Das S AM Schweizerisches Architekturmuseum zeigt in Zusammenarbeit mit dem Verband Wohnbaugenossenschaften Nordwestschweiz, der 2026 sein hundertjähriges Jubiläum feiert, vom 29. November 2025 bis 19. April 2026 die Ausstellung ‹Wohnen fürs Wohnen: Schweizer Wohnbaugenossenschaften als Labor des Zusammenlebens›. Die Ausstellung präsentiert die Entwicklung des gemeinwohlorientierten Wohnens mit besonderem Fokus auf die Region Basel, von den historischen Anfängen zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zu Projekten der Gegenwart.

Projekte wie das Freidorf in Muttenz oder die Siedlungen von Hans Bernoulli gehören zu den prägenden Beispielen der Zwischenkriegszeit. Auch spätere Bauten wie die Entenweid-Hochhäuser oder die Siedlung Vogelbach in Riehen setzten architektonische und soziale Impulse. Dennoch spielt der genossenschaftliche Wohnungsbau in der öffentlichen Wahrnehmung Basels eine untergeordnete Rolle.
Die Ausstellung im S AM rekonstruiert diese wenig beachtete Geschichte und erweitert sie auf die Nordwestschweiz – anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Verbands der Wohnbaugenossenschaften Nordwestschweiz. Sie zeigt, wie genossenschaftliche Modelle auch heute – etwa in Erlenmatt Ost, Lysbüchel Süd, Westfeld und in weiteren Projekten aus der ganzen Schweiz – neue Antworten auf aktuelle Fragen des Wohnens entwickeln.
Kuratiert von: Anaïs Auprêtre de Lagenest, Andreas Ruby
Wohnraum wird zur Mangelware, die Mieten steigen, soziale Isolation nimmt zu. Vor diesem Hintergrund gewinnt das genossenschaftliche Wohnen neue Relevanz. Was in der Schweiz seit über einem Jahrhundert praktiziert wird, ist heute mehr denn je ein Modell für solidarisches, nachhaltiges und gemeinschaftliches Wohnen. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Verbands Wohnbaugenossenschaften Nordwestschweiz richtet das S AM Schweizerisches Architekturmuseum in Zusammenarbeit mit dem Verband erstmals den Fokus auf die reiche Geschichte und aktuelle Dynamik des genossenschaftlichen Wohnungsbaus in Basel und der umliegenden Region und setzt diese in den gesamtschweizerischen sowie zeitgenössischen Kontext.

Ikonische Projekte wie das Freidorf in Muttenz oder Hans Bernoullis Gartenstadtsiedlung Im Vogelsang haben ganze Quartiere nachhaltig geprägt. Diese Tradition setzen Transformationsareale wie zum Beispiel Erlenmatt Ost, Lysbüchel Süd, Westfeld sowie das im Entstehen begriffene Quartier Zentrale Pratteln fort. Neben diesen bekannten Bauprojekten existiert auch eine grosse Zahl wenig beachteter Genossenschaftssiedlungen, insbesondere aus der Zwischen- und Nachkriegszeit. Gerade sie bergen ein erhebliches Potenzial für die zukunftsorientierte Weiterentwicklung des gemeinnützigen Wohnungsbestands.
Wohngenossenschaften schaffen dabei nicht nur bezahl baren, sondern auch andersartigen Wohnraum. Sie ermöglichen vielfältige Wohnformen für soziale Realitäten jenseits des klassischen Familienmodells, fördern Gemeinschaft und reduzieren durch kluge Raumökonomie den Ressourcenverbrauch. Abseits des kommerziellen Wohnungsmarktes können Wohngenossenschaften als Labore für neue Wohn- und Lebensformen dienen, die gezielt auf die Bedürfnisse ihrer Mitglieder zugeschnitten sind. In Zeiten von Spekulation und Verdrängung bieten sie eine Alternative zum profitorientierten Markt: nicht als Wohltätig, sondern aus kollektivem Eigennutz. ‹Wohnen fürs Wohnen› macht sichtbar, was genossenschaftliches Wohnen leisten kann, damals wie heute. Und stellt die Frage: Wie wollen wir in Zukunft zusammenleben?


