Ab 04. Dezember 2025 bundesweit im Kino: Südtirol, 1961. Die norditalienische Region wird durch eine Serie separatistischer Anschläge erschüttert. Während der junge Bauernsohn Paul der Perspektivlosigkeit seines Dorfes entkommen und Malerei studieren will, kämpft sein älterer Bruder Anton für den Schutz der deutschsprachigen Minderheit – notfalls mit Gewalt. Nachdem Anton als einer der Attentäter enttarnt wird, flieht er und lässt Hof und Familie zurück. Widerwillig verschiebt Paul seine eigenen Pläne, um Antons Frau Anna und ihren kleinen Sohn zu unterstützen.
Während die Lage eskaliert und die italienische Polizei hart durchgreift, beginnt Anna sich zunehmend gegen die patriarchalen Strukturen ihres Umfelds zu wehren. Paul hingegen muss sich entscheiden – zwischen familiärer Loyalität und persönlicher Selbstverwirklichung. In seinem Kinodebüt beleuchtet Regisseur Michael Kofler packend und eindringlich die Ereignisse rund um die „Feuernacht“ in Südtirol. Thomas Prenn und Laurence Rupp agieren als gegensätzliches Bruderpaar an der Seite von Aenne Schwarz als moderne Vordenkerin.
| CREW
REGIE & DREHBUCH
CAST |
REDAKTION Florian Kummert (BR) Carlos Gerstenhauer (BR) Birgit Kämper (ARTE) Klaus Lintschinger (ORF) Julia Sengstschmid (ORF) BILDGESTALTUNG Felix Wiedemann BSC MONTAGE Florian Miosge BFS SZENENBILD Martin Reiter KOSTÜMBILD Monika Buttinger VÖF MASKENBILD Tünde Kiss-Benke Alisza Pfeifer CASTING Lisa Oláh ORIGINALTON Stefano Bernardi TONGESTALTUNG Niklas Kammertöns BFVT MISCHUNG Alexander Koller MUSIK Teho Teardo |
| THOMAS PRENN als Paul Passler AENNE SCHWARZ als Anna Passler LAURENCE RUPP als Anton Passler FRANCESCO ACQUAROLI als Maresciallo Lombardo ANDREA FUORTO als Carabiniere Alessandro |
Filmwebsite: Weltkino Filmverleih | Zweitland
2025 Deutschland, Italien & Österreich
Genre: Drama
Laufzeit: 112 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Weltkino Filmverleih GmbH

Historischer Rückblick
Mit Ende des 1. Weltkriegs fiel das mehrheitlich deutschsprachige Südtirol 1919 an Italien. Benito Mussolini italianisierte die Gebiete. Durch Verbote der deutschen Sprache und Schulen, sowie die gezielte Ansiedlung italienischsprachiger Bevölkerung aus dem Süden Italiens verfolgte die Regierung das Ziel sich vor Ort zu etablieren.
Das Pariser Abkommen von 1946 zwischen Österreich und Italien, sollte der deutschsprachigen Bevölkerung in Südtirol Autonomierechte und völkerrechtliche Schutzbestimmungen gewähren, wurde in der Folge aber nur teilweise umgesetzt.
Die Forderungen nach Gleichstellung hielten an. Im Jahr 1961, formierte sich in Südtirol organisierter Widerstand gegen die ethnische und wirtschaftliche Diskriminierung. In der Nacht vom 11. auf den 12. Juni kam es zur sogenannten „Feuernacht“, bei der Mitglieder der Untergrundorganisation Befreiungsausschusses Südtirol (BAS) dutzende Strommasten sprengten, die der Energieversorgung von italienischen Industriebetrieben dienten.
Ziel der Aktion war es, internationale Aufmerksamkeit auf die Südtirolfrage zu lenken. Die italienischen Behörden reagierten mit umfassenden Polizeimaßnahmen: Es kam zu Massenverhaftungen, Übergriffen auf die Bevölkerung und Menschenrechtsverletzungen.
Die folgende Verschärfung des Konflikts, sowie zunehmender internationaler Druck von Seiten der UNO führten zur Wiederaufnahme diplomatischer Verhandlungen zwischen Rom und Wien.
Im Jahr 1972 trat ein neues Autonomiestatut in Kraft, welches der deutschsprachigen Minderheit seitdem umfassende Schutzmaßnahmen und weitreichende Selbstverwaltungskompetenzen zusichert.
