Woher kam die Inspiration für BEACH BUM?

Nach SPRING BREAKERS habe ich mich an die Arbeit für einen ultrabrutalen Rachethriller gemacht, der im Rap-Milieu Miamis angesiedelt ist. Als das Projekt dann verschoben werden musste, hatte ich plötzlich das Bedürfnis, in die komplett andere Richtung zu gehen und eine leichte Stoner-Komödie zu machen. Wie ein gutes Stück Stoner-Yacht-Rock mit einem glücklichen Helden im Mittelpunkt.

Haben Sie das Potenzial gesehen, das Genre auf den Kopf zu stellen, wie Sie es in all Ihren Filmen gemacht haben?

Ja, das macht Filme gerade lustig. Es gibt so viele Dinge, von denen wir glauben, sie in einem Film fühlen oder sehen zu müssen, um den Geschichten einen Sinn zu geben. Ich habe das Leben aber nie so gesehen. Es ist immer unübersichtlicher und erratischer, und ich sehe am Rande stets eine seltsame Poesie darin versteckt.

Gibt es in Filmen wie diesem nicht die Erwartung einer erzählerischen Erlösung? Dass der Held am Ende etwas gelernt hat? Sie scheinen daran nicht interessiert…

Richtig. Normalerweise sollen die Figuren wachsen und im Verlauf der Geschichte zu besseren Menschen werden. Oder eine Art Erlösung erfahren bzw. ihre wohlverdiente Strafe erhalten. Ich liebe Figurenbögen, die keinen traditionellen Mustern folgen. Moondog ändert sich nicht. Die Welt um ihn herum verändert sich: sein Geld, sein Ruhm, seine Familie, seine Freunde. Er selbst bleibt gleich, schwebt durch seine Welt. Er ist der Poet seines eigenen Lebens.

Wie kam Matthew McConaughey an Bord? Seine Besetzung ist die perfekte Verschmelzung von Schauspieler und Rolle.

Ich hatte ihn vor der Zusammenarbeit für BEACH BUM ehrlich gesagt noch nie getroffen. Ich weiß, dass er ein großartiger Schauspieler im ernsten Fach ist, aber ich bin ein wahnsinnig großer Fan von ihm in Komödien – von all seinen Komödien. Er hat etwas eindringlich Lustiges an sich. Und dann ist da die öffentliche Wahrnehmung von ihm, die in gewisser Weise Moondog entspricht. Auch wenn Matthew in Wirklichkeit ein ganz anderer Mensch als Moondog ist, fand ich es besonders reizvoll, mit der Pop-Mythologie, die Matthew umgibt, zu spielen und alles in eine hyper-komödiantische Richtung zu lenken.

Hatten Sie von Anfang an den Eindruck, dass er voll mit an Bord war?

Absolut, er war großartig! Wir sprachen über das Kostüm, die Wrap-Around-Sonnenbrille, eine weiße Bauchtasche und die blonden Haare im WWF-Wrestler-Stil. Er wiederum hat mir sofort von Leuten erzählt, die er in seinem Leben getroffen hat, die genauso waren wie Moondog. Er erzählte mir auch von einem Piraten, den er mal getroffen hat. Und außerdem gibt es keine Szene, in der Moondog nicht high ist. Welcher Schauspieler wäre nicht sofort dabei, wenn er jemanden spielen darf, der immer einen Rausch hat?

Es muss anstrengend gewesen sein, dieses Level aufrecht zu erhalten?

Es war fast so, als hätte er auf eine Teilnahme bei den Olympischen Spielen trainiert. Matthew wusste, dass er in jeder Szene zu sehen sein würde. Doch sobald Matthew auf den Florida-Keys war und seinen Moondog an verschiedenen Leuten austestete, wurde er einfach zu diesem Typen.

Es gibt keinen einzigen Moment, in dem Moondog in schlechte Laune verfällt, trotz einiger Situationen, mit denen er klarkommen muss. Wie wichtig war es Ihnen, dass er den ganzen Film hindurch liebenswert bleibt?

Das war mir von Anfang an heilig. Er liebt das Leben. Er mag zwar unzensiert sein, aber ich wollte nie, dass er etwas aus Bösartigkeit heraus macht. Er hat einen inneren Kompass, der ihn stets in die entgegengesetzte Richtung lenkt. Das macht seinen Charme aus.

1999 haben Sie an dem Film „Fight Harm“ gearbeitet, der bis heute unveröffentlicht ist. Darin provozieren Sie andere Mitmenschen bis aufs Blut. Moondog ist dagegen ein super freundlicher Kerl, aber sehen Sie nicht auch Parallelen: eine Figur, die immerzu auf Beutezug zu sein scheint?

Absolut. Ich mag es, wenn jemand Action macht. Aber Moondog ist nicht auf Gefahr aus. Er will einfach immer nur, dass sich etwas gut anfühlt. Alles, was er tut, macht er, um sich selbst gut zu unterhalten.

