Nach Motiven der gleichnamigen Erzählung von André Heller: Paul ist ein seltsames Kind und der Spross einer mondänen wie geheimnisvollen Wiener Zuckerbäckerdynastie. Im Österreich der späten 1950er Jahre entdeckt er seine eigene Vorstellungskraft, die Eigenschaften des Eigensinns und des Humors offenlegt. Dahinter verbirgt sich eine außergewöhnliche Begabung zum Gestalten eigener Welten und Wirklichkeiten. Doch der exzentrische wie despotische Vater hat eigene Pläne für den begabten Sohn geschmiedet. Schon bald muss sich Paul als Zögling des altehrwürdigen Attweger Klosterinternats einem gestrengen Regime erwehren, das seiner obersten Maxime entschieden entgegensteht: „Werde nicht wie alle, die du nicht sein willst.“ 

Zur Filmwebsite: Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein

Filmposter

Die Freiheit liegt jenseits der Klostermauern, wo die stoppellockige Leonore auf einem weißen Pferd über grüne Wiesen reitet. Paul nimmt die Herausforderung an, denn das Geheimnis der Freiheit ist der Mut. Rupert Henning hat nach Motiven von André Hellers gleichnamiger Erzählung einen magisch-realistischen Film geschaffen. In der Hauptrolle Paul Silbersteins begeistert Valentin Hagg, getragen von exquisit besetzten Nebenrollen mit Karl Markovic als Vater und Sabine Timoteo als Mutter. Udo Samel, André Wilms und Werner Friedl sind die verschrobenen Onkels von Paul. Robert Seethaler ist Generalpräfekt und Gerti Drassl ist die Schwester Immaculata.

Ein modisch inspirierter Film, der im Kinde eine Überbegabung sieht und Paul damit fast zum Kindgott erhebt, der über das gesamte häusliche Imperium zu herrschen lernt, so als sei die Welt ein Kabinett ausgefüllt mit Kunststücken. Auch ein ehrsamer Rückblick auf Schlöndorffs “Blechtrommel” sei bei der kindlichen Anmutung gewährt. Paul ist Sohn eines zum Katholizismus konvertierten jüdischen Wiener Süßwarenfabrikanten und wächst in wohlhabenden, aber an gegenseitiger Zuneigung armen Familienverhältnissen auf. Es ist eine verlassene Welt, die ihn umgibt, aber zugleich einen herrschaftlichen Historismus vertritt. Pauls Vater, Roman Silberstein, ist ein Mann alten Schlages und gestrenger Kommerzialrat. Hier liegt der Hund auch schon begraben. Paul lebt in einer Scheinwelt der untergehenden Epoche, der einzige Ruf kann nur Befreiung bedeuten, Befreiung aus dem Moloch der Altvorderen. Bis die Erlösung eintritt, vergehen noch Jahre. Nur die attraktive Mutter, Emma Silberstein, kann das Versprechen einlösen, indem sie Paul über den Tod des Vaters aufklärt und ihn aus dem streng katholischen Internat mit nach Hause nimmt. Hier werden die Erinnerungen an den Vater und dessen Hinterlassenschaften systematisch auseinandergenommen somit zweckentfremdet. Dahinter steht meiner Meinung nach die Erneuerung und die Ablösung des alten verbrauchten Systems hin zur Einsetzung eines neuen. Welchen Aktualitätsbezug die wiedergegebene Vater-Sohn Beziehung eigentlich haben soll, bleibt in Bezug auf gegenwärtige Entwicklungen schwer oder nur über Ecken verständlich. 

Print Friendly, PDF & Email