Ausstellungsplakat

In der Wanderausstellung »Hölderlins Orte« treffen Hölderlins Verse und Landschaftsbeschreibungen auf Bilder der Fotografin Barbara Klemm. Die Fotojournalistin und langjährige FAZ-Fotografin folgt mit der Kamera den Perspektiven und Blickrichtungen, Orten und Landschaften, die sich in Hölderlins Versen auftun. Bei einer eigens für die Ausstellung unternommenen fotografischen Reise sucht sie dafür die Orte auf, die sich in Hölderlins Biografie und Werke eingeprägt haben: Die Städte Lauffen, Nürtingen und Tübingen, Bad Homburg, Jena und Heidelberg, das Kloster Maulbronn, den Neckar, den Rhein, den Bodensee und Bordeaux. Nicht der Dichter selbst steht hier im Zentrum, sondern sein Blick auf die Landschaften, die zum Gegenstand seiner Gedichte geworden sind. Die Aussicht aus seinem Tübinger Turmzimmer, das Neckartal, der Bodensee. Ergänzend durchsucht Barbara Klemm ihr eigenes Archiv auf Schauplätze aus Hölderlins Werken, wie etwa die Schweizer Alpen, den Ätna oder Griechenland. So nähert sich die Fotografin, deren Werke in das ikonografische Gedächtnis der Bundesrepublik eingegangen sind, dem Dichter, der wie kein anderer die Grenzen der deutschen Literatursprache ausgelotet hat.

Die Ausstellung, die anlässlich des 250. Geburtstages des Dichters (* 20. März 1770 in Lauffen am Neckar) in Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg und der Universitätsstadt Tübingen konzipiert wurde, nimmt, wie der Dichter selbst, ihren Ausgang in Baden- Württemberg und macht sich von dort aus auf die Reise zu verschiedenen Orten in und außerhalb Deutschlands. Vom 7. September bis zum 23. Oktober 2020 ist sie in Bad Homburg im Forschungskolleg Humanwissenschaften zu sehen.

Fotografien der Ausstellung sind typisch in der Art wie die Fotografin fotografiert. Die Fotos der Ausstellung sind analog entstanden, mit diesem Credo behauptet sich die Fotokünstlerin in den Ausstellungen schon seit vielen Jahren. Etwas altmodisch könnte man meinen ist diese Technik im Zeitalter der digitalen Fotografie. Der Dichter Hölderlin ist bekannt für seine vielen Wanderungen gewesen, weshalb viele Landschafsaufnahmen in der Ausstellung vorkommen. Es sind dies Orte die Hölderlin aufsuchte auf seinen Wanderungen. Eine Ausnahme bildet die Fotografie vom Vulkan Ätna, der etwas eisig wirkt, so als stünde er auf Island im hohen Norden und schwelte. Ein Ort der Antike mit der sich Hölderlin lebenslang auseinandersetzte. Am Ätna selbst ist der Dichter niemals gewesen, dennoch muss ihm der Ort so gegenwärtig gewesen sein wie sonst kein anderer. Der Dichter war auch nur einmal in seinem Leben an der Küste und am Meer, das war während seines Aufenthaltes in Bordeaux, wo er zeitweise beruflich tätig gewesen ist.  Zu sehen sind Baumgruppen und der Bodensee mit gebirgiger Silhouette im Hintergrund beinahe wie ein Panorama. Himmlische Szenerien erscheinen wie Sphärenbilder. Die Fotografin ist Impulsgeberin. Es sind verinnerlichte Orte über die sich nicht einfach diskutieren lässt, die über sich erzählen, obwohl sie diffus bleiben, haptisch nicht einfach zu fassen sind. Es sind aber keine Verstecke, die fotografisch festgehalten werden. Der Rheinfall von Schaffhausen aus ungewöhnlicher Perspektive ganz nah und dicht heran, nicht aus der Vogelperspektive wie der Wasserfall sonst gesehen wird. Dennoch ist ein unverkennbares Naturereignis im Gange. Der Hell-Dunkel Kontrast der Bilder drückt die typische Art der Künstlerin aus zu fotografieren. Stimmungen, welche durch das Fotografieren eine eigene Aussage bekommen.

www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Montag, 07.09.2020 – Freitag, 23.10.2020
Ort: Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität; Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg v. d. Höhe

 

Publikation zur Wanderausstellung:

Sandra Potsch (Hrsg.) / Wiebke Ratzeburg (Hrsg.)
Hölderlins Orte
Fotografien von Barbara Klemm
Mit Fotografien von Barbara Klemm
Text von Friedrich Hölderlin
Kerber Verlag, 2020
Gebunden, 128 S., 43 SW-Abb., 195 x 260 mm
ISBN 978-3-7356-0658-7

Foto (c) Kulturexpress

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