Das erinnert ein bisschen an Vaudeville…

Definitiv. Ich sehe ihn als klassischen Komödien-Archetyp. Moondog ist die Verkörperung von Slapstick. Zudem ist er von verrückten Nebenfiguren umgeben. Ich mochte die Vorstellung, ihn durch diese Welt zu schicken, in der er all diese schrägen Figuren trifft, in deren Gegenwart er völlig normal wirkt. Es scheint, als würde er deren exzentrische Sprachen sprechen und auf einer Wellenlänge mit ihnen zu liegen.

Der Film spielt in Miami und auf den Florida Keys. Welche Beziehung haben Sie zu diesem unverkennbaren Abschnitt der Welt?

Ich lebe in Miami und ich liebe es, wie die Stadt auf der Leinwand rüberkommt. Ich fahre regelmäßig runter auf die Keys und hänge dort einfach nur ab. Das war meine größte Inspiration für das Drehbuch. Ich habe Freunde, die dort leben und irgendwie liegt dort etwas in der Luft, was diesen Ort ideal für eine Komödie macht. Das hat mit der Hausboot-Kultur zu tun. Es ist ein Ort, an dem Menschen einfach auschecken können, ohne sich dafür entschuldigen zu müssen. Gleichzeitig ist es auch total wild dort. Für eine Komödie ideale Voraussetzungen.

Und wie die Filmversion eines Jimmy-Buffett-Songs…

Genau. Für mich war der Film immer in gewisser Weise wie eine ursprüngliche Jimmy-Buffett-Ballade. Im Film schreibt Moondog Gedichte über ein kosmisches Amerika, und ich glaube, einige der Songs tun es ebenfalls. Ich liebe Jimmy Buffett und ich liebe es, dass er eine ganze Welt einzig und allein durch die Geschichten in seinen Songs erschaffen hat. Es ist eine wunderbare Fantasy über die Menschen, die in dieser Gegend leben. Die Jimmy-Buffett-Mythologie ist dabei allgegenwärtig. Es gibt eine spirituelle Verbundenheit.

War es aufregend, dass Jimmy Buffett einen Part im Film spielte?

Das war natürlich irre. Ich bin mit seiner Tochter befreundet, die auch in Miami lebt. Als das Drehbuch fertig war, war er der erste, der es zu sehen bekam. Während des Lesens musste er laut loslachen, das war sehr ermutigend. Am Tag, als wir seine Szene drehen wollten, kam er in seinem Wasserflugzeug angeflogen. Er parkte es, hing ein bisschen ab und drehte seine Szene. Dann stieg er wieder in sein Wasserflugzeug und flog heim. Das war ein klassischer Jimmy-Buffett-Auftritt.

Auch Snoop Dogg ist dabei. Sie haben die Rolle extra für ihn geschrieben, richtig?

Ja, das macht es so wahnsinnig komisch. Ein paar Wochen vor Drehstart habe ich spät nachts einen Anruf erhalten. Snoop hatte eine entscheidende Anmerkung. Er rief also an und sagte mir: „Ich will nicht Snoop sein, ich will Rie heißen, was die Kurzform von Lingerie ist. Weil meine Figur geschmeidig und seidig ist.“

Und diesen Vorschlag konnten Sie nicht ablehnen?

Auf keinen Fall. Ich fand den Namen toll und ich mochte auch seine Ideen. Er spielt einen Typen namens Lingerie, aber gleichzeitig trägt er auch Klamotten, auf denen „Snoop“ draufsteht. Ich glaube, er war so Feuer und Flamme, dass er das gar nicht bemerkt hat. Ich hätte es am Ende wegretuschieren können, so dass kein „Snoop“ mehr zu sehen ist. Aber ich fand das einfach unglaublich lustig.

Es ist großartig zu erleben, dass seine Rolle nicht einfach auf Effekt angelegt ist. Er zeigt uns, was er als Schauspieler auf dem Kasten hat.

Absolut. Er ist ein wunderbarer Schauspieler. Und er ist einfach lustig. Ich wollte einen Film machen, in den die Menschen wirklich eintauchen können. Die Besetzung ist ein Mix aus vielen echten Leuten an realen Drehorten sowie diesen unglaublichen Schauspielern. Aber obwohl einige der Schauspieler richtig berühmt sind, wie Snoop, Zac Efron und Martin Lawrence, war es mir immer wichtig, dass den Zuschauern das Gefühl vermittelt wird, jede Person auf der Leinwand sei wirklich ein Teil des Films. Sie spazieren nicht einfach herein. Sie spielen echte Rollen.

Isla Fisher hat eine wichtige Rolle als Moondogs Ehefrau. Kannten Sie sie bereits vor dem Projekt?

