Die Jury zeigte sich besonders beeindruckt von der Herangehensweise, die ehemalige Lagerhalle eines Güterbahnhofs in einen einladenden Treffpunkt zu verwandeln: Das Team von Peter Grundmann Architekten hat in enger Kooperation mit dem gemeinnützigen Verein KUNSTrePUBLIK e. V. mit überdurchschnittlich viel eigener Handarbeit sowie bescheidenem (und eingehaltenem!) Budget die vormals eingeschossige Halle mit einer leichten Stahl-Glas-Konstruktion umhüllt und um ein Geschoss erweitert. Die Räume auf allen Ebenen einschließlich Gewölbekeller und Dachterrasse sind dadurch flexibel nutzbar. Architektonische Standards werden neu definiert oder gleich über Bord geworfen.

Seit 2007 werden mit dem DAM Preis jährlich herausragende Bauten in Deutschland ausgezeichnet. 2026 wird der Preis vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) bereits zum zehnten Mal in enger Zusammenarbeit mit JUNG als Kooperationspartner vergeben.
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Im Jahr 2012 startete das ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik mit dem Umbau eines Güterbahnhofs in Berlin-Moabit. Das sehr vielfältige Programm umfasst neben Kunst, Stadtforschung und verschiedenen Musikveranstaltungen auch urbane Strategien, Vorträge, Kino, Kiezmärkte und vieles mehr. Sehr bald reichte die Nutzfläche nicht mehr aus. 2016 entschied man sich für eine Erweiterung.
Da das ZK/U rundherum von einem Park umgeben ist, sollte ein Anbau keine Freifläche besetzen. So setzte der Entwurf auf eine Aufstockung der unbeheizten alten Lagerhalle. Das Dach wurde entfernt, alle Wände und Decken der unterkellerten Halle sind erhalten. Der Neubau umhüllt die Ziegelwände, so dass diese roh und ungedämmt bleiben können.
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Peter Grundmann Architekten ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin Foto: Yizhi Wang
Im Keller- und im Erdgeschoss befinden sich große Veranstaltungsräume. Die Glasfassade steht auf der Südseite 1,80 Meter von der Ziegelwand entfernt und bildet eine Galerie. Auf der Nordseite ist die Glasfassade sechs Meter abgerückt. Dort entsteht ein zusätzlicher Raum. Zwei Außentreppen führen in das Obergeschoss, das von Laubengängen umgeben ist. Alle Räume sind damit sowohl von innen als auch von außen erreichbar.
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Peter Grundmann Architekten ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin Foto: Yizhi Wang
Das Dach kann als große Terrasse genutzt werden. Alte und neue Elemente wie der Bahnsteig mit Dach, die Treppen, die Glasfassade, die Konstruktion, der Laubengang, die Ziegelwand und die Räume liegen offen hintereinander. Diese offene Interferenz wird durch die vielen Akteure der Kunst- und Kulturarbeit erweitert.
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Dieser ungewöhnliche Bau vereint Gestaltungswillen und Können, Haltung und Gestaltung. Vorausgegangen war 2012 die Gründung des Vereins KUNSTrePUBLIK, der in einem leer stehenden Güterbahnhof in Berlin-Moabit ein breites Programm von Public Viewing über Reparaturworkshops und Nachbarschaftsmärkte bis zu Ausstellungen, Performances und Künstler-Residencies etabliert hat. Eine Erweiterung musste her. Nach der Bewilligung von sechs Millionen Euro Fördermitteln ging aus einem europaweiten Vergabeverfahren das Berliner Büro Peter Grundmann Architekten 2019 erfolgreich hervor.
Sorgfältige Fügung
Der Bau ist fein und sorgsam gefügt. Lasten werden sichtbar und ablesbar auf neuen Stützen abgetragen. Alte Wände, die nicht mehr belastet werden, durften stehenbleiben. Der Bestand insgesamt blieb unverändert. Die komplexesten Anschlüsse der Fassaden hat der gelernte Schiffsbauer Peter Grundmann nicht den Baufirmen überlassen, sondern selbst gebaut. Auch um Kosten zu sparen – die lediglich bei gut 2.000 Euro pro Quadratmeter liegen.
Ephemere Raumschicht
Die alte Lagerhalle im Erdgeschoss wurde als Hülle stehen gelassen und definiert den Veranstaltungsraum. Darunter befindet sich ein atmosphärischer Gewölbekeller mit Ausstellungsfläche und Bar. Der Bestand wird von einer ephemeren zweiten Raumschicht aus Glas und sehr wenig Stahl umfasst. Diese Hülle dient als Wärmeschutz und erreicht die energetischen Vorgaben auch ohne Dämmung. Auf der Eingangsseite bildet sie Foyer und Windfang. Auf der Gartenseite ist sie sechs Meter tief und nimmt einen Raum mit Bar auf. Das neue zweite Geschoss liegt auf einer vorgespannten Decke. Durch die zurückgesetzten Fassaden wird der Sonnenschutz hergestellt. Es entstand zudem ein breiter Laubengang, der alle Räume erschließt und dadurch eine große Nutzungsflexibilität auch im Inneren ermöglicht. Umlaufende Stahltreppen führen nach oben und verbinden beide Ebenen mit der großen Dachterrasse. Eingebettet ist das ZK U in einen öffentlichen Park, um dessen Pflege sich der Verein kümmert. Neu definierte Architektur Das Gebäude überzeugt architektonisch-räumlich ebenso wie konstruktiv-ästhetisch. Es demonstriert, dass ehrliche, haptische Konstruktion und ökonomische Planung nicht im Widerspruch zueinander stehen können – sondern sich vielmehr ergänzen, um großartige Architektur neu zu definieren. (Originaltext: Peter Cachola Schmal)














