Von der Sehnsucht, einen Turm zu bauen "Baumeister Solness" von Henrik Ibsen am Staatsschauspiel in Dresden. Regie: Burghart Klaußner

Aus dem Norwegischen von Heiner Gimmler. Das Stück ist die erste Inszenierung Klaußners für das Staatsschauspiel Dresden. Premiere vom 17. Januar 2013 im Kleinen Haus 1

Die Inszenierung muss ein Erfolg sein. Aus verschiedenen Richtungen laufen Kommentare ein, um über das Theaterereignis zu berichten. Vielleicht liegt das an der Bauweise die gerade in vieler Munde ist, wenn über missglückte Berliner Flughafeneröffnungen geschrieben wird. Was ja nur symptomatisch für viele Projekte steht, die nicht enden wollen. Sicherlich gäbe es auch Gegenbeispiele an Turmbauten in der Gegenwart aufzuzählen, denen ein besseres Schicksal beschert bleibt. Wie tiefgreifend die Materie ist, dies kann der Charaktermensch Ibsen am besten verdeutlichen. Damit auch was vom Theater und von der Kultur für die manchmal lebensfeindliche Wirklichkeit übrig bleibt.

Erst hat Baumeister Solness Häuser für den lieben Gott gebaut, dann Häuser für Menschen – das hat ihn erfolgreich gemacht, wohlhabend und anerkannt. Nun sieht er seinen Erfolg bedroht: von Jüngeren, für die er Platz machen soll, von den Lasten der Vergangenheit und vom Unglück seiner Ehe.

Gerade jetzt klopft die Jugend an seine Tür – Hilde Wangel, die ihn als Zwölfjährige mit einem Richtkranz auf dem Kirchturm hat stehen sehen und bejubelte. Sie wird in den leerstehenden Kinderzimmern einquartiert – und treibt alle Konstellationen in Solness’ Haushalt und Büro auf ein finales „Richtfest“ zu, bei dem Solness ein weiteres Mal in schwindelerregende Höhen steigt.

Der kürzlich mit dem deutschen Theaterpreis „Der Faust“ ausgezeichnete Burghart Klaußner, der als Schauspieler am Staatsschauspiel in „Don Carlos“ als König Philipp sowie als Dorfrichter Adam in „Der zerbrochne Krug“ zu sehen ist, inszeniert nach Regiearbeiten in Hamburg und Bochum zum ersten Mal in Dresden – mit Holger Hübner in der Titelrolle.

Dauer der Aufführung: 2 Stunden, eine Pause

Besetzung:

Baumeister Halvard Solness: Holger Hübner

Frau Aline Solness, Baumeister Solness‘ Frau: Christine Hoppe

Doktor Herdal, Hausarzt: Horst Mendroch

Knut Brovik, früher Architekt, jetzt Assistent bei Solness: Lars Jung

Ragnar Brovik, Knut Broviks Sohn, Zeichner: Matthias Luckey

Kaja Fosli, Knut Broviks Nichte, Buchhalterin: Christine-Marie Günther

Fräulein Hilde Wangel: Ines Marie Westernströer

Regie: Burghart Klaußner

Bühne: Jens Kilian

Kostüm: Marion Münch

Dramaturgie: Ole Georg Graf

Licht: Björn Gerum

Türme sind in der Literatur ein häufig wiederkehrendes Thema. Virgina Woolfs Erzählung „Der schiefe Turm“ aus den 1940er Jahren ist nur eine Variante. Zu neueren Werken zählt der Roman  „Der Turm“ (2008) von Uwe Tellkamp, der im Dresdner Villenviertel seinen Ausgang nimmt und sich gesellschaftskritisch mit der Bevölkerung nach den DDR-Jahren befasst. Auch der 1910 erschienene Roman  „Der Turmbau“ von Oskar Loerke liegt auf der Linie der Türme in städtischer Umgebung.

Henrik Ibsen ist Naturalist, zwar ein Mensch des 19. Jahrhunderts und Zeitgenosse des Schweden August Strindberg, der wie Ibsen zahlreiche Theaterstücke veröffentlichte, welche sehr erfolgreich waren. Beide lebten bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Strindbergs 100. Todesjahr ist gerade vorüber, der nicht nur ein hervorragender Gesellschaftskritiker war sondern auch Maler und Kunsterfinder. Doch Ibsen ist viel stärker, denn er ist der Architekt selbst. Seine Literatur ist prägend und verfügt über einen Bauplan, der über den Autor hinaus auf Generationen literarischen Schaffens Einfluß ausübte. Deshalb ist sein „Bygmester Solness“, wie sein Stück auf norwegisch heißt, auch bezeichnend für die gesamte Haltung.

Weitere Aufführungen

„Baumeister Solness“ am Dresdner Staatsschauspiel:

Samstag 19.1.2013 19:30

Freitag 25.1.2013 19:30

Mittwoch 30.1.2013 19:30

Freitag 8.2.2013 19:30

Mittwoch 13.2.2013 19:30

Burghart Klaußner tritt in nächster Zeit nicht nur als Regisseur auf, sondern auch in der Hauptrolle im neuen Kinofilm „INVASION“, der ab 28. Februar 2013 in die deutschen Kinos kommt.

Was im Film leicht beginnt, nimmt ein schweres Ende. Mehrere Besucher versammeln sich in einem abgelegenen Landhaus, das nur von Josef (BURGHART KLAUSSNER) bewohnt wird. Sein einziger Sohn ist bei einem Busunglück ums Leben gekommen. Dem Jungen trauert er verdrießlich nach. Seine ungebetenen Besucher, zuerst Aufmunterung vom Leid, nimmt er immer mehr als Invasoren und Eindringliche in sein Reich im abgeschiedenen Gutshof wahr.

 Meldung: Staatsschauspiel Dresden