Podiumsgespräch der „Herbstakademie“ vom 10. Oktober: Offene Areale – Herausforderung Kulturcampus


Die publikumsstarke Veranstaltung die im Foyer der Universitätsbibliothek an der Bockenheimer Warte im Rahmen der Reihe „Herbstakademie“, die vom 06. – 11. Oktober 2025 an verschiedenen Orten in Frankfurt stattfand und sich den Fragen widmete, die mit Herausforderungen in Kultur- und Stadtentwicklung zu tun haben an diesem Abend mit einem besonderen Blick auf die Situation auf dem Kulturcampus. Die Diskussion will damit historische Impulse des Neuen Frankfurt aufnehmen. Zugleich richtete sie damit einen vergleichenden Blick auf das „Friche La Belle de Mai“ in Marseille, einem durch Umnutzung neu geschaffenen Ort künstlerischer und sozialer Praxis, ein Ort der ähnlich zum Kulturcampus verstanden werden kann.

Es gäbe an dieser Stelle zahlreiche weitere Projekte, die zu erwähnen wären mit Vorbildfunktion für den Kulturcampus als auch Inspirationsquelle städtebaulicher Lösungsansätze. Hierzu zählt das Kulturprojekt um das „Haus der Statistik“ in Berlin. Gemeinsam mit Expertinnen aus Kultur, Stadtplanung und Wissenschaft wurde diskutiert, welche Strategien, Allianzen und Konzepte notwendig sind, um offene, inklusive und vielfältige Kulturorte der Zukunft zu schaffen, die mehr sind als Funktionsbauten, sondern Möglichkeitsräume für Begegnung und gemeinsames Gestalten eröffnen.

Miriam Meurers,Theatermacherin, Compagnie Babelabab, hielt einen Kurzvortrag. Am Podiumsgespräch waren beteiligt Helen Barr, Kunsthistorikerin am Kunstgeschichtlichen Institut der Goethe-Universität Frankfurt, Julius Reinsberg, Historiker und Referent im Kulturdezernat der Stadt Frankfurt, Philipp Schulte, Vorsitzender Frankfurt LAB und Geschäftsführer Hessische Theaterakademie, Renée Tribble, Professur für Städtebau, Bauleitplanung und Stadtgestaltungsprozesse, TU Dortmund. Moderation hatte Andrea Jürges, stellv. Direktorin Deutsches Architekturmuseum. Die Veranstaltung war eine Kooperation in Zusammenarbeit mit dem Kulturdezernat Frankfurt am Main.

Oliver Elser, Kurator im Deutschen Architekturmuseum, DAM in Frankfurt erwähnte, dass mit der Herausforderung den Kulturcampus zu gestalten und neue Wege der Stadtentwicklung einzugehen zugleich eine gegenläufige Entwicklung an den Start gegangen sei, die sich politisch gegen das städtebauliche Projekt und den Kulturcampus richtet, indem die lokale CDU ein Gegengutachten in Gang gesetzt habe, welches die Umsetzung und Realisierbarkeit des Kulturcampus in seiner jetzigen und angestrebten Form ablehnt und stattdessen auf Abriss und Neubau setze. Hintergrund für diesen Affront sehen die Christdemokraten in der Tatsache begründet, dass neben ehemaliger Kunstbibliothek auch die Universitätsbibliothek an der Bockenheimer Warte nicht zu retten ist, da im Untergrund unter den Gebäuden eine flächendeckende Tiefgarage ausgebaut sei, die abgerissen werden müsse. Das gehe nur, wenn die darüber stehenden Gebäude zuvor abgerissen werden. Vor allem sei das Juridicum mit Anbauten betroffen. Die Tiefgarage sei marode und laufe latent voller Wasser, wodurch ein Problem durch anhaltende Feuchtigkeit im Gebäude entstehe, dem nur schwer mit technischen Mitteln Beizukommen sei. Eine sachgerechte Sanierung ist nur mit erheblichem Kostenaufwand zu bewerkstelligen, weshalb Abriss und Neubau als die wirtschaftlich kostengünstigere Variante zu bevorzugen sei, auch um damit Platz für den geplanten Neubau der Musikhochschule auf dem Areal zu schaffen.



Ergebnisse aus dem Gutachten lassen allerdings bisher auf sich warten und dürften von den aktuellen politischen Mehrheitsverhältnissen im Frankfurter Stadtparlament abhängig gemacht werden, inwieweit ein Gegengutachten wie das in Auftrag gegebene ausschlaggebend im Umgang mit dem Kulturcampus sein kann. Das Areal an der Bockenheimer Warte soll vor dem Abriss der ehemaligen Kunstbibliothek ausschließlich durch Zwischennutzung weitergeführt werden, was aus Sicht der Christdemokraten wirklich nur temporär zu verstehen bleibt. Ein Abriss des zweistöckigen Gebäudes sei nach jetzigem Kenntnisstand unausweichlich. Philipp Schulte betonte die Besetzung als einziges Mittel, mit der ein Zugang zur Kunstbibliothek überhaupt erst möglich geworden sei. Er stellte dies als probates Mittel zur Erreichung der Ziele in Bezug auf den Kulturcampus auch weiterhin in den Raum.

Erstaunen im Publikum löste die Ankündigung von Julius Reinsberg aus, dass auch das Gebäude der jetzigen Universitätsbibliothek J.C. Senckenberg an der Bockenheimer Warte abgerissen werden soll, allerdings erst nachdem die Bibliothek mitsamt dreigeschossig unterirdischem Magazin in einen Neubau an den Campus Westend umgezogen sei. Danach soll der bisher unter Denkmalschutz stehende Ferdinand Kramer-Bau an der Bockenheimer Warte zur Zwischennutzung weitergenutzt werden, worüber bisher allerdings kein Aufschluss besteht, welche Nutzer das Gebäude einmal in Anspruch nehmen werden. Im Gespräch sei unter anderen die Musikhochschule, die seit langem auf einen Neubau wartet. Die Goethe-Universität Frankfurt verfügt mittlerweile über insgesamt sechs Bibliotheken, die in der Stadt auf fünf Campusgelände verteilt liegen.

Allgemeiner Konsens bestehe jedoch in der Bedeutung einer Zwischennutzung auf dem Gelände, was schließlich durch wissenschaftliche Expertise durch das Forschungsprojekt des Frankfurter Forschungsinstitut (FFin) der Frankfurt University Applied Sciences gefördert wird. Insgesamt steht der Gegenentwurf jedoch im Widerspruch zur aktuellen Entwicklung für den Kulturcampus, letzteres wird durch Regierende im Frankfurter Stadtparlament aus SPD, Die Grünen und Volt als auch der Eigentümergesellschaft ABG Frankfurt Holding unterstützt. Ein Veranstaltungsbericht von Kulturexpress