
Willy ist, wie Dominic West betont, „der Bösewicht des Films. In vielerlei Hinsicht ist er ein Blutsauger und chauvinistischer Manipulator, gleichzeitig aber auch unglaublich sympathisch und äußerst angenehme Gesellschaft. Diese Aspekte an einem Schurken herauszuarbeiten, ist eine große Herausforderung.“ Wie Keira Knightley erzählt, sah sie ihn jedoch nicht als Bösewicht. „Ich sehe Willy nicht als Schurken“, erklärt sie. „Ich glaube, man darf ihn nicht hassen, damit man versteht, wieso sie so lange bei ihm bleibt. Ich kenne sehr viele Leute wie ihn. Sie können sich so abscheulich verhalten, wie sie wollen, und doch dank ihres Charmes oder ihres Humors damit davonkommen – zumindest für eine Weile.“
Zur Filmwebsite: Colette Spieldauer: 112 Minuten FSK ab 6 Jahren Im Verleih: DCM
Ungewöhnlich an dieser Verfilmung ist vielleicht, dass es sich bei dem Regisseur um einen Engländer handelt. Engländer und Franzosen haben unterschiedliche kulturelle Herangehensweisen. Das Leidenschaftliche ist bei den Franzosen meist stärker und euphorischer ausgeprägt, eine Eigenschaft welche der Akteurin Colette zu Gute kommt. Der Blick hinter die Kulissen der französischen Gesellschaft ist gelungenes Beispiel, was jedoch mehr dem des 19. Jahrhunderts entspricht als dem beginnenden 20. Jahrhundert mit all seinen Umwälzungen. Gefühlsmäßig würde ich Colette als Autorin des 20. Jahrhunderts verstehen. Hinter dem Drehbuch steht eine jahrzehntelang dauernde Vorbereitungszeit. Angefangen hatte es damit, dass Wash Westmoreland und Drehbuchautor Richard Glatzer im Sommer 2001 nach Frankreich reisten, um dort den ersten Entwurf ihres damals noch mit „Colette and Willy“ betitelten Drehbuchs zu verfassen. Ein gelungene Biografie, welche vor allem die jungen Jahre der Autorin beschreibt ähnlich wie das mit der Biografie Astrid Lindgren, „Astrid“ (2018) in einer Neuauflage versucht wurde.


