Die weltberühmte Performance-Künstlerin Marina Abramović wurde in Belgrad geboren und verließ 1974 nach ihrem Studium an der Akademie der Schönen Künste in Belgrad und Zagreb ihre Heimat. In ihrer Kunst, in der sie bald ihren Körper zum Werkzeug machte, schöpft sie als militärisch streng erzogene Tochter von Partisanen aus ihrer Biographie.

Marina Abramović bei der Vorbereitung einer Ausstellung. Foto (c) Börres Weiffenbach

Ihre Eltern kämpften im Zweiten Weltkrieg gegen Deutschland, waren dann prominente Mitglieder der kommunistischen Partei. Zehn Jahre arbeitete Marina bei ihren Performances, die die Grenzen des Körpers ausloteten, allein, dann folgten zehn gemeinsame Jahre mit dem deutschen Künstler Ulay. 1988 trennten sich die beiden. Für ihre Performance-Installation “Balkan Baroque“, ihre künstlerische Auseinandersetzung mit den Jugoslawienkriegen, wurde sie auf der Biennale von Venedig 1997 mit dem Goldenen Löwen geehrt. In “The Biography“ inszeniert sie die Stationen ihres künstlerischen Werdegangs. Mit der Performance “Balkan Erotic Epic“ (2005) thematisiert sie den Zusammenhang von Sexualität und Gewalt.

2008 gründet sie die “M.A. Foundation for Preservation of Performance Art“. 2010 findet parallel zur Retrospektive im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) die Performance „The Artist is present” statt, in deren Rahmen Abramović an einem Tisch im Atrium des Museums sitzt und schweigend Besucher empfängt. Nach 721 Stunden waren es 750.000 Besucher, die ihr gegenüber Platz genommen hatten. In der Spielzeit 2019/20 wird sie an der Bayerischen Staatsoper für die Konzeption, Inszenierung und Bühne der Oper “7 Death of Maria Callas” verantwortlich sein und als Performerin darin mitwirken. In ihren neuen Arbeiten verewigt Marina Abramović einige ihrer Performances in Werken aus Alabaster. Ab September 2020 werden diese in der Royal Academy, London, zu sehen sein, wo sie als erste Frau eine umfassende Ausstellung zeigen wird. Marina Abramović lebt und arbeitet in New York.

SIGALIT LANDAU

Sigalit Landau ist 1969 in Jerusalem geboren und Tochter von aus Wien und Rumänien geflohenen Juden, die den Holocaust überlebten. Landau hat ihre künstlerischen Wurzeln im Tanz und arbeitet als Video-Künstlerin und Bildhauerin. Sie studierte Kunst in Jerusalem und New York. Der alltägliche Krieg in Israel, die Existenzkämpfe um Land und Wasser, um Lebensrecht, fließen in ihre Arbeiten ein. Bei ihrer Auseinandersetzung mit ihrer jüdischen Identität, Geschichte und Gegenwart steht ihr Körper im Zentrum. So auch in ihrer Arbeit “Barbed Hula” (2000): um ihren nackten Körper kreist ein Hula-Hoop-Reif aus Stacheldraht. International bekannt ist sie spätestens seit der Biennale in Venedig 2011.

Sigalit Landau während des Drehs am Toten Meer.
(c) Börres Weiffenbach

In “The Country” (2002) reagiert sie mit Verzweiflung auf die Zweite Intifada. Seit dem Tod ihrer Mutter erforscht sie das Tote Meer – ein Ort, der sie inspiriert, mit ihrer Biographie verbindet. Dort formt sie aus Stacheldraht Objekte, die nach Monaten im Salzwasser kristallisieren, sich zu Werken von glitzernder Schönheit verwandeln. In der Video-Installation “DeadSee“ (2005) ist ihr Körper Teil einer auf dem Toten Meer schwimmenden Spirale aus Wassermelonen. “Salt Years” war von Juli bis November 2019 im Museum der Moderne, Salzburg, ausgestellt. Sigalit Landau lebt und arbeitet in Tel Aviv.

