Die Fotografen des Films LEICA – EIN JAHRHUNDERT IN BILDERN (2026)

JR  –  Fotografie und freie Konzeptkunst

Der 1983 in Paris geborene Fotograf und Konzeptkünstler schafft monumentale öffentliche Kunstprojekte, die gewohnte Wahrnehmungen hinterfragen.

Sein erstes großes Projekt Portrait of a Generation (2004–2006) lenkte die Aufmerksamkeit auf die klischeehaften Darstellungen von Jugendlichen aus den Pariser Vororten in den Medien.

Im Film stellen wir fotografische Projekte aus seiner Biografie vor und beobachten ihn bei der Arbeit an einem sogenannten Chronicle in Neapel. Dieses gigantische Wandbild, das die Fassade des Doms in Neapel schmückte, besteht aus mehreren Hundert Einzelportraits neapolitanischer Bürger aus allen Schichten und Berufen.

Notiz des Regisseurs: Mir gefällt an JR seine unglaubliche Energie und dass er glaubt, dass Kunst die Welt verändern kann. Mit seinen Projekten will er Menschen in einen Dialog bringen, die sich als Gegner betrachten. Unvergesslich, wie wir auf Motorrädern zusammen durch die engsten Gassen Neapels auf der Suche nach Fotomotiven gejagt sind.

Greg Williams

Fotograf der Stars

Der britische Fotograf Greg Williams, geboren 1972, ist bekannt für seine Celebrity-Porträts. Williams begann seine Karriere als Kriegsfotograf, bevor er sich Film und Editorial zuwandte.

Er hat am Set und für Plakatkampagnen von großen Filmproduktionen wie Casino Royale, Robin Hood und King Kong fotografiert.

Er ist Herausgeber des Fotomagazins „Hollywood Authentic“. Der Film begleitet ihn auf den Filmfestspielen von Venedig und beobachtet seine Arbeitsweise.

Notiz des Regisseurs: Die Stars lieben Greg, weil er gute Portraits von ihnen macht. Mit seiner empathischen Art und schnellen Arbeitsweise zieht er sie in seinen Bann. Er weiß, dass das Showbusiness harte Arbeit ist.

Unvergesslich, das Wiedersehen mit George und Amal Clooney und Jude Law.

Jane Evelyn Atwood

Der weibliche Blick in der Fotografie

Die 1947 in New York geborene Fotografin lebt seit 1971 in Frankreich. Ihre Arbeit spiegelt eine tiefe Verbundenheit mit ihren Themen über lange Zeiträume wider.

Sie veröffentlichte zahlreiche Bücher und erhielt viele Auszeichnungen für ihre Arbeit, darunter den W. Eugene Smith Award (1980), den Grand Prix Paris Match (1990), den Leica Oskar Barnack Award (1997) und Le Grand Prix Photo Albert Kahn (2018).

Im Film erzählt sie von der Entstehung ihres Meisterwerks „Rue des Lombards“, in dem sie Prostituierte in Paris fotografierte.

Notiz des Regisseurs: Jane hat nie eine Ausbildung als Fotografin gehabt.

Sie griff nach der Kamera, weil sie den Eintritt in eine Welt ermöglichte, die sie nicht kannte und die sie besser verstehen wollte.

Sie schenkte mir den Satz: A good photo is a photo that moves you. If it knocks you out, it´s a great photo.

Misan Harriman – Black Lives Matter und die Fotografie sozialer Bewegungen 

Der 1977 in Nigeria geborene und in London lebende Fotograf Misan Harriman erlangte internationale Anerkennung u. a. für seine Celebrity- Porträts von Meghan Markle.

Harriman ist auch als Filmemacher und Aktivist in der Black-Lives-Matter-Bewegung tätig. Er fotografierte die Proteste in London im Juni 2020 mit seiner Leica. Er war die erste Person of Color in der damals 104-jährigen Geschichte der britischen Vogue, die ein Covermotiv fotografierte. 2024 wurde sein Film „The After“ für einen Oscar für den besten Kurzfilm nominiert.

Notiz des Regisseurs: Mit 40 Jahren griff Misan zum ersten Mal zur Kamera, um seine Betroffenheit über den Tod von George Floyd auszudrücken und landete damit auf dem Cover der britischen Vogue.

Seine Karriere ist beispielhaft für viele Fotografen, die mit der Kamera ihren Gefühlen Ausdruck verliehen haben.

Gabiele Micalizzi – Kriegsfotograf

1984 in Mailand, Italien, geboren, studierte er Bildende Kunst. Nach dem Abschluss begann Micalizzi seine fotografische Karriere bei der Mailänder Agentur NewPress. 2011 begann er, an Dokumentationen über den Nahen Osten zu arbeiten. Während Covid-19 dokumentierte er das Ausmaß der Pandemie in Bergamo und der Lombardei. Später fotografierte er in Afghanistan, im Irak und der Ukraine. Seine Arbeiten erschienen in Publikationen wie dem New York Times Magazine, dem Guardian und dem Stern.

Im Film berichtet er davon, wie er 2019 die Kurdische Offensive gegen die letzte ISIS Bastion in Baghuz begleitet hat, wie er dabei von einer RPG Rakete stark verwundet wurde und wie ihm seine Leica das Leben rettete.

Notiz des Regisseurs: In den Gesprächen mit Gabriele und beim Betrachten seiner Bilder musste Ich immer wieder an das berühmte Zitat des Kriegsfotografen Robert Capa denken. „Wenn Deine Bilder nicht gut sind, warst du nicht nah genug dran“.

Gabriele ist immer mittendrin im Kriegsgeschehen.

Dominic Nahr

Kriegsfotograf

Geboren 1983 im Appenzell in der Schweiz, wuchs er in Hongkong auf. Seit Beginn seiner Karriere widmet er sich der Dokumentation von Konflikten, humanitären Krisen und sozialkritischen Themen. 2009 war er der erste Newcomer-Gewinner des Leica Oskar Barnack Award. Nachdem er mehrere Jahre in Kenia gelebt hatte, zog er 2017 zurück in die Schweiz. Dort ist er neben seiner freien Tätigkeit auch als Bildredakteur und Fotograf bei der NZZ tätig. Zuletzt reiste Nahr für Projekte nach Syrien und in die Ukraine. Dort haben wir ihn bei der Arbeit an der Front beobachtet.

Notiz des Regisseurs:  Dominic hat uns gezeigt, wie man sich behutsam an Kriegsschauplätzen verhält, um die Gefahr für das eigene Leben zu minimieren.

Er beeindruckt mich durch seinen Mut und seine gleichzeitige Zerbrechlichkeit.