sich eine Lupe an einer Kette befindet. Mit dieser Lupe kann ein Zettel abgelesen werden, der unter einer darüber hängenden Glasscheibe befestigt ist. Bei „Chair Painting“ (1966 -71) handelt sich um surreal verfremdete Situation einer Sitzgelegenheit. Über die Rückenlehne eines Klappstuhls ist eine weiße Leinwand gelegt, der nicht zum anlehnen, sondern nur zum anschauen gedacht sein kann. Ähnlich ist „Corner Painting“ (1966 -71) ein goldener Bilderrahmen, der sich genau im rechten Winkel einer Zimmerecke teilt.

Zahlreiche Objekte werden vorgestellt, darunter auch ein Buch „Grapefruit“. Das Künstlerbuch wurde im Jahr 2000 bei Simon & Schuster in Amerika veröffentlicht und beinhaltet Zeichnungen Yoko Onos sowie Gedichte.

Eine Außeninstallation im Rondell der Schirn nennt sich „Morning Beams/Riverbed (1996) und besteht aus hellen und dunklen Kieselsteinen, die variabel verteilt auf dem Boden liegen. An Bodenverankerungen sind steile weiße Schnüre befestigt, die sich bis durch das Atrium des Rondells nach oben ziehen, um sich dort strahlenförmig an einer Stelle zu bündeln. Bemerkenswert ist eine transparente Drehtür aus Glas „En Trance. Revolvin Door Version (1998), die scheinbar fest installiert am Eingang zur Ausstellung als Durchlass fungiert, aber ein Kunstwerk ist. Nebendran hängen blaue Schnüre, die alternativ zur Drehtür als Durchlass genutzt werden können.

Die von der Schirn Kunsthalle konzipierte Retrospektive wird anschließend am Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk, in der Kunsthalle Krems sowie am Guggenheim Museum in Bilbao ausgestellt.

Katalog: Yoko Ono. Half-A-Wind Show. Eine Retrospektive. Herausgegeben von Ingrid Pfeiffer und Max Hollein. Vorwort von Max Hollein, Essays von Kathleen Bühler, Jörg Heiser, Jon Hendricks, Ingrid Pfeiffer und Kerstin Skrobanek. Deutsche und englische Ausgabe, 208 Seiten, ca. 280 farbige Abbildungen, Gestaltung Harold Vits, Mannheim; Prestel Verlag, München 2013, ISBN 978-3-7913-6459-9 (deutsche Ausgabe), ISBN 978-3-7913-6460-5 (englische Ausgabe) auch als E-Book erhältlich.

www.schirn.de