DER MIETER Gelungene Frankfurter Opernuraufführung am 12. November 2017

Der Mieter, Georg, gesungen von Björn Bürger, wurde für seinen Auftritt am Schluss mit überragendem Beifall belohnt. Laute Bravo Rufe tönten aus dem Publikum. Genauso Anja Petersen, Sopran, die den Part der Johanna sang. Der Inhalt der Erzählung bleibt während der musikalischen Opernaufführung verständlich. Das ist ein Plus an den Regisseur Johannes Erath.

Ein transparenter Bühnenvorhang steht starr mit durchscheinendem s/w Foto einer schlichten Altbauwohnung mit halbabgerissener Tapete an den Wänden. Lediglich ein Handwaschbecken auf einem Stützfuß dominiert das Bild. Daneben steht eine Zimmertür auf, der Blick in das nächste Zimmer erlaubt die Sicht auf die leere Sitzfläche eines Stuhls  –  Das ist die Szenerie vor dunklem nahezu schwarzem Hintergrund noch vor Beginn der eigentlichen Vorstellung. Ein Geruch von Theaterbühne, der an den von Künstlerateliers erinnert, strömt in den Publikumssaal und sorgt für die erwartungsvoll getränkte Stimmung. Die oberen Ränge werden besetzt. Im Parkett ist bald kein einziger freier Platz mehr zu sehen, die Reihen haben sich aufgefüllt. Der Spannungsgrad vor Beginn ist gesteigert. Menschen in dunkler Winterkleidung: Anzug und Abendkleid kommen zur Geltung. 

Allmählich tauchen umherlaufende Gestalten durch den Vorhang hindurch auf, der vor Dünnheit fast gar nicht wahrnehmbar ist  Die Vorstellung beginnt! Eine Straßenszene mit beleuchtetem Telefonhäuschen, Unterführungen und umherlaufenden Personen hat sich auf einer Drehbühne vor dem noch immer geschlossenen transparenten Vorhang in Gang gesetzt. Der Anschein städtischer Umtriebigkeit entsteht. Das ist der Anfang zur Oper „DER MIETER“.

Grafik (c) Kulturexpress, Tuscheskizze Bühnenaufbau

Das Orchester beginnt zu spielen, die ersten Akteure auf der Bühne setzen mit rhythmischem Gesang ein. Der Vorhang schiebt sich langsam zur Seite, nachdem eine Filmszene mit Vormieterin im Gespräch und dem Hauseigentümer über den Vorhang flimmerte. Es ist das Spiel auf verschiedenen Ebenen, die sehr viel mit dem wässrigen Element zu tun haben. Eine Art Lasiertechnik auf der Bühne findet statt. Eine Technik, die in ihrer Differenziertheit an die Filmtechnik von Peter Greenaway erinnert, was vereinfacht auf die Bühne übertragen wurde. 

Dann tritt Georg, der Mieter auf. Er ist Nachmieter der Wohnung, die er von der Vormieterin übernommen hat. Die Bühne verwandelt sich. Eine Art schräg gestelltes Quadrat mit neun beleuchteten Feldern ist jetzt Spielfeld und Wohnraum des Mieters. Das Szenario wirkt fast monolithisch trotz des technischen Aufwandes. Durch filmische Projektionen auf die Vorhangfläche summiert sich die Vielschichtigkeit der Szenen. Bisweilen betont durch eine kraftvolle und lautstarke Musik fast wie in Stanley Kubricks „Odysee im Weltraum“ mit laut hämmernden Paukenschlägen aus „Also sprach Zarathustra“.

Die Klangmalerei in dieser Oper ist vielfältig. A-melodische und melodische Klänge halten sich auf einer Höhe, so dass Theatralik und Oper für den Zuhörer nicht zu anstrengend und erschöpfend sind. Das tragische Ende des Mieters bleibt absehbar und verleiht dem Stück die notwendige Tiefgründigkeit. 

Eine Opernrezension von Kulturexpress

Kurzfilm von Thiemo Hehl zur Uraufführung von Arnulf Herrmanns Der Mieter

www.oper-frankfurt.de/de/mediathek/?id_media=149

Oper in drei Akten

Text von Händl Klaus

frei nach Motiven des Romans

Le Locataire chimérique (1964) von Roland Topor

Auftragswerk der Oper Frankfurt

Mit Übertiteln

Musikalische Leitung: Kazushi Ōno

Regie: Johannes Erath

Bühnenbild: Kaspar Glarner

Kostüme: Katharina Tasch

Licht: Joachim Klein

Video: Bibi Abel

Sounddesign: Josh Jürgen Martin

Chor: Walter Zeh

Dramaturgie: Zsolt Horpácsy

Georg: Björn Bürger

Johanna: Anja Petersen

Herr Zenk: Alfred Reiter

Frau Bach: Hanna Schwarz

Frau Greiner: Claudia Mahnke

Frau Dorn: Judita Nagyová

Körner: Michael Porter

Krell: Theo Lebow

Ingo / Kellner: Sebastian Geyer

Herr Kögel: Miki Stojanov

Philharmonia Chor Wien

Statisterie der Oper Frankfurt

Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Grafik oben (c) Kulturexpress, Tuscheskizze Bühnenaufbau