Ich habe Isla und ihren Ehemann Sasha Baron Cohen vor ein paar Jahren kennengelernt. Sie hat ein tolles angeborenes Gespür für Komödie. Gleichzeitig kann sie auch ernste Rollen so spielen, dass man ihr wirklich glaubt. Sie bringt genau die Qualitäten mit, die für Minnie wichtig waren: Respektlosigkeit und Lebensfreude. Ihre Figur steuert in gewisser Weise die Erzählung und sie verleiht dem Film Gewicht auch in Momenten, in denen sie nicht auf der Leinwand zu sehen ist.

Eine schöne Überraschung ist Martin Lawrences Cameo als Captain Wack, der schlechteste Delphin-Tourguide der Welt. Es ist der erste Filmauftritt von ihm seit 2011. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Ich habe ihn auf der Leinwand vermisst – wie wir alle. Deshalb war es eine riesige Freude, als er zugesagt hat. Ich habe die Rolle extra für ihn geschrieben. Er ist die einzige Person, die diese Rolle spielen durfte. Was die Szenen mit den lautesten Lachern betrifft, ist mir seine die liebste. Wir könnten einen völlig anderen Film machen, wenn wir seiner Figur folgen würden. Martin ist ein geborener Comedian, der, selbst in absurden Situationen wie hier im Film nur ganz wenig machen muss und einen trotzdem schallend lachen lässt. Er ist der einzige, der dieser verrückten Rolle gerecht werden konnte.

Haben Sie sich während des Drehs an das Skript gehalten?

Meistens. Vieles, was im Film zu sehen ist, stand auch auf dem Papier. Aber es kam auch zu Improvisationen, weil ich das beim Dreh einfach liebe, ähnlich einem musikalischen Rhythmus. Wir haben sehr schnell gedreht, sehr frei. Dennoch gab es immer ein bewusstes Konzept, das wir nicht aus dem Auge verloren haben.

Können Sie dieses Konzept beschreiben?

Es sollte schön und sinnlich sein. Das Publikum sollte das Gras und den Rauch förmlich riechen und es sollte das Wasser, das gegen das Hausboot plätschert, fühlen können. Fühle den Ort und sei dort! Der Film sollte regelrecht von diesem sinnlichen Element vibrieren. Mein Kameramann Benoît Debie, mit dem ich schon SPRING BREAKERS gemacht habe und der immer mit Gaspar Noé arbeitet, ist ein fantastischer Partner. Er versteht Farbe und Temperatur so gut. Er ist ein Genie.

Sie sind ein Fan des Schriftstellers James Thurber („Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“) und der Marx Brothers. Spüren Sie ihre Einflüsse, wenn Sie eine Komödie erarbeiten?

Sicherlich. Wenn ich mir jetzt im Moment Groucho Marx in DIE MARX BROTHERS IM KRIEG anschauen würde, müsste ich vor Lachen meinen Bauch halten. Von Thurber habe ich alle Bücher und Kurzgeschichten gelesen, vor allem, als ich noch jünger war. Sie haben mich stark beeinflusst. Viele Bücher und Filme, die mich als Kind zum Lachen gebracht haben, leben heute in meinen Arbeiten weiter. Übertriebene Figuren, die außerhalb der gesellschaftlichen Norm leben, die ihre eigene Welt erfinden, und die Probleme und Sorgen sowie der Humor und die Verrücktheit des Ganzen.

Ihre Filme einem Genre zuzuordnen, fällt schwer. SPRING BREAKERS wurde von manchen als „Beach noir“ bezeichnet. Wie würden Sie BEACH BUM einordnen? „Strand Absurdum“?

Für mich ist er die Strandversion eines Cheech-and-Chong-Films. Natürlich steckt eine tiefere Bedeutung dahinter, aber es war volle Absicht, dass er als Vergnügungsfahrt erlebt werden kann. Ein Ritt durch diesen seltsamen, wie vom anderen Stern wirkenden, kosmischen Teil der USA.

Die finale Szene ist lustig und ironisch, vermittelt zugleich eine starke Botschaft. Was wollten Sie damit ausdrücken?

Der Film endet mit Moondogs finalem Statement. Wäre er religiös, wäre das Ende seine profundeste Ansage. Er sagt, dass das Leben alles und nichts ist. Dass es alles und nichts bedeutet. Und ob sein Boot absichtlich explodiert oder nicht, das spielt keine Rolle. Wir sehen Moondog am Ende alleine in einem Ruderboot, mit seinem Kätzchen. Und er lacht sich kaputt.

Das Kätzchen… War das Ihre Idee?

Absolut. Das stand schon im Drehbuch. Moondog ist so ursprünglich und verrückt. Er brauchte dieses süße kleine Kätzchen zum Liebhaben. Und in diesem Moment, ganz am Schluss mit seinem Kätzchen, ist er so glücklich wie nie zuvor.

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