SHIRIN NESHAT

Shirin Neshat wurde in der iranischen Stadt Qazvin geboren und wuchs in einer Arztfamilie auf, die sehr westlich orientiert war. Aufgrund der angespannten politischen Situation schickte ihr Vater sie in die USA, wo sie Kunst studierte. Nach dem Sturz des Schahs 1979 und der islamischen Revolution, die Ayatollah Khomeini an die Macht brachte, durfte sie lange nicht in ihre Heimat zurückkehren. Neshat zog nach New York, doch an künstlerisches Schaffen war nicht zu denken. Sie hatte als Iran-Flüchtling einen zu unsicheren Status. Erst nach dem Tod Khomeinis konnte sie 1990 wieder in den Iran reisen und war zutiefst schockiert und verstört über das so veränderte Land.

Shirin Neshat beim Tanzen. Foto (c) Börres Weiffenbach

Die Exil-Iranerin experimentierte mit diversen künstlerischen Mitteln, um diesen Schock zu verarbeiten. Es entstanden die Fotoarbeiten “Women of Allah“, in denen sie selbst in unterschiedliche Rollen schlüpft, von der verschleierten Gläubigen bis zur bewaffneten Terroristin. Mit Schönheit will sie gegen Gewalt angehen, überzog die Fotoarbeiten mit lyrischen Texten in Farsi. Sie begann mit Video-Arbeiten wie “Turbulent” (1998) und “Rapture” (1999), gewann in Venedig 1999 den Goldenen Löwen – ihr internationaler Durchbruch. Poetisch aufgeladene Bilder und Videos, die von Macht, Gewalt und Sexualität erzählen, treffen die emotionale Ebene, treffen uns mitten ins Herz. Mit dem Spielfilm “Women without Men” erhielt sie 2009 auf den Filmfestspielen in Venedig den Regiepreis. Ebenfalls in Venedig wurde 2017 ihr zweiter Spielfilm „Auf der Suche nach Oum Kulthum” gezeigt, der 2018 auch im Kino zu sehen war. Shirin Neshat lebt in zweiter Ehe mit dem iranischen Regisseur Shoja Azari zusammen. Sie lebt und arbeitet in New York.

KATHARINA SIEVERDING

Katharina Sieverding wurde in Prag als Tochter eines deutschen Radiologen geboren. Nach Kriegsende war die Familie länger in tschechischen Internierungslagern, zog dann ins Ruhrgebiet. Sieverding studierte in Düsseldorf Kostüm und Bühnenbild und wirkte anschließend an verschiedenen Opern-Inszenierungen mit. Als 1967 Benno Ohnesorg erschossen wurde, wandte sie sich von der „Hochkultur“ ab und wurde Meisterschülerin von Joseph Beuys. Sie gehörte zur Düsseldorfer Künstlergruppe rund um Blinky Palermo und Sigmar Polke. Sieverding tingelte u.a. als „leuchtende Venus“ durch eine Messerwerfer-Show und trat als androgyne Figur „Karl“ auf.

Großformatige Fotografien im Studio von Katharina Sieverding. Foto (c) Börres Weiffenbach

Die Fotokünstlerin inszeniert ihr Selbstporträt, das sie mit unterschiedlichsten Techniken verfremdet. Der Kopf ist für sie der wesentliche Teil des Körpers. Sie befasst sich mit politisch-gesellschaftlichen Themen wie der Macht der Hightech-Medien über die globalisierte Gesellschaft oder der atomaren Bedrohung („Global Desire 2018“) und untersucht das Verhältnis von Individuum und Macht. Zu ihren Arbeiten zählen beispielsweise der Zyklus „Schlachtfeld Deutschland“, „Deutschland wird deutscher“ und der „Stauffenberg Zyklus“, in denen sie Faschismus und Rechtspopulismus thematisiert. „Kunst und Kapital” nennt sie ihre große Retrospektive in Bonn 2017. Soziale Konflikte diskutiert sie mit ihren Werken im öffentlichen Raum wie in Düsseldorf 2018. Im Juni 2019 präsentierte Sieverding ihre Ausstellung „Am falschen Ort“ im Schloss Dachau. 2020 werden ihre Arbeiten in den Deichtorhallen in Hamburg gezeigt. Katharina Sieverding lebt und arbeitet in Düsseldorf.

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