Im November stehen zwei Veranstaltungen zu hochaktuellen politischen Themen auf dem Programm: Putins Propaganda und die Literaturpolitik der Neuen Rechten.
Die Journalistin Irina Rastorgueva hat sich intensiv mit dem System aus Fake News, pseudowissenschaftlichen Ideen und manipulativer (Bild)Sprache in den sozialen Netzwerken befasst. Für ihr Buch «Pop-up-Propaganda» wurde sie mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. «Ihr ist ein bedeutender Beitrag zum Verstehen russischer Verhältnisse gelungen». (ZEIT online)
Am 4. November 2025 diskutiert Rastorgueva mit der Slawistin Sylvia Sasse darüber, welche historischen Verbindungen es zur Sowjetzeit gibt und wie das System nicht nur im Land selbst wirkt, sondern über verschiedene Kanäle auch sehr wirkungsvoll im Ausland eingesetzt wird. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe «Schreiben und Widerstand», die von Usama Al Shamani konzipiert und moderiert wird.
Vor dem Hintergrund der erstmals stattfindenden Buchmesse in Halle, wo sich (neu)rechte Verlage präsentieren, haben unsere Kolleg:innen vom Literaturhaus Halle eine Dikussion zur Literaturpolitik der Neuen Rechten organisiert. Sie können die Diskussion kostenlos im Livestream verfolgen.
Am 6. November 2025 stellt Nora Gomringer ihr Prosadebüt vor, ein sehr persönliches Erinnerungsbuch über ihre Familie und ihr Aufwachsen, in dem sie ihre Mutter ins Zentrum stellt. «‹Am Meerschwein übt das Kind den Tod› ist ein sprachlich herausragendes, ambivalentes, seelenvolles Zeugnis dessen, was es bedeutet, eine Familie zu sein und seine Eltern zu verlieren, an den Tod, oder an das Schweigen». (Süddeutsche Zeitung)
Und nicht verpassen: Die gerade auf Deutsch erschienenen Briefe von Jane Austen, sind eine Entdeckung! Sie werden gelesen von Claudia Jahn und umrahmt von Musik aus England, gespielt vom Trio Candor am 30. Oktober 2025.
Ausserdem: In der Schreibwerkstatt mit Gabrielle Alioth am 1. und 2. November 2025 sind noch Plätze frei. Hier geht’s zur Anmeldung.
Schreiben und Widerstand
Propaganda: Mit Irina Rastorgueva & Sylvia Sasse
Dienstag, 04. November 2025, 19.00
Literaturhaus Basel
Autorin: Irina Rastorgueva
Gespräch: Sylvia Sasse
Moderation: Usama Al Shahmani
Die Journalistin Irina Rastorgueva hat mit «Pop-up-Propaganda» eine schonungslose Chronik der Sprachmanipulationen und Täuschungen im heutigen Russland vorgelegt. Ihre Montage aus Zeitungsfundstücken, unabhängigen Berichten, eigener Erfahrung und Analyse führt uns vor Augen, wie tief die Propaganda in alle Lebensbereiche eingesickert ist. Gleichzeitig wird gezielt an der Destabilisierung demokratischer Gesellschaften weltweit gearbeitet. Gemeinsam mit Sylvia Sasse, die u.a. über das Verhältnis von Künsten und Desinformation im Kalten Krieg und in der Gegenwart forscht, spricht sie über Schreiben als Form des Widerstands und über die Frage, wie Sprache die Mechanismen der Macht offenlegen kann.
Die von Usama Al Shahmani konzipierte Reihe «Schreiben und Widerstand» ist eine Einladung zum Hinhören, Zweifeln und Nachfragen. Schreiben als Gegenwehr, als eine Form, der Welt zu widersprechen, wenn andere Ausdrucksformen versagen. Siehe auch 11. Dezember 2025.
Lesung
Nora Gomringer: Am Meerschwein übt das Kind den Tod
Donnerstag, 06. November 2025, 19.00
Literaturhaus Basel
Autorin: Nora Gomringer
Moderation: Anna Chatzinikolaou
VorLaut-Lesung: Liljana Susuri
Die bekannte Lyrikerin und Performerin Nora Gomringer legt ihr Prosadebüt vor, in dem sie ihre Mutter, Nortrud Gomringer, ins Zentrum stellt. Sie war eigenständig und eigenwillig, eine begabte Germanistin, die in der Ehe mit Eugen Gomringer die klassische Frauenrolle einnahm: dem grossen Künstler und Erfinder der Konkreten Poesie den Rücken freihalten, sich um den Haushalt kümmern und seine Affären ertragen. Entstanden ist ein Erinnerungsbuch, das «trotz seiner oft schweren Themen charmant, frech, manchmal selbstironisch und dann wieder auf eine vergnügliche Weise prunkvoll» ist (SRF 2 Kultur). «Ich schreibe über meine mannigfaltige Mutter, ihre Weisheit und Komik, ihren Mann, die Sache mit den Meerschweinchen und mich.»
Die Vorlaut-Lesereihe gibt Nachwuchsautor:innen eine Bühne. Analog zur Vorband in der Musik treten sie mit ihrem Text vor etablierten Autor:innen auf.
Gespräch aus aktuellem Anlass
Moral und Unmut
Sonntag, 09. November 2025, 11.00
Online: kostenloser Livestream aus Halle (Saale)
Autorin: Anne Rabe
Publizist: Matthias Meisner
Rauhe Zeiten allerorten! Auch und gerade in Halle (Saale) dieser Tage. Was in der öffentlichen Auseinandersetzung um einen «Seitenwechsel» wahlweise mit «Selbstverharmlosung» oder schlicht «Diskursverschiebung» umschrieben wird, ist in Wahrheit ein Kampf um Deutungshoheit bzw. ein «Kampf um die Köpfe». Es ist kein Zufall, dass vor allem im Bereich der Literatur diese Auseinandersetzung besonders erbittert geführt wird. Der Mangel an gängigen und erkennbaren Gegenkonzepten wird vielerorts beklagt. Ein Grund zum Verzweifeln? Nein – sagen zwei Autor:innen, die in Halle aufeinandertreffen. Und sie haben triftige Gründe, gute Argumente und mehr als lesenswerte Bücher im Gepäck.
Dies ist eine Veranstaltung des Literaturhauses Halle. Für weitere Fragen zur Veranstaltung wenden Sie sich bitte an: kontakt@literaturhaus-halle.de
Link zum Stream: hier