Wohnbauprojekte Nordwestschweiz:
1892 Siedlung Tellplatz, Basel, Vischer & Fueter; Nussbaumer Trüssel Architekten (2020)
1899 Mattenstrasse, Basel, Eduard Pfrunder und Johann Ulrich Hammerer; Clauss Kahl Merz Atelier für Architektur und Städtebau (seit 2020)
1908 Metalli-Häuser, Aesch, Leo Grill und Hermann Ohnemus; kollektive architekt, Natalia Wespi (seit 2023)
1924 Siedlungsgenossenschaft Freidorf, Muttenz, Hannes Meyer; Rosenmund + Rieder Architekten (2006)
1926 Siedlung Im Vogelsang, Basel, Hans Bernoulli und August Künzel; Hans Mähly (1933); Zimmer + Ringger + Zürcher (1972)
1951 Wohngenossenschaft Riburg, Basel, Willi Müller Architekten; E. Buser Architekt (1971); Burckhardt Architektur AG (2021)
1951 Wohngenossenschaft Entenweid, Basel, Arnold Gfeller und Hans Mähly; BauPlatz Architektur GmbH SIA, Martin Wyss (2020)
1968 Domino Riehen, Riehen, Schachenmann & Berger Architekten; Salathé Architekten Basel (2025)
1973 Alterssiedlung Pilatus, Basel, Architektengemeinschaft Rene + Hugo Toffol, Urs Remund, Max Alioth; Toffol Architekten (2006); ARGE Pilatus – baubüro in situ / Schaller Architekt (2022)
1986 St. Johanns-Parkweg, Basel, Wurster, Hanhart Architekten und Planer; Flubacher Nyfeler Partner Architekten (bevorstehende Sanierung)
1992 Wohnüberbauung Vogelbach, Basel, Michael Alder Architekt + Partner, Mitarbeit: Roland Naegelin, Alban Rüdisühli und Clemens Blessing (1992); Müller & Naegelin Architekten (2018)
1994 Im Niederholzboden, Riehen, Metron Architektur
2020 Hofbebauung Riehenring, Basel, jessenvollenweider architektur
2015–27 Erlenmatt Ost, Basel, Städtebau: Atelier 5 – Architekten und Planer
2020–24 Lysbüchel Süd, Basel, Städtebau: Metron Architektur
2023-27 Westfeld, Basel, Städtebau: Enzmann Fischer
2026-27 Wohn- und Gewerbeüberbauung Zentrale Pratteln, Städtebau: Bachelard Wagner Architekten
2028 WALKE, WALKE, Basel, Stereo Architektur

Wohnbauprojekte Gesamtschweiz:
2011 Zwei Wohnhäuser ‹in buona compagnia›, Bonaduz, Bürgi Schärer Architekten
2014 Die Wohn-und Gewerbesiedlung Kalkbreite, Zürich, Müller Sigrist Architekten
2021 Das Wohn- und Geschäftsgebäude Zollhaus, Zürich, Enzmann Fischer Partner
2021 Das Wohnprojekt Warmbächli, Bern, BHSF Architektur & Städtebau
2022 Die Siedlung Vogelsang, Winterthur, Knapkiewicz & Fickert
2022 Die Wohnsiedlung Weiermatt, Lupfig, Gutschoep Architektur
2023 Die Wohn- und Geschäftssiedlung ‹Le Bled›, Lausanne, TRIBU Architecture
2023 Die Wohn- und Geschäftssiedlung Westhof, Dübendorf, Conen Sigl Architekt:innen
2023 Die Wohnsiedlung Holligerhof, Bern, FBA Fritschi Beis Architektur
2023 Haus D im Hobelwerk, Oberwinterthur, Pascal Flammer Architekten
2024 Die Wohnsiedlung Hofwiesenstrasse (Guggach III), Zürich, Donet Schäfer Reimer Architekten (DOSCRE)
2025 Die Wohnüberbauung Stromboli auf dem Holliger-Areal, Bern, Studio DIA

