Ab 02. Juli 2020 im Kino: Undine (Paula Beer) lebt in Berlin. Ein kleines Appartment am Alexanderplatz, ein Honorarvertrag als Stadthistorikerin, ein modernes Großstadtleben wie auf Abruf. Als ihr Freund Johannes (Jacob Matschenz) sie verlässt, bricht eine Welt für sie zusammen. Der Zauber ist zerstört. Wenn ihre Liebe verraten wird, so heißt es in den alten Märchen, muss sie den treulosen Mann töten und ins Wasser zurückkehren, aus dem sie einst gekommen ist. Undine wehrt sich gegen diesen Fluch der zerstörten Liebe. Sie begegnet dem Industrietaucher Christoph (Franz Rogowski) und verliebt sich in ihn. Es ist eine neue, glückliche, ganz andere Liebe, voller Neugier und Vertrauen. Atemlos verfolgt Christoph ihre Vorträge über die auf den Sümpfen gebaute Stadt Berlin, mühelos begleitet Undine ihn bei seinen Tauchgängen in der versunkenen Welt eines Stausees. Doch Christoph spürt, dass sie vor etwas davonläuft. Undine muss sich dem Fluch stellen. Diese Liebe will sie nicht verlieren. UNDINE ist Christian Petzolds faszinierende Neuinterpretation des Mythos der geheimnisvollen Wasserfrau Undine, die nur durch die Liebe eines Menschen ein irdisches Leben führen kann: Ein modernes Märchen in einer entzauberten Welt, die Geschichte einer Liebe auf Leben und Tod.

Filmposter

Inwieweit hier verstärkt an neuen Mythen gebaut wird, ist spekulativ. Ein modernes Märchen produziert der Film sicherlich. Derlei Verfilmungen gibt es jedoch viele. Einer davon ist “Das Mädchen aus dem Wasser” (2006) in der Regie von M. Night Shyamalan. Was aus der Sinnhaftigkeit der Handlung und seiner Darsteller geworden ist, bleibt Geschmacksache. So abstrus wie in “Das Mädchen aus dem Wasser” sind Story und Plot in “Undine” zum Glück nicht, so dass Zuschauer wenigstens die Chance bekommen, um sich zu orientieren. Mit der Handlung im Film Einhergehen und sich darin Aufgehoben fühlen, das funktioniert. Das lässt die Filmhandlung ohne weiteres zu. Die ständige Bedienung mit neuen Mythen kann auch zur Überfütterung führen, indem die falschen Weltbilder propagiert werden. Halb surreal, halb fantastisch führt das zur Entfremdung. Das Abwägen, was ist zu meinem Wohl und was nicht, geschieht auf einer schmalen Gratwanderung zwischen Diesseits und Jenseits, der Liebe zwischen Leben und Tod. Traumverloren gibt sich Paula Beer in ihrer Rolle als Undine. Sie spielt in einer Scheinwelt, rutscht ab, wird unterirdisch, ist Ersatzhandlung für das Quäntchen an Zuneigung, wofür sie als Hilfsmittel gebraucht wird. Der Ruf nach Undine ist ein Lügengebilde und nur an diejenigen gerichtet, die sich verloren glauben, weil sie in unerfüllter Liebe ihr Dasein fristen.     

Director’s Statement „Ihr Menschen! Ihr Ungeheuer!“ So beginnt Ingeborg Bachmanns Erzählung „Undine geht“.

Undine ist die verratene Wasserfrau. In der alten Mythologie lebt sie in einem Wald, in einem See. Ein Mann, der eine Frau unglücklich liebt, dessen Liebe nicht erwidert wird und aussichtslos ist und der nicht mehr weiß, wohin mit sich, seinen Gefühlen, der unfassbar verzweifelt ist, der kann in den Wald, an das Ufer des Sees gehen und Undines Namen rufen.

Sie wird kommen. Und sie wird ihn lieben. Diese Liebe ist ein Vertrag. Nie darf sie verraten werden. Wenn sie verraten wird, dann muss der Mann sterben. Nun ist es so, dass der, der liebt und geliebt wird, leicht und frei und auch wieder liebens- und begehrenswert erscheint. In der Mythologie interessiert sich plötzlich die aussichtslos Angebetete wieder für den Mann. Der Mann verlässt Undine. Er wird die andere, die Ursprüngliche, heiraten. In der Hochzeitsnacht betritt Undine das Schlafzimmer, umarmt den Mann in einer Blase aus Wasser, in der er ertrinken wird. „Ich habe ihn totgeweint!“ wird sie den herbeieilenden Dienern entgegenstammeln, bevor sie im Wald, im See, verschwinden wird.

Unsere Undine ist eine Stadthistorikerin in Berlin. Sie gibt Führungen in der Senatsstelle für Stadtentwicklung. Sie ist gerade verlassen, verraten worden. Von einem, der Johannes heißt.

Eigentlich, so will es der Mythos, müsste sie sich rächen, an Johannes. Ihn töten. Undine wehrt sich gegen den Mythos. Sie will nicht zurück, in den Fluch, in den Wald, in den See. Sie will nicht gehen. Sie will lieben. Sie lernt einen anderen kennen. Von dieser Liebesgeschichte erzählt „Undine“.

Christian Petzold

   
Besetzung/ Cast

Undine – Paula Beer
Christoph – Franz Rogowski
Monika – Maryam Zaree
Johannes – Jacob Matschenz
Anna – Anne Ratte-Polle
Jochen – Rafael Stachowiak
Nora – Julia Franz Richter
Antonia – Gloria Endres de Oliveira
Miguel – José Barros
Kellner – Enno Trebs

Stab/ Crew
Buch Christian Petzold
Bildgestaltung Hans Fromm, bvk
Montage Bettina Böhler
Szenenbild Merlin Ortner
Kostümbild Katharina Ost
Casting Simone Bär
Originalton Andreas Mücke-Niesytka
Sound Design Dominik Schleier

forts. Stab/ Crew

Sound Design Benjamin Hörbe
Bettina Böhler
Mischung Martin Steyer
Maskenbild Scharka Cechova
Franziska Röder
Oberbeleuchter Christoph Dehmel
Regieassistenz Ires Jung
Produktionsleitung Dorissa Berninger
Herstellungsleitung Anton Kaiser
Redaktion Caroline von Senden
Andreas Schreitmüller
Olivier Père
Rémi Burah
Koproduzentin Margaret Menegoz
Produzenten Florian Koerner von Gustorf
Michael Weber
Regie Christian Petzold

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