Director’s Statement
Rückblickend habe ich mir eigentlich bereits seit meiner frühesten Jugend in Südtirol immer die Frage gestellt: Südtirol, heute eines der beliebtesten Urlaubsziele Europas, Wintersport- und Wanderparadies par excellence, jedoch vor wenigen Jahrzehnten noch, ethnisch-politischer Krisenherd, Schauplatz von Terroranschlägen und Sorgenkind internationaler Diplomatie. Wie passt das zusammen? Der Gedanke, dass in der vom Hochglanztourismus geprägten Umgebung, in der ich aufwuchs, nur wenige Jahrzehnte zuvor Bomben explodierten und scharf geschossen wurde, schien mir unvorstellbar.
Die Grenzen in Europa waren mittlerweile gefallen, Südtirol zur diplomatischen Erfolgsstory geworden, zu einem Musterbeispiel für eine dauerhafte Befriedung eines Minderheitenkonflikts. Jedoch während ich Nirvana hörte und jugendlich-verloren auf die Schrecken in Bosnien auf der Mattscheibe starrte, war vor der eigenen Haustür das Kapitel der Terroranschläge der 1960er Jahre in Südtirol noch ein Tabu. Darüber redete man nicht, die Narben waren bei vielen noch spürbar. Vielleicht war es gerade dieses Schweigen, warum ich später, als ich bereits im Ausland lebte, dieses Thema so hungrig, aber mit dem kritischen Blick aus der Distanz in mich aufgesogen habe. Daraus wurde eine Geschichte über die Eskalation eines Minderheitenkonflikts, aber vor allem eine Spurensuche nach den Ursachen der Narben, denen ich damals als Heranwachsender in meiner Umgebung begegnet war.

ZWEITLAND ist eine Geschichte über die politische Verantwortung des Einzelnen. Wie weit muss man gehen, um ihr gerecht zu werden und wie weit darf man gehen, ohne Schuld auf sich zu laden? In einer Gegenwart, in der das Vertrauen vieler in das politische Establishment und in traditionelle demokratische Strukturen verloren geht und der Populismus wieder Einzug in viele Parlamente hält, ist die Frage nach politischer Verantwortung relevanter denn je. Grenzzäune werden wieder gezogen und der öffentliche Diskurs wird oft von der Frage bestimmt, was uns als Menschen trennt und nicht was uns verbindet. Mein Debütfilm spielt in einer kleinen Region in den Alpen im Jahre 1961, erzählt aber von gegenwärtig akuten Themen wie der Angst vor ‘Überfremdung’ und den Verwerfungen national-patriotischer Ideologien. Leise und subtil folgt das Drama einer Spirale ausgehend von politischer Frustration, über Radikalisierung, bis hin zu der verlockenden Versuchung sich einfachen Lösungen für sehr komplexe Probleme hinzugeben. Der Film romantisiert dabei nicht, sondern führt seinen Figuren neben den Abgründen der Gewalt auch die Grenzen und die Ambivalenz von Politik und Diplomatie vor Augen.
Der Film ist kein Historienepos, sondern bewegt sich abseits der großen politischen Bühne. Die Geschichte entfaltet sich im Rahmen eines intimen Familiendramas. In der Enge des Bauernhofs und in der Beklemmung des ländlichen Dorfes fordert toxische Maskulinität ihren Tribut. Der Wunsch nach Selbstverwirklichung kratzt am patriarchalischen Rudelverhalten, aber wird auch zu einer Suche nach der eigenen Identität. Im Zentrum steht dabei eine leise Dreiecksgeschichte zwischen zwei Brüdern und einer Frau, in einer Welt in der wenig Platz für große Worte bleibt, sondern oft ein Schweigen genügen muss.
ZWEITLAND ist ein ‘Anti-Heimatfilm’, der den Blick in einen toten Winkel der Postkartenidylle wagt. Die Landschaft Südtirols bedrückt mehr, als dass sie beeindruckt. Der Film hält jedoch auch inne an den Rissen in der Kruste, durch die, selbst in den dunkelsten Momenten, das Licht und die Menschlichkeit nach außen dringen können. Die zeitgenössische Ästhetik des Films will eine Brücke zwischen der Vergangenheit und dem Hier und Heute schlagen. Die gelöste, intime Handkamera, ist stets nah dran an den Figuren, die sich Fragen und Ängsten von heute stellen. Das minimalistische Sounddesign schafft Momente unerträglicher Stille, nach denen Lärm und Aufregung nahezu wie eine ersehnte Erlösung wirken.



