Sign of the Times: Aktuelle Arbeiten aus dem SIA Masterpreis S AM Schweizerisches Architekturmuseum vom 25. Mai bis 25. August 2024


In Zusammenarbeit mit der Berufsgruppe Architektur des Schweizer Ingenieur- und Architektenvereins SIA und dem Architekturrat der Schweiz. Die Ausstellung bietet einen einzigartigen Blick in die Zukunft der Schweizer Architektur: Anhand der prämierten Projekte des nationalen Wettbewerbs für Masterarbeiten ‹SIA Masterpreis› aus den zwei vergangenen Ausgaben 2022/2023 stellt die Schau gewagte Visionen junger Architekt*innen vor, die einen spannenden Input in die Praxis der Architektur liefern. Darüber hinaus zeigt die Ausstellung erstmalig einen Überblick über die aktuelle Ausbildungslandschaft für Architektur in der Schweiz. Genauso, wie sich die Baubranche neuen Aufgaben stellen muss, um den drängenden sozialen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit zu entgegnen, verändert sich auch die Architekturlehre: neben klassischen Gebäudeentwürfen setzen sich Studierende in ihren Arbeiten heute immer mehr mit partizipativen Prozessen, landschaftlichen Transformationen und performativen Formaten auseinander. Viele nutzen einen erweiterten Architekturbegriff, der über das Gebäude hinausgeht und Landschaft, Landwirtschaft, Raumplanung, neue Techniken des Neu- und Umbaus und zeitgenössische Denkmalpflege miteinschließt. Anhand von grossformatigen Zeichnungen, anschaulichen Modellen und anspruchsvollen Videofilmen macht die Schau den Wandel und die Vielfalt an den Architekturschulen der Schweiz für ein breites Publikum sichtbar und inspiriert dazu, über die Weiterentwicklung des Architekt*innenberufs nachzudenken.

Kuratoren: Andreas Ruby & Yuma Shinohara, S AM

Seit 2022 vergeben die Berufsgruppe Architektur des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) und der Architekturrat der Schweiz jährlich den SIA Masterpreis Architektur, um die acht besten Masterarbeiten der Schweiz aus dem vergangenen Jahr auszuzeichnen. Diese Ausstellung versammelt die Preisträger*innen der ersten beiden Ausgaben und bietet eine seltene Gelegenheit, einen Querschnitt der verschiedenen Themen zu betrachten, für die sich junge Architekt*innen in der gesamten Schweiz interessieren. Zusätzlich zu konventionellen Bauentwürfen lassen sich Studierende heute zunehmend auf partizipatorische Praktiken, territoriale Transformation und performative Formate ein. Eine Mehrheit der Projekte entscheidet sich gegen Neubauten und arbeitet stattdessen im Bestand. Viele greifen eine über das Gebäude selbst hinausgehende Definition der Architektur auf, die die Landschaft, die Landwirtschaft, die räumliche Planung, neue Technologien für den Bau und die Transformation von Bauwerken sowie den Denkmalschutz mit einbezieht.

Hotel & Arrival Visualisierung des Projekts ‹Der Kanal, der Garten und die Stadt› von Florian Gugger (Anerkennung, SIA Masterpreis 2022, Schule: HSLU) © Florian Gugger

Die Freiheit, mit der diese Arbeiten sich ihrem Gegenstand nähern, bezeugt einerseits die radikale Transformation der Architekturpädagogik an schweizerischen Hochschulen in den letzten Jahren. Da Studierende das Thema ihrer Masterarbeit zunehmend selbst wählen, anstatt auf einen vorgegebenen Auftrag zu reagieren, spiegeln die hier versammelten Werke andererseits auch ein Umdenken dieser Generation wider. Dieser jungen Kohorte ist klar, dass Architektur in ihrem traditionellen Verständnis nicht länger ausreicht: in Reaktion auf zunehmende soziale Ungleichheit und die drohende Klimakatastrophe erkunden diese Entwerfer*innen neue Aufgaben und setzen sich mit immer grösseren und komplexeren Problemen auseinander. In einer Zeit, in der auch die architektonische Praxis unter Druck steht, sich neu zu definieren, bieten die ambitionierten Ansätze und hoffnungsvollen Visionen dieser jungen Praktizierenden eine wichtige Intervention und eine offene Einladung, über neue Wege zu reflektieren, Architektur zu machen und zu denken.

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