| BESETZUNG
Leonard Scheicher – Theo Lemke Tom Gramenz – Kurt Wächter Lena Klenke – Lena Isaiah Michalski – Paul Jonas Dassler – Erik Babinsky Ronald Zehrfeld – Hermann Lemke Florian Lukas – Direktor Schwarz Jördis Triebel – Kreisschulrätin Kessler Michael Gwisdek – Edgar Burghart Klaußner – Volksbildungsminister Lange Götz Schubert – Pfarrer Melzer Judith Engel – Anna Wächter Max Hopp – Hans Wächter Rolf Kanies – Wardetzki Daniel Krauss – FDJ-Sekretär Lange Carina N. Wiese – Irmgard Lemke |
STAB
Regie: Lars Kraume Drehbuch: Lars Kraume Dietrich Garstka Autor der Vorlage Produktion: Miriam Düssel Susanne Freyer Kalle Friz Isabel Hund Thomas Kufus Caroline von Senden Kamera: Jens Harant TECHNISCHE DATEN Lauflänge: 111 Min. Format: Cinemascope Ton: 5.1 |
Kommentar von Dietrich Garstka
„Das ist doch vorbei! Die Geschichte muss man mal ruhen lassen!“ – Es gab Stimmen, die immer schon so oder ähnlich formulierten.
Und es gab Menschen, die immer schon sahen, was damals wirklich geschah: Junge Menschen, die Widerstand gegen einen Staatsapparat leisteten, ohne diesen Widerstand je geplant zu haben. Die in den Widerstand sozusagen hineinrutschten, dann aber an ihm und an sich selbst wuchsen. Jugendliche, die ein Zeichen setzten, weil sie sich mit der Kraft, die Jugendlichen eigen ist, und auch heute noch eigen ist, empörten gegen das, was sie als Unfreiheit erlebten.
Miriam Düssel, die Produzentin, hat das gesehen. Ich erinnere mich noch genau an unser erstes Gespräch im Ullstein Verlag. Sie sah die Kraft, die in dieser Geschichte liegt. Lars Kraume hat das gesehen. Ihm gelingt es, bei aller Leichtigkeit von Jugend auch die Politisierung ihres Verhaltens einzufangen und eine Entwicklung nachzuzeichnen, die zeigt, wie die Klasse unter dem entstehenden Druck des Staatsapparates zusammenwächst. Das haben die Funktionäre damals nicht verstanden. Aber genau diese Entwicklung ist sehr gut dargestellt.
Dass der Stoff filmisch umgesetzt würde, hat mich, ehrlich gesagt, nicht überrascht. Seit Erscheinen des Buches haben die öffentlichen Medien schon immer ein großes Interesse an der Geschichte gezeigt. Natürlich war mir zunächst auch ein wenig bang, denn es ist ja vielleicht auch schwierig zu akzeptieren, dass ein Film einer anderen Dramaturgie folgt. Aber dass es nun diesen Film gibt, freut mich aufrichtig. Bei jedem Bild dachte ich: Aha. Ja, so war’s. Das hat sich so ereignet. Alles treffsicher. Die Erinnerung wurde wach und die Gefühle waren genau die gleichen, wie vor sechzig Jahren. Ablehnung bis zur Verachtung für die Ideologisierung von Menschen. Verachtung dafür, dass es selbst bei Schülern letztlich nur noch darum gehen sollte, ob sie für oder gegen das Regime waren. Bist du für den Frieden oder gegen den Frieden, hieß immer auch, bist du für die DDR oder gegen sie. Das war eine elende Verengung von Weit.
Und beim Betrachten der Szenen meldete sich auch wieder die Angst, die man spürt, wenn man denkt, jetzt wird vielleicht jemand verraten vor einem Minister, der ja die Macht hat, eine ganze Klasse zu zerschlagen. Diese Bedrohlichkeit hatte ich auf einmal wieder stark im Gefühl, denn der Film erzählt die Geschehnisse mit einer starken Sprache, mit starken Bildern. Ohne Verdrehung, sehr klar in der Linie, sehr sachlich auch in der Entschlossenheit eines Regimes, denjenigen zu stellen, den es als Rädelsführer gestellt sehen wollte.
Ja, so sind sie, dachte ich, ja, so waren sie, die Diktatoren, die sich auch gegen Jugendliche richten und sie ernst nehmen als Gefährder ihrer Macht, deren Protest sie durch nichts entschuldigen, weil sie fixiert waren, weil sie keine Veränderung duldeten. Die ganze Atmosphäre stimmt. Die Lebensfreude einerseits. Die Stimmung des Misstrauens andererseits. Intensiv.


