Das Publikum wird auf Nahbarkeit in der Stimmung eingeschworen, was mit der Passionsgeschichte einhergeht. In manchem glich das Oratorium einem Gottesdienst, der Jesu Leiden auf dem Kreuzweg durchlebte und damit die Leidensgeschichte erneut vergegenwärtigte. Das österliche Unterfangen war jedoch für die Allgemeinheit gedacht somit säkularisiert. Das stimmliche Aufgebot im Großen Saal war großartig. Sopranistin Kateryna Kasper sang mit vollem Einsatz in höchsten Tönen, wobei die Vielfalt ihrer stimmlich ausgefeilten Ausführungen weithin zu hören waren. Die Schwingung des Gesangs hinauf bis zu seinen Spitzen war auf alle Seiten hin ausgerichtet. Die gebürtige Ukrainerin verfügt mittlerweile über ein respektables Gesangs-Repertoire, das von Fanny und Felix Mendelssohn, über Händel bis zu Schostakowitsch und Weinberg reicht. Die Palette der Komponisten und deren Gesangsstücke dürften bestimmt noch um einiges erweiterbar sein.

Das mitgelieferte Programmheft bot im übrigen den gesamten Text zur Matthäus-Passion, so dass bei Bedarf ein Mitverfolgen nicht schwer gemacht wurde und erkennbar blieb, an welcher Stelle sich die Aufführung gerade befand, welche Stimme welchem Sänger und welcher Sängerin zuzuordnen waren. Bei der Vielzahl an Menschen, die sich während der Aufführung auf der Bühne befanden sicherlich hilfreiche Unterstützung, zu wissen, wer welche Rolle innehatte, die von Jesus, wer Evangelist und wer die anderen waren.

So beeindruckte, die von einem Mann, Countertenor Philippe Jaroussky, gesungene durch seine ungewöhnliche aber durchaus gelungene Interpretation und durch Akkuratesse gezeichnete Altstimme und stach hervor, was sonst einer Frauenstimme zuzuordnen gewesen wäre. Genauso eindringlich und herzzerreißend brachte Zachary Wilder seinen Tenorgesang auf der Bühne hervor. Den Bass schlug Andreas Wolf ganz hervorragend auf seine Seite. Den Christus verkörperte Yannick Debus mit tiefer ruhiger Stimme, gut zu unterscheiden von dem im Tenor gesungenen Evangelisten durch Maximilian Schmitt, mit dem er durch zahlreiche Passagen hinweg im gesanglichen Dialog stand.
Verantwortlich für die Aufführung am 16. März in Zusammenarbeit mit der Alten Oper Frankfurt war die Konzertreihe der Frankfurter Bachkonzerte.


