ELEANOR & COLETTE Regie: Bille August (BRD/ Belgien) Kinostart: 03. Mai 2018

Eleanor Riese (Helena Bonham Carter) leidet an paranoider Schizophrenie und weiß, dass sie nur mit Medikamenten ein eigenständiges Leben führen kann. Als sich bei einem freiwilligen Klinikaufenthalt jedoch starke Nebenwirkungen bemerkbar machen und ihre Ärzte Eleanors Bitten ignorieren, ihre Medikation mitzubestimmen, heuert sie die Anwältin Colette Hughes (Hilary Swank) an, um genau das durchzusetzen. In einem so gut wie aussichtslosen Verfahren stellen sich die beiden gegen ein übermächtiges Establishment aus Pharmaindustrie und Ärzten, schaffen es aber, ihren Fall bis zum obersten Gerichtshof zu bringen.

Poster

Der Film beginnt mit dem Klinikaufenthalt Eleanors, sie steht von Anfang an im Mittelpunkt, das ist ihre Rolle, ohne diese würde der Film nicht funktionieren. Der Aufwand der um sie als Psychiatrieopfer betrieben wird, funktioniert eben nur mit jemandem der das Bedürfnis hat, auch wirklich im Mittelpunkt stehen zu wollen. Das gelingt zunächst ganz unscheinbar, denn Eleanor ist Patientin und hat als solche recht wenig Möglichkeit aus der Welt der Befangenheit zu entkommen. Sie nimmt sich eine Anwältin, nicht bevor sie sich von deren Loyalität überzeugt hat und Verhaltensweisen einzeln kommentiert und um auf die vehementen Missstände innerhalb der psychiatrischen Anstalt aufmerksam zu machen. Jedenfalls kommen die beiden zusammen. Colette ist eine engagierte Anwältin, die sich für gesellschaftlich diskreditierte Menschen einsetzt, um diesen zu mehr Ansehen zu verhelfen und gegebenenfalls dafür auch vor das höchste Gericht der USA zu ziehen. Ein Unterfangen, das vor Aussichtslosigkeit zum Scheitern verurteilt zu sein scheint. Gäbe es nicht ein Gerichtssystem das Präzedenzfällen, wie diesem, gelegentlich zum Durchbruch verhilft. Insgesamt betrachtet, ist Bille Augusts Film aber ein europäischer Film geworden, der zwar nach Amerika verlagert wurde und mit sehr viel Innerlichkeit das beherzte Leben Eleanors aufgreift, deren Gebaren an Häuslichkeit aber schon sehr viel französisches Flair besitzt und um so weniger den US-amerikanischen Puritanismus vertritt, der vermutlich notwendig ist, um bürokratische Hindernisse dieser Größenordnung zu überwinden. Die Geschichte der Psychiatrie aufzuarbeiten, um die Opfer zu rehabilitieren, ist dagegen ein großartiges Vorhaben. In diese Kategorie würde ich aber auch Filme wie: „Maudie“ (2017) rechnen, was mehr einer Milieustudie gleicht, in der das verkannte künstlerische Talent der kanadischen Malerin Maudie unvermutet Hochachtung erlangt. Auch der Film „Schloss aus Glas“ (2017) ebenfalls aus den USA enthält sozialkritische Töne, welche die Gesellschaft an den Pranger stellen wollen, um den Armen und Schwachen mehr Gerechtigkeit entgegenzubringen. In „Schloss aus Glas“ ist ein cholerischer Vater und seine ihm ergebene Frau unterwegs, deren Träume fast zerplatzen, da sie nur mit knapper Not schaffen, die kinderreiche Familie zu ernähren und durch den Alltag zu bringen.

Regisseur Bille August erzählt den Film nach einer wahren Begebenheit. ELEANOR & COLETTE ist die Geschichte der ganz besonderen Freundschaft zweier völlig unterschiedlicher Frauen und ihres gemeinsamen Kampfes für Gerechtigkeit. Zwei Frauen, die für das eintreten, was für jeden selbstverständlich sein sollte – Selbstbestimmung und Menschlichkeit, die dabei ebenso mitreißend wie inspirierend zeigen, welche Kraft sich entwickeln kann, wenn man für die eigenen Überzeugungen einsteht.

In den Hauptrollen begeistern Helena Bonham Carter als Eleanor Riese und Hilary Swank als deren Anwältin Colette Hughes, in Nebenrollen sind u.a. Jeffrey Tambor sowie Johan Heldenbergh und Cynthia Hoppenfeld zu sehen.

TECHNISCHE DATEN

Herstellungsland / -jahr Deutschland / Belgien, 2017

Länge 115 Minuten

Bildformat 2K Scope 1:2,39

Tonformat 5.1 Audio PCM

BESETZUNG

Eleanor Riese – Helena Bonham Carter

Colette Hughes – Hilary Swank

Mort Cohen – Jeffrey Tambor

Robert Johan Heldenbergh

Schwester Florence C- ynthia Hoppenfeld

Dr. Steven Booker – Edward Bennett

James Adams – Vincent Riotta

Eleanors Mutter – Doreen Mantle

Karen Winkle – Florence Bell

Dr. Wells – Nathan Osgood

Dr. Donnely – Simon Chandler

Dr. Bardy – Jonathan Kerrigan

Oberrichter Wilson – Douglas Reith

Richter Farrelly – Michael Culkin

Radiomoderator – Tim Ahern

Margie – Anneike Rose

u.v.m.

STAB

Regie: Bille August

Drehbuch: Mark Bruce Rosin

Produktion: elsani film

Produzenten: Anita Elsani, Sara Risher, Mark Bruce Rosin, Lesley Neary, Laurie Shearing

Ko-Produzenten: Peter de Maegd, Tom Hameeuw, Bastie Griese, Philip Borbély

Executive Producers: Helena Bonham Carter, Hilary Swank, Daniel Grodnik, Mary Aloe, Jürgen Grethler, Nicola van Gelder, Stuart Berton, Ger Wiersma, Rolf Schübel, Iris Dugow

Casting: Reg Poerscout-Edgerton CSA

Kamera: Filip Zumbrunn

Musik: Annette Focks

Schnitt: Hansjörg Weißbrich BFS

Production Design: Merijn Sep

Kostüm: Charlotte Willems

Maske: Birger Laube, Heike Merker

Production Sound Mixer: Michael Schlömer

Re-Recording Mixer: Srdjan Kurpjel M.P.S.E.

Production Manager: Ursula Bay

Postproduction Supervisor: Niko Remus

Weltpremiere feierte ELEANOR & COLETTE im September 2017 beim Toronto International Film Festival. ELEANOR & COLETTE ist eine Produktion der Kölner elsani film, Anita Elsani, in Koproduktion mit Potemkino Port, Peter de Maegd und Tom Hameeuw, und MMC Movies Köln, Bastie Griese und Philip Borbély. Gefördert wurde die Produktion von der Film- und Medienstiftung NRW, dem Deutschen Filmförderfonds und Screen Flanders.