Das Leben der Harriet Tubman
Fluchthelferin, Abolitionistin, Spionin, Krankenschwester im Bürgerkrieg, Frauenwahlrechtlerin und Humanistin: Das alles war Harriet Tubman. Die schrecklichen Umstände, die sie bereits als Kind in der Sklaverei über sich ergehen lassen musste, haben sie ihr ganzes Leben lang geprägt. Trotzdem gelang es ihr, aus der Rolle des Opfers auszubrechen und ihre Träume von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit zu verwirklichen.
Geboren wurde Harriet Tubman 1822 in Dorchester County im US-Staat Maryland als fünftes von insgesamt neun Kindern. Ihre Eltern Ben und Rit Ross tauften sie auf den Namen Araminta, kurz „Minty“. Schon im Alter von sechs Jahren wurde sie von ihrer Mutter getrennt, oftmals körperlich und seelisch misshandelt und vernachlässigt. Ein Schlag auf den Kopf durch einen wütenden Sklavenaufseher hätte sie als Kind fast das Leben gekostet. Mit den Spätfolgen der Verletzung hatte sie bis zu ihrem Tod zu kämpfen. Die häufigen Trennungen von ihrer Familie und der Verkauf ihrer drei Schwestern an unbekannte Orte im tiefen Süden des Landes verschlimmerten ihre Situation noch. „Sklaverei“, sagte Harriet Tubman einst, „ist das, was der Hölle am nächsten kommt.“
1844 heiratete Minty John Tubman, einen freien Schwarzen. Um die Schulden ihres 1849 verstorbenen Besitzers zu begleichen, drohte ihr der Verkauf – und damit auch die dauerhafte Trennung von ihrer geliebten Familie. Mit Hilfe der Organisation „Underground Railroad“ gelang ihr jedoch die Flucht. Sie reiste bei Nacht, orientierte sich nur am Nordstern und schlug sich an der Ostküste Marylands über Delaware bis in die Freiheit nach Philadelphia durch. Dort änderte sie ihren Namen von Minty in Harriet Tubman. Doch die Freiheit schmeckte bittersüß. „Ich war zwar frei“, erinnerte sich Tubman später, „aber ich hatte niemanden, mit dem ich diese Freiheit hätte teilen können.“
Tubman begann, sich in Anti-Sklaverei-, Fluchthilfe- und Frauenwahlrechts-Organisationen in Philadelphia, New York City und Boston zu engagieren. Dort fand sie die finanzielle und persönliche Unterstützung, um ihren Feldzug gegen die Sklaverei fortzusetzen und den Traum der Rassen- und Geschlechtergleichheit zu realisieren, für den sie sich den Rest ihres Lebens einsetzen sollte.
Trotz der vielen Risiken – einschließlich des sicheren Todes im Falle einer Gefangennahme – sorgte Tubman dafür, dass bis 1860 etwa 70 ehemalige Sklaven in die Freiheit gelangten, darunter ihre Brüder, Eltern und andere Familienmitglieder. Tubman benutzte Verkleidungen und ein Netzwerk aus schwarzen und weißen Sympathisanten, die den Freiheitssuchenden Unterschlupf gewährten. Zwar konnte sie nicht alle ehemaligen Sklaven persönlich begleiten, doch ihre detaillierten Instruktionen halfen mindestens 70 weiteren Personen, den Weg in die Freiheit zu finden. Tubmans zahlreiche Reisen zurück in gefährliches Sklavengebiet brachten ihr den biblischen Spitznamen „Moses“ ein.
In den Jahren vor dem Bürgerkrieg wuchs sich Tubmans persönliches Engagement zum festen Entschluss aus, das Sklavensystem vollständig zu zerstören. Sie arbeitete zusammen mit dem Anti-Sklaven-Aktivisten John Brown, dessen gescheiterter Überfall auf Harpers Ferry 1859 dazu beitrug, den Bürgerkrieg zu entfachen. Während des Krieges ging sie nach South Carolina, wo sie als Krankenschwester, Späherin, Köchin und Spionin für die Unionsarmee tätig war.
Nach dem Krieg kehrte Tubman zu ihrer Familie nach Auburn, New York, zurück. 1869 heiratete sie den Bürgerkriegsveteranen Nelson Davis, mit dem sie ein kleines Mädchen namens Gertie adoptierte. Bis zu ihrem Tod kämpfte Harriet Tubman leidenschaftlich für Rassen- und Geschlechtergleichheit. Sie starb am 10. März 1913.



